THEATER

Die Tagespresse ist zurück

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Im ORF hat die Tagespresse-Show keine allzu lange Laufzeit gehabt, dafür ist sie jetzt mit ehrlich gesagt besserer Qualität wieder zurück im Rabenhof. Paul Kraker moderiert die Show mit erstaunlich ernstem Gesicht, die Nachrichten schwanken zwischen intelligent-humorvoll und zwischendurch ein bisschen abgedroschen, die eingespielten Videos wirken dafür besser gescripted und produziert, als die Videos in der Fernsehsendung.

Die TAGESPRESSE ist bekannt für gute Satire, immerhin haben es schon öfter Meldungen in die echten Nachrichten geschafft. Hin und wieder bieten sich auch nicht nur überspitzte Unterhaltung, sondern Punktlandungen zur Tagespolitik. Seitdem sie bekannter sind und der Produktionsrhythmus hinaufgeschraubt wurde, wird inhaltlich zwar mehr diversifiziert, manche Beiträge sind aber dennoch etwas seichter geworden. SEBASTIAN HUBER, FRITZ JERGERITSCH und JÜRGEN MARSCHAL haben auch im Theater dieses Verhältnis abgearbeitet. Im Theater gibt es ebenso dieses Verhältnis zwischen beiden Kategorien. Einerseits geht teilweise der leichte Witz durch, beim Publikum kam er zumindest bei der Premiere gut an, aber manches hat eben doch einen leicht bitteren Beigeschmack.

GEWOHNTE THEMENSETZUNG
Möglicherweise hängt das mit der Themenauswahl zusammen. Schwarz-Blau unzensuriert ist eine klare Ankündigung, dementsprechend offensiv ist auch die Konfrontation mit der Regierung. Das funktioniert genauso wie online, tatsächlich bleiben die Themen damit aber leicht eingeschränkt. Dabei geht es aber nicht nur gegen die Regierung, um schweigende Kanzler, überdrehte Innenminister oder Tempolimits auf Autobahnen, sondern die ganze Bandbreite an politischer Kritik. Also Totengeläute auf die SPÖ, Nachrufe auf die Grünen, Witze über Burschenschafter und die politische Ausrichtung des ORF.

Eine gewisse Ironie steckt hinter den ORF-Witzen, schließlich ist Paul Kraker quasi der Protagonist des Abends und gleichzeitig als eine der markanten Stimmen des Ö1-Morgenjournals ein bisschen ein Aushängeschild des ORF. Im Rabenhof bleibt er bei den Meldungen der Tagespresse genauso ruhig, teilweise dürfte es aber etwas anstrengend sein, das Gelächter und die Witze zu ignorieren und ernst zu bleiben. Besonders schwierig könnte das bei dem Einstieg zu GIS-Gebühren sein, der Abend erreicht damit zu einem frühen Zeitpunkt einen spannenden Gipfel.

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Grundsätzlich soll ja nicht allzu viel vom Inhalt gespoilert werden und nacherzählte Witze sind meist automatisch schlechter als sie ursprünglich waren. Deshalb also die Kurzfassung: Kraker ist zwar sozusagen alleine für die Meldungen verantwortlich und muss auch alles ernst rüberbringen, insgesamt gibt es aber mehrere Protagonisten. Da deckt sich das Konzept mit dem damaligen Programm der Fernsehsendung, zwischen verlesenen Kurzmeldungen und Schwerpunkten, werden mit vorgedrehten Beiträgen aber noch zusätzliche Themen eingebracht. So hat unter anderem MANUEL RUBEY einen Gastauftritt als Marketingguru der Grünen, NICHOLAS OFCZAREK einen als Instagram-Burschenschafter, ELIZABETH T. SPIRA hilft bei der Parteienvermittlung und CHRISTOPH FRITZ macht als Wirtschaftskammer-Aushängeschild einen auf heimlichen Star des Abends.

Abwechslung ist damit permanent gegeben, die meisten Beiträge sind auch gut durchdacht und umgesetzt. Problematisch sind dafür die Witze, die fast schon zu aufgelegt sind, manchmal fehlt es da ein bisschen an Eleganz. Die bemerkt man dafür bei den Themenabweichungen, nicht ganz so oft durchgekaute Bereiche wurden ein bisschen detaillierter abgearbeitet, wodurch der Inhalt eindeutig profitiert. Kabarett der großen Schule darf man sich von der Tagespresse-Show nicht erwarten, das ist aber auch nicht ihr Anspruch. Denn der liegt bei einem Abend voller Satire im Aufbau einer Fernsehsendung und der wird auch erfüllt.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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