THEATER

Opernball - der Sieg der Rechten

Der Opernball kann ein Schlagwort zwischen zwei Welten sein. Gesellschaft oder Kultur. Einerseits ist er eines der größten Events des Landes, jeder der Rang und Namen hat oder haben will, taucht deshalb am Donnerstag vorm Aschermittwoch in der Staatsoper auf. Andererseits kann Opernball für den Roman von Josef Haslinger stehen und damit für eine Film- und Theatervorlage. Eben als letzteres wird "Opernball" jetzt im Volx / Margareten gezeigt.

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Ähnlich wie das Buch von JOSEF HASLINGER ist "OPERNBALL" als Stück teilweise retrospektiv erzählt, teilweise entwickelt sich die Handlung während der Aufführung. Die zwei gegenteilig verlaufenden Erzählstränge, die einen Giftgasanschlag auf den Wiener Opernball rekonstruieren, sind anfangs etwas verwirrend, führen im Laufe der Zeit auch zu einer leichten Ungeduld. So ist schließlich einiges schon absehbar; was genau wie und warum passiert ist, wird aber aufgehoben. Insgesamt erhöht es aber den Spannungsbogen und führt zu einigen Aha-Momenten, was im Theater immer eine nette Denkaufgabe darstellt.

Grundsätzlich ist das Volx als Spielstätte so etwas wie die Off-Bühne des Volkstheaters, der kleinere Rahmen sorgt für mehr Vertraulichkeit, mangels physischer Bühne verschwimmt auch die Grenze zwischen Publikum und SchauspielerInnen. Zusätzlich trägt die Inszenierung dazu bei. Alexander Charim lässt die Schauspielenden direkt auf der Bühne Kostüme wechseln, kleine Änderungen stellen den Wechsel zwischen den Rollen dar. So können die sechs Schauspieler insgesamt 16 Rollen verkörpern, ohne dass es unübersichtlich wird.

Unübersichtlich ist abseits der entgegenlaufenden Handlungsstränge aber nicht viel – und selbst die sind nach spätestens zwanzig Minuten aufgeklärt. Auch die Wechsel zwischen den Rollen funktionieren einfach und sind klar. Genauso wie die Rollen selbst. Jede wird erfüllt, hat eine eigene Funktion und verliert dabei aber nicht an die andere Person auf der Bühne. So bleibt die Gruppe der "Volkstreuen" permanent gleich, sie übernehmen den Großteil der Handlung. Von der Entstehung der Gruppe, über den Mythos des Anführers - Joe, später "der Geringste" - wird bis zur Radikalisierung und dem Anschlag alles erzählt.

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DIE RECHTE RADIKALISIERUNG
Die Geschichte ist dabei einfach, passend zu den 90ern und trotzdem immer noch absolut aktuell. Angst um den Arbeitsplatz, vor der Zukunft, vor Neuerungen und dem Fremden sowieso führt zu Ausländerhass, der von der Politik geschürt wird und sich radikalisiert. Die Volkstreuen sind dabei eine anfangs eher zufällig entstehende Gruppe, die sich mit Saufen, Sex und Schusswaffen an den Wochenenden immer weiter im Nationalismus verlaufen, ein möglicher Grund könnten die vielen Arbeitskollegen mit Migrationshintergrund sein.

Die Gruppendynamik ist dabei sowieso der spannendste Aspekt. Die Steigerung der rassistischen Übergriffe bis sie ein Haus anzünden, ist allerdings nur die erste Stufe. Szenisch wechselt Charim für derartige Szenen zwischen erzählten Romanteilen, einen Großteil der Vorstellung muss hier das Publikum selbst im Kopf übernehmen. Allerdings ist das ohnehin meist eine bessere Idee als der verzweifelte Versuch, alles auch nur halbwegs realistisch darzustellen.

Als Resultat muss Joe flüchten und kehrt erst zwei Jahre später als der Geringste zurück. Sebastian Klein spielt Joe vielschichtig, von seiner Kindheit im Kloster Kremsmünster bis zur Rolle des radikalen Führers als "der Geringste". Nach seiner Rückkehr hat sich lediglich der Name auf "die Entschlossenen" geändert und auch die Gruppendynamik wird etwas schwieriger, sodass es zu Ausfällen zwischen den Gruppenmitgliedern kommt. Neben Klein sind das übrigens Lukas Watzl, Bernhard Dechant, Thomas Frank und Stefan Suske, die allesamt großartig spielen.

Um zumindest den Rest des Stückes nicht komplett vorweg zu nehmen, soll der rückwärtsblickende Strang der Handlung hier weniger beschrieben werden. Nur so viel: Rainer Galke übernimmt hier einen Großteil der Erzählung als Kurt Fraser und stellt dabei Persönliches, aber auch die Gesellschaft Österreichs in Frage. Berechtigterweise. Denn der Anschlag auf den Opernball führt zum Ende der Regierung und die nachfolgenden Neuwahlen werden von der nationalistischen Partei gewonnen. Womit der Terror gewinnt und gleichzeitig wiederum eine Ähnlichkeit zur jetzigen Realität hergestellt wird. Über erneute Ansätze zur Kritik an der österreichischen Gesellschaft braucht man sich damit wohl nicht mehr auslassen. Denn "Opernball" übernimmt das schön ausdifferenziert, aufzeigend und dennoch mit einem Hauch von ironischem Humor.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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