U6 CHRONICLES

Willkommen in der Stadt!

Ich wurde die letzten Wochen öfter gefragt, ob ich denn gegen ein Essverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln wäre (blieb ich eine klare Stellungnahme in meinem letzten BEITRAG schuldig). Meine Wahrheit jedenfalls ist: Ich verstehe Fahrgäste, die nicht in schmierige Essensreste zwischen Kunststoffsitz und Kunststoffwand greifen oder Salatblattl auf ihrer Schuhsohle durch die Stadt chauffieren möchten.

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WILLKOMMEN IN DER STADT!
Der Anstoß am Essensgeruch aber stößt mir als olfaktorisch universal stark beeinflussbare Person etwas scheinheilig auf, hat die U6 täglich Düfte parat, die in einer (auch kleineren) Großstadt und ihren öffentlichen Verkehrsmitteln nun mal existieren. Kein Essen weit und breit und mir schwindelt’s! Wie das geht? Willkommen in der Stadt!

ES WIRD STILL ...
Meine Empathie reicht jedenfalls nur so weit und behelligen wollen sich meine Sinne nicht lassen. Müssen sie sich auch nicht mehr, denn der einmonatige Snack-Rundumschlag um „das kleine Kebap“ (jaja, auch die anderen bösen Genüsslichkeiten wie Pizza, Burger und des österreichischen Semmerls Liebling Leberkas) ist vorbei. Nur auf den Zeitanzeigen wird noch aufs Essverbot aufmerksam gemacht und ein paar traurig abgekletztelte Plakate zeigen „kriminale“ Pizza und eben das kleine stinkige Kebap.

... UM DAS KEBAP?
Vielleicht ist es der einen oder dem anderen aufgefallen: Das kleine Kebap ...? Warum die Geschlechtsumwandlung ins Neutrum? Wird im deutschsprachigen Raum allerorts „der Kebap mit ... oder ohne ...“ bestellt. Der gescheiterte Versuch eines Diminutivs? Diesen verzeihe ich gerne, möchte ich doch nicht in jedes Essen ein Haar hineininterpretieren. Einstweilen bin ich gespannt auf die Umsetzung der Kampagne in den restlichen Öffis Wiens. Zum Effekt des eingeführten Essverbots in der U6 kann ich als werktägliche Passagierin nach über zwei Monaten zumindest sagen: Mahlzeit, das Schlemmen geht weiter.

SOLLEN SIE DOCH TRINKEN!
Und weil sich nicht alles um den Verzicht drehen muss, möchten wir an dieser Stelle unsrer liebsten braunen Wiener Linie zum 120jährigen Bestehen gratulieren und heben die Gläser (noch gibt es kein Trinkverbot, oder?)! Die ersten Stadtbahn-Teilstücke entlang der Gürtelstrecke wurden 1898 eröffnet, ab 1983 sollte die Transformation zur U6, wie wir sie heute kennen, begonnen werden. Was auch immer in den Waggons passiert – äußerlich werden die Otto-Wagner-Stationen seit Jahren nochmal richtig aufgehübscht, um an die architektonischen Anfänge zu erinnern. Und sie vorm Zerbröseln zu schützen.

Und weil Otto Wagners Worte der Wahrheit nochmals schwerer wiegen:
„Wir leben für die Lebendigen und nicht für die Toten. Wenn die Menschen Tote sehen wollen, so gehen sie in ein Museum. Wir wollen in einer Stadt wohnen, die allen ästhetischen und hygienischen Ansprüchen entspricht.“ In diesem Sinne: Wir sehen uns in der U6!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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