Not so happy ever after

John Green ist für viele Teenager bis "Twentysomethings" ein Superstar unter den Autoren. Bücher wie "Looking for Alaska", "Paper Towns" und sein großer Buch- sowie Filmerfolg "The Fault in Our Stars", sind nur Auszüge aus seiner Erfolgsgeschichte. Ebenfalls bekannt ist der charismatische Schreiber für seine diversen Videoprojekte, mit denen er auf unterhaltsame Weise Wissen weitergibt und gleichzeitig Aufmerksamkeit auf sensible und doch wichtige Themen wie zum Beispiel psychische Erkrankungen lenkt.

Dieser feinfühlige Seiltanzakt gelingt ihm auch bei seinen Büchern und ist wahrscheinlich der Grund, wieso diese so beliebt sind. Was die Leserin oder der Leser vorgesetzt bekommt, ist kein total verträumter, seichter Romantikroman für Teenager, sondern ein durchdachtes Spiel aus Überlegungen, Zitaten und Spannung. Liebe spielt zwar auch in John Greens Geschichten eine wichtige Rolle, wie sollte es auch anders sein, wenn es doch für Jugendliche, aber nicht nur diese, ein großes Thema ist, doch nicht immer gibt es ein Happy End.

notsohappyIn seinem neuen Roman "Turtles All the Way Down", hat Protagonistin Aza zum Beispiel dringlichere Probleme als ihre aufkeimenden Gefühle für einen Kindheitsfreund. Wie Green selbst, leidet sie unter Zwangsstörungen. Nicht nur, dass die Erkrankung auf ungeschönte Weise wiedergegeben und nachvollziehbar gemacht wird, sondern auch Weisheiten fürs echte Leben, die in der Geschichte verpackt sind, kann man dem Autor hoch anrechnen. Während Miles in "Looking for Alaska" eine rosarote Brille trägt und seine Auserkorene vielleicht als etwas zu perfekt sieht, wie uns Menschen das leicht passiert, wenn wir verliebt sind, ist Aza selbstreflektierter:

"I took his hand, and part of me wanted to tell him I loved him, but I wasn’t sure if I really did. Our hearts were broken in the same places. That’s something like love, but maybe not quite the thing itself."

Eine wichtige, wenn auch oft hart zu lernende Lektion, dass Liebe nicht immer Liebe ist. Genauso wenig, wie er sich in Sachen Romantik für den leichten Weg für seine Figuren entscheidet, so wenig nimmt John Green ihnen auch andere Probleme ab. Azas Erkrankung zieht sich durch das ganze Buch, wird auf jeder Seite spürbar und das nicht nur für sie selbst oder die Leser*innen, sondern auch alle Figuren im Buch. Während ihre Mutter sich Sorgen macht, ihre beste Freundin genervt ist und sie ihren Schwarm nicht einmal küssen kann, ohne von ihrer Bakterienphobie eingeholt zu werden, gibt Aza nicht auf. Und doch lässt der Autor auch am Schluss keinen Zweifel daran, dass die Krankheit seine Protagonisten weiterhin begleiten wird, um es mit ihren Worten zu sagen:

"The problem with happy endings," I said, "is that they’re either not really happy, or not really endings, you know? In real life, some things get better and some things get worse. And then eventually you die."

Hier wird kein erhofftes und doch ganz realitätsfernes Happy End zusammengezimmert und dies ertragen wir als Leser*innenschaft nicht nur, weil Green uns so viele Lebensweisheiten verrät, sondern wir lieben ihn für seine Ehrlichkeit, die uns manchmal zwar das Herz brechen mag, aber doch auch immer einen Lichtblick lässt:

"You pick your endings, and your beginnings. You get to pick the frame, you know? Maybe you don’t choose what’s in the picture, but you decide on the frame."

 


Weiteres:
John Green erklärt seine Zwangsstörung:
https://www.youtube.com/watch?v=jNEUz9v5RYo
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"Turtles All the Way Down", Penguin Books Ltd., erschienen am 10. Oktober 2017

 

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