Die Tyrannei des Schmetterlings

"Die Tyrannei des Schmetterlings" ist ein opulenter Thriller und eine Science-Fiction-Geschichte über die düsteren Zukunftsaussichten der Menschheit dank künstlicher Intelligenz. Frank Schätzung geizt an keiner Stelle mit Ausschmückungen und lässt die Leserschaft gegen eine erdrückende Wortwalze kämpfen. Wer sich einmal in das Buch verbissen hat, wird es dennoch so schnell nicht mehr aus der Hand legen, denn obwohl man zeitweise von der Bedeutungsschwangerschaft der Worte erdrückt wird, so entwickelt man den Ehrgeiz das Buch durchzulesen. Was man dabei versteht oder gar mitnimmt, bleibt fraglich.

schätzingbuch0101Der Kopf schwirrt schon nach kurzer Zeit. Anfangs baut es sich langsam auf. Schockierende Bilder werden dennoch im geistigen Auge sichtbar, denn wir werden gleich zu Beginn in ein desaströses Szenario in Afrika versetzt. Man erahnt, dass irgendwo in diesem Buch der nackte Tod samt freigelegter Knochen lauert.

Doch zuerst bleibt es nach diesem Ausflug friedlich. Wir werden mitgenommen in ein verschlafenes Dorf, wo ein zurückgezogener Undersheriff namens Luther im Namen des Gesetzes unterwegs ist. Frank Schätzing wirft uns immer wieder Brocken aus dem Leben Luthers hin. Bis zu dem Tag, an dem eine Leiche gefunden wird und ein mysteriöser USB-Stick in einem Autositz Fragen aufwirft. Die Dinge beginnen sich zu überschlagen und allmählich kommt das riesige Storymühlenrad ins Rollen. Es tun sich geheimnisvolle Untergrundlabore auf und Brücken, die zu beschreiben nur ein Frank Schätzing in der Lage ist.

Doch ganz so alleine wie wir, ist der Hauptprotagonist Luther zum Glück nicht. Zum Glück gibt es den einen oder anderen Wegbegleiter, der ihm entweder unterstützend oder auch treu zur Seite steht. Der Schatten, gegen den Luther ermittelt, bleibt hingegen lange im Dunkeln. Wir müssen zuvor durch viele Dimensionsportale reisen und uns noch mehr mit hungrigen Supperwaffen beschäftigen, die in tierischer Form daherkommen. Das Buch gestaltet sich wie eine russische Matrjoschka. Es gibt in fast jedem Kapitel fremde Welten, andere Geschichten und alte-neue Figuren.

Die Bilder sind ausdrucksstark und die Geschichte in einem Ausmaß gespannt, dass es schier unmöglich erscheint, alle Kapitel im Nachhinein wieder korrekt zusammenzusetzen und wiederzugeben. Ein schönes Zitat diesbezüglich erhielt ich neulich von einem Bekannten, welcher sagte: "Frank Schätzing ist schlichtweg der Roland Emmerich auf sprachlicher Ebene". Vor großen Bildern und phänomenaler Phantasie, die sich in den eigenen Kopf einnistet, schreckt er wahrlich nicht zurück.

So wie man sich selber in spärlichen Umzeichnungen des Buches verliert, so artet die Geschichte leider ebenfalls aus: Tod, Verfolgung, die Suche nach dem so viel Größeren, all das soll ein kleiner Undersheriff auffangen und für uns als Sprachrohr in die hiesige Gedankenwelt Schätzings fungieren.

Wer Lust auf eine Story hat, die einen in andere Sphären katapultiert und mit Welten spielt wie mit Murmeln und auch vor waghalsigen Wortkonstruktionen nicht zurückschreckt, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen. Es hat nicht das Potential die Augen, hinsichtlich des sich schnell vollziehenden technischen Wandels, zu öffnen, bleibt jedoch mit einem gewissen Nachgeschmack in Erinnerung und lässt uns, vor allem im Sommer, Libellen und andere Insekten in einem ganz anderem Licht betrachten.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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