Wenn aus Industrie-Puppen fabelhafte Wesen werden

Die Leidenschaft für kreatives Schaffen lässt sich bereits in der beruflichen Laufbahn des Wieners Miki Filipovic erkennen. Er besuchte eine Modeschule in Wien und ist zurzeit als "Visual Merchandiser" tätig. Aber auch in seiner Freizeit liebt und lebt Miki, der sich selbst als kreativ-intuitiven Menschen beschreibt, eine ganz besondere künstlerische Tätigkeit: er individualisiert sogenannte "Blythe Dolls".

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Die ersten "Blythes" wurden 1972 von einem amerikanischen Spielzeughersteller auf den Markt gebracht, jedoch nur ein Jahr lang produziert. Es dauerte fast 30 Jahre, bis sie ihr Comeback in Japan hatten, wo sie mit Begeisterung aufgenommen wurden. Heutzutage sind vor allem "Second-Hand Blythes", die in präziser Handarbeit mit viel Liebe zum Detail umgestaltet werden, enorm beliebt. Fans der Puppen auf der ganzen Welt sind bereit, nicht nur kleines Geld für diese Unikate zu zahlen.

puppe0505Vor ungefähr zwei Jahren ist Miki auf Instagram auf eine "Customized Blythe Doll" gestoßen und war regelrecht fasziniert. Zu diesem Zeitpunkt war ihm auch klar, dass er selbst "Blythes" individualisieren wollte. Denn in der Umgestaltung dieser Puppen sah Miki die Chance, all seine Leidenschaft, Kreativität und sein handwerkliches Know-How zu vereinen. Wie jedem Künstler geht es ihm natürlich darum, etwas mit seinen eigenen Händen zu erschaffen. Was Miki aber in erster Linie antreibt, ist die Möglichkeit, diese emotionslosen Industrie-Puppen in eigenständige Wesen und Charaktere zu verwandeln.

Inspiration für seine Kreationen zieht er aus den unterschiedlichsten Quellen wie seiner musikalischen Liebe für die Künstlerinnen Björk, Anohni, Kate Bush und Tori Amos, Märchen aus seiner Kindheit wie "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen, seiner Leidenschaft für düstere Serien und Filme wie "The Monsters" und Tim Burtons "Nightmare before Christmas", seiner Begeisterung für den "Cirque du Soleil" sowie seiner Bewunderung für den verstorbenen Modedesigner Alexander McQueen. Und es ist genau diese Faszination für alles Märchenhafte, Hexenhafte, Mysteriöse, Melancholische und Avantgardistische, die er in seinem Handwerk so kunstvoll vereint.

puppe02VON DER INDUSTRIE-PUPPE ZUM UNIKAT
Grundsätzlich erwirbt Miki ganze Puppen, manchmal aber auch nur einzelne Elemente wie Körper, Kopf oder Perücke. Nachdem die "Blythe" in ihre Einzelteile zerlegt worden ist, beginnt die Neugestaltung des Gesichtes, die den Schwerpunkt in Mikis Arbeit darstellt. Vor allem Nase und Mundpartien werden in einem vielschichtigen Prozess geschliffen und geschnitzt und anschließend mit speziellen Pastellkreiden geschminkt und mehrfach versiegelt. Diese absolute Präzisionsarbeit wird mit den unterschiedlichsten Werkzeugen vollbracht und nimmt zwei bis drei Tage und Nächte in Anspruch. Wenn das Ergebnis nicht exakt Mikis Vorstellungen entspricht, beginnt für den Perfektionisten der ganze Prozess aufs Neue. Eine Besonderheit der "Customized Blythe" sind ihre Augen. Der Mechanismus der Ursprungspuppe wird so verändert, dass die Augen nun geöffnet und geschlossen werden können. In diesem Vorgang werden bis zu vier Augenpaare mit unterschiedlichen Blickrichtungen neu eingesetzt, wodurch die "Blythe" lebendiger wirkt. Die Lider und Blickrichtung können nun mit sogenannten "Pullrings" gesteuert werden, die mit Perlen oder Ähnlichem verziert sind. Nachdem die Perücke gestylt worden ist, wird die Puppe wieder zusammengesetzt. Die "Customized Blythe" wird nun dem Konzept entsprechend eingekleidet und anschließend fotografiert. Für den gesamten Umgestaltungsprozess benötigt Miki fünf bis sieben Tage.

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Mikis "Customized Blythes" sind im wahrsten Sinne des Wortes international: die Puppen werden in Japan gekauft und ihre Kleidung stammt aus den verschiedensten Ecken der Welt. Da Miki aber sehr genaue Vorstellungen von den Kleidungsstücken seiner "Blythes" hat, möchte er diese zukünftig in Wien fertigen lassen. Zurzeit ist die Tätigkeit als "Blythe Customizer" noch eher ein Hobby als Beruf – mit Sicherheit jedoch eine Berufung. Da das Interesse an seinen Kreationen stetig zunimmt und sich bereits weltweit Menschen für seine Unikate begeistern, will sich Miki in der Zukunft voll und ganz seiner Leidenschaft widmen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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