Endstation, bitte alle aussteigen!

endstation01Im 22. Wiener Gemeindebezirk entsteht seit 2009 eine Stadt in der Stadt – die Seestadt. Es ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas und soll bei der Fertigstellung 20.000 Menschen Wohnraum bieten sowie etwa die gleiche Anzahl an Arbeitsplätzen schaffen. Obwohl die Infrastruktur zum größten Teil bereits vorhanden ist, wird das meiste Angebot von den BewohnerInnen nicht aktiv genutzt.

Sophia Hörmann hat sich nun in ihrem Kurzfilm-Debüt "Endstation Seestadt" als Regisseurin, ebenso verantwortlich für Idee und Konzept, mit der Urbanität und Leere der Seestadt näher auseinander gesetzt. Die Regisseurin zeigt eine interessante Perspektive auf das Bauvorhaben, das als Prestigeprojekt der rot-grünen Wiener Landesregierung gilt.

OHNE WORTE
Gesprochen wird nicht in "Endstation Seestadt". Aber das soll auch gar nicht so sein. Worte wären nicht in der Lage die Stimmung dieses Stadtteils auszudrücken. Der Kurzfilm besteht aus verschiedenen Episoden, die nicht zwingend miteinander in Verbindung stehen, jedoch insgesamt das Gefühl eines großen Ganzen vermitteln. Die DarstellerInnen wirken beinahe gelangweilt, und vermitteln durch ihre Mimik und ihre Bewegungen eine Leere und Stille des Ortes. Die Zeit scheint still zu stehen in Aspern und die DarstellerInnen versuchen durch ihre Bewegungen diese Tatsache zu durchbrechen. An manchen Stellen entsteht bei den PerformerInnen ein Eindruck der Nachdenklichkeit.

AUSDRUCK DES INHALTS
Auf der Website des Kurzfilms wird erklärt, dass "der Körper das Mittel ist, mit dem der Raum für den Betrachter wahrgenommen wird." Die TänzerInnen und die Regisseurin drücken diesen Zugang nicht durch große Gesten oder eine besonders dramatische Choreographie aus. Es sind eher die kleinen Bewegungen, die "Endstation Seestadt" zu einem Kurzfilm über eine Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum machen: Hände, die in der Luft nach etwas greifen / Füße, die in den Stöckelschuhen auf einem Schotterweg umknicken / eine Darstellerin, die langsam durch einen See schwimmt / ein Mann, der neben einem Schaukelpferd steht.

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RAHMENHANDLUNG
B egleitet und erklärend sind die Aufnahmen, die die einzelnen Episoden voneinander trennen: Kräne, die im Hintergrund über den Häusern zu schweben wirken oder verlassene Spielplätze. Dadurch akzentuiert die Regisseurin die Leere und die Stille in diesem noch entstehenden Stadtteil. Teilweise wirkt die Seestadt in "Endstation Seestadt" wie eine vor zwanzig Jahren fluchtartig verlassene Stadt. Als ob man sich in der Vergangenheit befinden würde und der Stadtteil langsam verfallen würde. Im Hintergrund sind selten andere Menschen zu sehen. Die wenigen Personen, die man sieht, gehen schnell weiter und verschwinden aus dem Bild und somit aus dieser gezeigten Welt. Untermalt und zusammen gefügt werden die einzelnen Szenen durch den melancholischen Soundtrack, der den Kurzfilm perfekt ergänzt.

Unumgänglich ist für das Erleben und Verstehen des Kurzfilms ein eigener Besuch in der Seestadt. Aber bitte mit der U-Bahn anreisen, erst dann empfindet man diesen Stillstand und diese Leere in unserer schnelllebigen Zeit. Wenn immer weniger Menschen die Waggons der U2 füllen, und man sich, am Ziel angekommen, fragt: Ist das noch Wien?


Den Film kann man sich hier ansehen.

 

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