ESS(STÖRUNG)EN

essstörungeniiiWir Menschen essen.

Das ist eine unserer gemeinsamen Grundeigenschaften, egal woher wir sind, welcher Religion wir angehören, wie alt wir sind oder welches Geschlecht wir haben.

Über viele Epochen hinweg hat sich jedoch die Bedeutung der Nahrungsaufnahme ständig verändert. Während Essen ganz objektiv, von der praktischen Seite betrachtet, einfach nur dazu dient, unseren Körper mit Energie zu versorgen, hatte es schon vor hunderten von Jahren auch eine soziale Komponente. Einerseits konnte Reichtum, durch den Besitz einer Menge von Essen bewiesen werden und andererseits dienten gemeinsame Gelage als Ort des Beisammenseins.

Heutzutage hat man das Gefühl, dass sich alles noch viel mehr um den Kosmos Nahrungsaufnahme dreht. Doch es fällt uns alles nicht mehr so einfach, denn der Dispositiv Essen umfasst viel mehr, als die objektive Energieaufnahme. Die meisten von uns, die in einer westlichen Gesellschaft leben, haben die große Auswahl, was zu sich genommen werden kann und soll. Durch die Werbung und deren kapitalistischen Hintergedanken der Vermarktung, werden wir mit dauernd neuen, noch viel besseren, Produkten versorgt. Anstatt einer Hand voll Joghurts stehen uns in jedem Supermarkt über hundert verschiedene Sorten zur Verfügung. Durch soziale Medien isst keiner mehr für sich selbst; bevor das neue "Superfood" verzehrt werden darf, muss es noch für die Gemeinschaft fotografiert werden und regt somit wieder den Appetit, wohlgemerkt nicht Hunger, der nächsten Person an. Dem Gefühl, der Einsamkeit beim Essen, entgehen wir dadurch, dass wir anderen Menschen beim Essen zusehen, wie es in Asien gerade großer Trend ist.

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Während wir jedoch beinahe durchgehend Gusto haben, fürchten wir die Gewichtszunahme, denn ein guter, zielstrebiger, erfolgreicher Mensch ist schlank. Jetzt quetscht sich in unseren Terminkalender neben der ganzen restlichen Work-Life-Balance auch noch der Zwang, so viele Geschmäcker wie möglich zu konsumieren und dabei den perfekten Körper zu haben.

Statt zu essen, wenn wir Hunger haben, zählen wir Kalorien und zäumen das Pferd von hinten auf. Denn während uns Kilojoule und Kilokalorien ungefähr anzeigen sollten, ob die verzehrte Nahrung die Maschine Mensch mit genügend Energie für die täglichen Aufgaben ausstattet, wollen wir unsere Kalorienaufnahme verringern, um einen verringerten und damit anscheinend perfektionierten Körper zu erreichen.

Laut medizinischer Definition ist ein Indiz für eine Essstörung, welcher Art auch immer, dass im emotionalen, wie auch gedanklichen Mittelpunkt das Thema Essen steht. Inwiefern Kalorienzählen, Nahrungsunverträglichkeiten, Karnivorentum, Vegetarier- und Veganer-Sein, nur einmal wöchentlich oder täglich essen oder sich bei der Nahrungsaufnahme filmen, reine Smoothie-Diäten und Ähnliches sich nun als Volkskrankheit diagnostizieren lassen, sei dahingestellt.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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