Mit Haut und Haar

mithautundhaarklein01Besser lang, kurz, oder doch ganz ohne?

Die Rede ist natürlich von Haaren. Davon, welche Länge sie haben und welche Farbe, ob sie glatt oder doch gewellt sein sollen. Dies ist eine minimale Übersicht der Fragen, die sich die Ausstellung "Mit Haut und Haar" im Wien Museum stellt.

In den dunklen, kühlen Räumen wurde eine Analyse unserer Schönheitstrends aufgerollt, die eine willkommene Alternative zum Freibad bieten dürfte, wenn es bald schon zu heiß für alles andere sein wird. Apropos Sonne, eines der Exponate ist ein Sonnenbadeanzug und die dazugehörige Erklärung, wie es zu dem Wandel kam, dass der Adel früher die Sonne mied und sich gegebenenfalls mit Puder noch weißer schminkte und seit einigen Jahrzehnten ein regelrechter Sonnenanbeter*innen Kult entstanden ist, wird gleich mitgeliefert.

Wie dieser Umschwung werden auch andere analysiert, die ein Wechselspiel mit der Gesellschaft und immer neuen Innovationen eingehen. Zum Beispiel wie der Beruf des Baders obsolet wurde, nachdem immer mehr Haushalte eigene Nassräume bekamen, wie die Französische Revolution dazu führte, dass Perückenmacher immer mehr zu Barbieren und Friseuren wurden oder wie die Verbreitung von Fotos anstatt Zeichnungen, in Modemagazinen fast Hand in Hand ging mit der Verwendung von Retuschen.

Es ist spannend, wie die Ausstellung es schafft, Geschichte mit Geschichten, dem Darstellen von längst überholten Maschinen und gleichzeitig Medienkritik zu verbinden.

mithautundhaar02Denn jede Schönheitsmaßnahme, die wir an unserem Körper vollziehen, ist gleichzeitig ein Akt der Kultivierung von etwas Naturgegebenem. Die Quellen unserer Inspiration, sind hierbei unerschöpflich. Von Stars über Ratgeber, bis hin zu Modezeitschriften oder Blogs, wir finden überall Ideale, die es zu erreichen gilt. Doch dies ist nichts Neues, auf den Spuren von Sisi, Lisl Goldarbeiter, der ersten und einzigen österreichischen "Miss Universe", und Adolf Hitler, zeigt die Ausstellung, wie schon immer einzelne Menschen Trends setzten.

Ein weiteres Medium zur Verbreitung von Idealen, ist jedoch seit langem die Werbung. Durch geschickte Produktplatzierungen und attraktive Bilder gehören Körper- und Schönheitspflegeprodukte zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren. Alleine 2016 gab die österreichische Bevölkerung rund 1,6 Milliarden Euro für Kosmetik aus.1

Diese wichtige Bedeutung unseres Äußeren könnte auch erklären, wieso sich große Teile unserer Sprache damit auseinandersetzen. Von "das brennt mir unter den Nägeln" bis hin zu "haarsträubend", finden wir unsere Körpermerkmale tief im Redegebrauch verankert.  Daher ist es vielleicht gar nicht so "an den Haaren herbeigezogen", dass man lange glaubte, den Charakter eines Menschen an seinem Äußeren ablesen zu können. Wie diese Physiognomik jedoch Rassismus unterstützte und dazu führte, dass Menschen ihr Äußeres veränderten, um nicht mehr einer gewissen Zuschreibung zu entsprechen, erklärt die Ausstellung ebenso. 

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So beginnt und endet also jeder unserer Tage mit einem Blick in den Spiegel, doch wer einen Blick darüber hinaus riskieren will, sollte sich diese breitgefächerte und sehr informative Ausstellung im Wien Museum nicht entgehen lassen.

 


1 Daten eines Plakats der Ausstellung

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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