Über Taschen und Emanzipation

Als Kind war ich stolz darauf, in meiner Lieblingshose zwei Bücher unterbringen zu können. Sie hatte vorne zwei Taschen, die das perfekte Taschenbuchformat hatten, war gerade geschnitten und konnte am Bund enger gemacht werden, sodass sie auch bei schwererem Inhalt nicht in den Kniekehlen hing.

Heute finde ich es problematisch, überhaupt irgendwas in meinen Jeans unterzubringen. Nicht einmal mein Schlüsselbund, geschweige denn meine (sehr kleine, aber dazu kommen wir später) Geldbörse passen hinein, was dazu führt, dass ich oft eine unliebsame Tasche mit mir tragen muss. Ich weiß, viele Frauen sehen ihre Handtaschen als "fashion item" an, kaufen sich jede Saison das neueste Modell und daran ist auch nichts verwerflich, sofern man ein Taschen-Fan ist.

Mir sticht jedoch auf der Straße immer wieder ins Auge, wie unbeschwert und frei Männer wirken, (nicht alle natürliche, denn es gibt ja auch Man Bags) und wie sich Frauen ungesund in eine Richtung neigen, da sie ihr halbes Hab und Gut mit sich herumtragen. Auch aufgefallen ist mir in letzter Zeit jedoch, dass immer mehr Männer die Handtaschen ihrer Freundinnen tragen, nur allzu fair, wenn man bedenkt, dass gerne Handy, Geldbörse, Zigaretten und ähnliche Besitztümer der Herren der Schöpfung in besagte Tasche wandern, denn: "Schatzi, du nimmst eh deine Tasche mit, oder?" Während man bei Handtaschen einerseits die High-Heels-Theorie anwenden könnte, der zufolge besagtes Ding eine Erfindung des Mannes ist, um Frau gehandicapt und langsamer, somit kontrollierbarer zu machen, könnte man durch die Fremdeinlagerung von Sachen in Fraus Handtasche auch von einer Machtaufteilung im Sinne von, wer die Tasche hat, hat die Macht, sprechen. Um zurückzukommen auf mein Hosentaschenproblem: einer meiner Ansätze beim Fortgehen ist, all meine Besitztümer in die Hosentaschen meines Freundes auszulagern. Nun macht ihn das einerseits zum Leidtragenden, da er jetzt die doppelte Belastung hat, weil seine Taschen größer sind, andererseits bin ich bei jedem Getränkekauf, den ich als emanzipierte Frau selber zahle, gezwungen, ihn nach meinem Geld zu bitten.

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All dies nur, weil die Modeindustrie es als erstrebenswert ansieht, dass Frauen enge, körperbetonte Kleidung tragen und hierbei große Taschen (abgesehen von Handtaschen, die so groß sein können, wie es nur geht) nur die Silhouette ruinieren würden. Damit sage ich nicht, dass es sie gar nicht gibt, Hosen mit Taschen für Frauen, jedoch sind sie in der Modelandschaft nicht sonderlich verbreitet und viel zu oft stoße ich bei dem Versuch, etwas einzustecken auf das Problem einer Fake-Tasche – dies nicht nur in Beinbekleidung sondern auch in Blazern. Als wäre es nicht schlimm genug, keine Verstauoption zu haben, nein, man wird auch noch regelrecht durch das Vorgaukeln falscher Tatsachen gefoppt.

Interessant ist ebenfalls, dass Damengeldbörsen, wie sie im Moment im Trend liegen, doppelt so groß sind, wie die von Männern. Ich frage mich, wie es dazu kommt und ob Designer*innen denken, dass das weibliche Geschlecht mehr besitzt, um mit sich herumzutragen. Den gegebenen Platz voll zu bekommen, ist kein Problem. Schon in der Schule haben wir liebend gerne, in langweiligen Stunden, alle Geldtaschen ausgeräumt, die Inhalte analysiert und wieder alles zurücksortiert. Ich kann mich erinnern, wie die Mädchen mit den großen Geldbörsen meist mehr Gutscheinkarten und Rechnungen mit sich herumgetragen haben. Wenn man den Platz dafür hat, wieso nicht, doch in meine Geldtasche, die nur halb so groß ist, wie die der meisten Männer, geht sich trotzdem alles an Ausweisen, Papiergeld, Münzen, Bibliothekskarten und Ähnlichem, was man für das tägliche Leben braucht, aus.

Interessant, dass man für diese riesigen Frauengeldbörsen eine Hose mit taschenbuchgroßen Taschen bräuchte – oder eine Handtasche.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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