Oasen der Stadt

Ich bin einer der Menschen, der nichts mehr genießt als ein Leben im asphaltierten Dschungel, umgeben von allem, was eine Stadt nunmal zu bieten hat: volle Straßen, laute Lokale und allerhand kulturelle Aktivitäten, an denen man teilhaben kann. Kaffeehäuser, in denen man einen ganzen Tag verschwenden kann und Theater mit gemütlichen Sitzen, sind nur einige der Dinge, die ich an einer Stadt liebe. Aber selbst ein Stadtmensch wie ich braucht ab und zu eine Auszeit von dem Getümmel. Nach etwas Recherche ist klar, dass man dafür Wien nicht verlassen muss.

Abgesehen von den vielen Parks, die unsere Stadt zu bieten hat, gibt es für die sportlicheren unter uns auch noch einige Wanderwege, die uns in die naturbelasseneren Gebiete Wiens führen. Ja, man muss ein Stückerl fahren, um zu den Wegen zu gelangen, aber für die öffentliche Anfahrt ist gesorgt. Die Wanderwege selbst sind gut beschriftet und man findet im Internet ein Karte, in der alle verzeichnet sind. Auf den neun Routen, die es gibt, findet man Spielplätze, Aussichtsplattformen, Sitzgelegenheiten und natürlich Heurige, in denen man einkehren und sich stärken kann. Jeder dieser Wanderwege führt in eine Gegend Wiens, die man vielleicht sonst nicht so zu Gesicht bekommt, ausgenommen man lebt dort: Man kann die Donau entlang spazieren, zur Jubiläumswarte wandern und dort die Aussicht genießen, den Prater erkunden oder Ottakring von einer anderen Seite sehen, um nur ein paar zu nennen.

An einem sonnigen Tag beschließe ich also, mich in die Natur zu begeben und einen der Wege abzugehen. Der Rucksack ist gepackt, die bequemen Schuhe sind geschnürt und ich fahre mit der überhitzten Bim zu meinem Ausgangspunkt, den Nußdorfer Platz. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten finde ich auch den richtigen Weg und das Wandern kann beginnen. Die Route soll in drei bis vier Stunden abzugehen sein, ich habe mir aber in weiser Voraussicht den ganzen Tag freigenommen, da ich meine Veranlagung zum Trödeln kenne und auch meine nicht vorhandenen Orientierungssinn mit einberechnet habe.

Der Weg entlang der Donau ist wunderschön, das Wasser ist beruhigend, es weht ein angenehmer Wind und ich spüre den Stress der letzten Tage etwas nachlassen. Unterwegs treffe ich auf andere motivierte Wanderer, Pärchen, die ihre Zeit zu zweit genießen und Familien, die mal die Stadt hinter sich lassen wollen.

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Nach einiger Zeit schwenkt der Weg weg von der Donau hinein ins Grüne, und ich habe das Gefühl, mich nicht mehr in Wien zu befinden. Mit der Freude eines kleinen Kindes erkunde ich auch die Natur abseits der Route, sehe Schmetterlinge, Bienen und sogar ein Eichkätzchen aus der Ferne. Abgelenkt von der Ruhe und den Tieren verliere ich natürlich den Wanderweg aus den Augen. Nach einer halben Stunde, in der meine Wenigkeit aufgeschreckt im Kreis läuft und mir zu hundert Prozent sicher bin, dass ich hier verhungern werde, finde ich zurück auf den Weg und mein Abenteuer kann weitergehen. Die restliche Strecke halte ich mich an die Wegweiser und von da an blieb es eine ruhige, schöne Wanderung.

Nachdem ich verschwitzt und glücklich meine Exkursion beschlossen habe, setze ich mich noch in einen Heurigen zur Stärkung, bevor ich mich wieder in das Getümmel der Großstadt stürze. Mein Fazit dieses Abenteuer ist, dass es erstaunlich guttut, die Stadt mal hinter sich zu lassen und einen Tag in der Natur zu genießen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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