Kaffeehauskultur heute

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2011 erklärte die UNESCO Wien Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe. Ein Erbe, auf das wir stolz sein können, denn was gibt es besseres, als einen verregneten Tag im Kaffeehaus zu verbringen, in dem Wissen, Teil einer langen Tradition zu sein?

Alles begann 1685, als Johannes Theodat das erste Kaffeehaus in Wien gründete. Das neu eingeführte Getränk fand schnell großen Anklang bei der Bevölkerung und der Grundstein für diese Tradition war gelegt. Lange Zeit waren die Besucher ausschließlich Männer, die zusammensaßen oder sich in den Spiel- und Rauchsalons vergnügten.

Um 1900 erlebte das Kaffeehaus seine Blütezeit und viele bekannte Künstler verlegten ihre Arbeit und Freizeit in diese Einrichtungen. Dazu gehörten unter anderem Egon Schiele, Gustav Klimt sowie Oskar Kokoschka. Wirklich wichtig jedoch wurde das Kaffeehaus für die Literaten, denn viele der noch heute bekannten Autoren dieser Zeit wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig verbrachten ihre Zeit dort. Durch die Literatur, die in diesem Umfeld geschaffen wurde, entstand ein eigenes Genre: Die Wiener Kaffeehausliteratur. Natürlich gab es Kaffeehausliteratur auch in anderen Städten der Monarchie und Europas, doch ihr Zentrum blieb Wien. Auf diese Hochphase folgten die beiden Weltkriege und in den 1950ern kam es zu einem großen Kaffeehaussterben und viele der alten Einrichtungen wurden geschlossen.

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Doch wie sieht es heute aus? Konsumzwang, Ketten wie Starbucks und die Tourismisierung der alten Institutionen wie des Cafés Central und des Hawelkas könnten darauf hindeuten, dass die Kultur ausgestorben ist. Doch sobald man selbst in einem Kaffeehaus sitzt und die Leute beobachtet, merkt man, dass dem nicht so ist. Immer noch sind Cafés hoch frequentiert und auch einige der alten Traditionen werden noch immer gepflegt. So werden einem Zeitungen zur Verfügung gestellt, in denen man schmökern kann, die Kaffeeauswahl ist immer noch gigantisch und auch die "grantigen" KellnerInnen sind nach wie vor da, um uns den Tag zu versüßen.

Die Verlagerung der Arbeit in Kaffeehäuser bleibt en vogue. Natürlich ist das nicht in jedem Haus der Fall, aber man findet viele Orte, an denen man auf lernende Studierende, Schreibende oder am Laptop Arbeitende trifft. Und das verbreitet eine ganz eigene Art von Zugehörigkeitsgefühl. Man arbeitet zwar still vor sich hin, doch man fühlt sich nie einsam und es kann durchaus inspirierend sein, anderen dabei zuzusehen, wie sie ihren Tätigkeiten nachgehen.
Auch in unserem Sprachgebrauch merkt man noch das Vorhandensein der Kaffehauskultur. So ist die Phrase "sich auf einen Kaffee treffen" immer noch sehr beliebt. Dass man dann wirklich einen Kaffee konsumiert, spielt hierbei eigentlich keine Rolle, denn auch wenn man kein Kaffeetrinker ist, kann man diese Lokale genießen.

Das Schöne an Kaffeehäusern heute ist, dass sie nicht diskriminieren. Jeder Mensch, egal welchen Alters oder Geschlechts, kann sich in ihnen einfinden und dort eine nette Zeit verbringen. Egal ob beim Kartenspielen, oder beim Genießen von Livemusik oder Lesungen, die Kaffeehauskultur bleibt erhalten und es hat den Anschein, als würde sich dies nicht so schnell ändern.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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