Schmusechor - One Night in the Name of Love

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Am 23.6. fand im Wiener Atelier Theater das erste Solo Konzert des Schmusechors statt. "One Night in the Name of Love" - weil nomen ist ja bekanntlich omen. Es wurde zwar nicht geschmust (dafür war es im Saal dann doch einen Deut zu heiß), dafür umso mehr gesungen, geschnippt und getwerked. Besonderes Schmankerl: das vom Chor einstudierte "Schmusical". Am Ende des Konzertes will man sich zwar in einem Kübel Eiswürfel baden, jedoch auch Neologismen und Popsongs durch die Gassen singen: Es war schmu-tastisch.

schmusechor02FÄCHERTÄNZE UND HÜFTSCHWÜNGE
"Ihr seht total genial aus" - ist das erste, was die Chefschmuserin Verena Giesinger zum Publikum gewandt in den gefüllten Saal des Atelier Theaters ruft. Hier sitzen an die hundert Menschen, die sich mit allen erdenklichen Gegenständen Luft zu fächern. Jaja, es ist heiß an diesem Konzertabend, umso heißer aber auf der Bühne - und das in doppeltem Sinne (of course). Ob in Denim oder Leder, den Schmusechor würde man so schnell wohl nicht von der Bettkante stoßen. Ach ja. Singen können die auch. Und zwar richtig gut. Bei den mehrstimmigen Darbietungen bleibt die Gänsehaut nicht aus, bei "Space Oddity" möchte man aufspringen und laut "Bowie would be proud" gen Bühne rufen.

DER CHOR MIT DEM SCHLAFZIMMERBLICK
Natürlich muss auch ein gewisser Ruf verteidigt werden. Der am Format der Grammy Verleihung orientierte Konzertabend, der das Album des Jahres küren will (anfänglich Mira Lu Kovacs mit "the depressingly beautiful album") ist gespickt mit Pop Arrangements vom Feinsten. Heimlicher Sieger der Herzen ist die Darbietung von "Cry me a River", die Justin ein bisschen klein aussehen lässt, und sogleich abgelöst wird von der Zugabe "Heavenly Father" von Bon Iver, bei der die Gänsehaut sich gar nicht mehr einstellen will. Wir notieren: Dieser Chor definiert sich nicht nur über Popsongs aus dem Ironie Kastl der 90iger und frühen 2000er, sondern vermag es, verschiedene Stimmungen zu bedienen, als auch zu evozieren. Bester Beweis ist der Sitznachbar, der sich nach besagter Zugabe hinter vorgehaltenem Fächer leise ein Tränchen aus dem Augenwinkel tupft.

schmusechor01Den Enthusiasmus und das Engagement, das hinter diesem 2014 gegründeten Projekt steckt, spürt man in jedem Lied und jeder Geste. Es muss mittlerweile an die 50 Grad haben, in dem seit Wochen ausverkauften Atelier Theater. Doch der Schmusechor wischt sich beiläufig die Schweißperlen von der Stirn und singt. Zwei Stunden lang entführt der Chor mit dem Schlafzimmerblick (entnehmen wir der Homepage) auf eine Reise durch alle Genres und musikalischen Zeitalter. Ein bisschen hat man das Gefühl, in einem trashigen Musik Film gelandet zu sein - und das ist hier durchaus als Kompliment zu lesen. Am Ende stimmt die Saga eben auch. Einsame Herzen, die sich auf der Bühne zusammenfinden, um nicht mehr alleine unter der Dusche singen zu müssen, sondern aus einem Chor an (größtenteils) LaiensängerInnen, ein Projekt mit Herz, vor allem aber Talent und musikalischem Gespür für Zeitgeist und Inszenierung zu machen.

LIFE ON MARS
Ein weiteres Heureka ist die Projektion des mit They Shoot Music entstandenen Musikvideos der "Life on Mars" Adaptation, das erst letzte Woche released wurde. Vor der Wotruba Kirche steht der Chor which fell to earth im Video und macht dem Meister alle Ehre. Keine God awful small affair, auf alle Fälle. Aber genug des Sprüche Klopfens - wer den Schmusechor noch nicht live erleben durfte, sollte das unbedingt nachholen. Die nächsten Möglichkeiten bieten sich im Juli in Kooperation mit James Choice and the Bad Decisions am schönen Wolfgangsee (7.7.) oder beim Poolbar Festival in Vorarlberg (29.7.). Wer die Hauptstadt nicht verlassen will, muss noch bis 16.9. warten, da kann man den Schmusechor dann beim Streetlife Festival erleben.

Einmal Destiny's Child und ein seufzendes "Ich will doch nur schmusen" später: große Empfehlung!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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