Richard D. James. Ein Genie der elektronischen Musik

richardjames01Richard D. James, besser bekannt unter den Pseudonymen Aphex Twin, AFX, The Tuss, Caustic Window und Polygon Window, begann laut eigenen Aussagen im frühen Jugendalter (zwischen zehn und 13 Jahren), elektronische Musik zu produzieren. Die Sphären dieser prägte und prägt er bis heute noch wie kaum ein anderer. Die Einflüsse seiner Musik finden sich bei so verschiedenen Künstlern wie Steven Ellison (a.k.a. Flying Lotus, Captain Murphy), Björk (deren erste Tour James maßgeblich untersützte), dem Schriftsteller Ian Rankin (der zu seiner Musik an seinen Büchern schrieb), Deadmau5, Thom Yorke (Radiohead), John Frusciante (Red Hot Chili Peppers) und Wes Borland (Limp Bizkit).

Als Produzent von elektronischer Musik, die bis heute allgemein betrachtet noch die Fesseln der reinen Unterhaltungsmusik nicht verlassen mag, hat er jegliche Ausdrucksformen erforscht und gewann ironischerweise mit seinem Album Syro den Grammy Award 2015. Seine experimentelle Innovationswucht hat er bis heute trotzdem nicht verloren. Einen kurzen Artikel über seine mehr als 1.000 Tracks zu schreiben, gleicht dem Schweigen darüber. Deswegen möchte ich euch nur einen Bruchteil seiner Veröffentlichungen mit Empfehlungen vorstellen.

1. SELECTED AMBIENT WORKS 85 – 92 (1992)
Sein erstes Album veröffentlichte Richard D. James mit 20 Jahren, es wurde von Kritikern außerordentlich gelobt und gilt heute als Meilenstein der elektronischen Musik. Damals noch sehr an der Pentatonik orientiert, schuf James ein Ambient-Album mit schwebenden Klängen a la Brian Eno, gepaart mit entspannten Tanzbeats.
Empfehlung: Apeispolis (Die Antwoord benutzte bei Ugly Boy ein Sample dieses Tracks)
 https://www.youtube.com/watch?v=SfdPkM_VDVQ

2. SELECTED AMBIENT WORKS VOL. 2 (1994)
Das zweite Aphex-Twin-Album soll James in luziden Träumen und mit synästhetischen Methoden produziert haben. Noch stärker als sein erstes Album orientiert sich dieses Album an Ambient, berufen sich jedoch die Kompositionsformen stark auf die Minimal Music wie sie Steve Reich gemacht hat. Simple Harmonien mit aufwendigen Klangstrukturen bilden einen Raum wie Erik Satie ihn sich gewünscht hätte.
Empfehlungen: Curtains (eigentlich Untitled #7 (CD 1)) und Window Sill (eigentlich Untitled #6 (CD 2))
 https://www.youtube.com/watch?v=0z2L0Mo8C1s
 https://www.youtube.com/watch?v=O5Zsn6tJ2MY

3. ...I CARE BECAUSE YOU DO (1995)
Sein drittes Album unter dem Namen Aphex Twin wurde zwar wie das zweite eher verhaltener bewertet, zeigte jedoch vor allem James Experimentierfreudigkeit. An der Mischung aus Ambient, Techno und Avantgarde lässt sich der stilistische Wechsel seiner Musik hier gut erkennen. Tracks wie Icct Hedral und Ventolin sind rohe Klangexperimente und deuten James zukünftige Entwicklung bereits an.
Empfehlungen: Ventolin (Video Version) und Alberto Balsalm
 https://www.youtube.com/watch?v=PZ3alhUZ3Q4
  https://www.youtube.com/watch?v=ihyQf8mww3o

4. RICHARD D. JAMES ALBUM (1996)
Auf diesem Album experimentiert James mit dem Programmieren von Drumrhythmen am Computer. Dabei werden die Beats komplexer und es werden viele Glitches benutzt, die Melodien bleiben allerdings simpel. Auch erste Versuche, die eigene Stimme zu modulieren finden sich auf diesem Album. Nachfolgend wurde die Genre-Bezeichnung Drill & Bass für Richard D. James eingeführt.
Empfehlungen: Peek 824545201 und Logon Rock Witch
 https://www.youtube.com/watch?v=aDH_mPL9L4I
  https://www.youtube.com/watch?v=JQceBpIOU-E

5. DRUKQS (2001)
Von Musikkritikern teilweise negativ bewertet, finden sich hier viele Klangexperimente mit einem präparierten Klavier. Beeinflusst durch Satie und John Cage sind einige Stücke vergleichweise einfach gehalten, andere jedoch sind mit komplexen Kontrapunkten, intelligenten Akkord-Auflösungen bei bitonalen Passagen und dem klugen Auslassen einzelner Noten im phrygischen Modus für effektive Stimmungswechsel versehen. Die Klangkomplexität seiner Beats erreicht hier den ersten Höhepunkt. Fragmente der Melodien finden sich in Drum-Schnipseln wieder und beweisen die generelle Detailverliebtheit des Albums.
Empfehlungen: Kladfvgbung Micshk und Mt Saint Michel + St Michaels Mount
 https://www.youtube.com/watch?v=_LjMKx-Kto4
  https://www.youtube.com/watch?v=wlr8duyToKo

 Eine Einführung in James Musik stellt sich wie erwähnt als schwierig dar, da sie jeden Stil und jede Stimmung beinhaltet (von einfach bis komplex, von analog bis elektronisch, von ruhig bis aggressiv). In neueren Veröffentlichungen experimentiert James viel mit der Mikrotonalität, ungewöhnlichen Akkord-Auflösungen, disharmonischen Elementen und treibt die Benutzung von Synkopen bis zur Grenze (empfohlen seien hier die Tracks unter dem Namen The Tuss). In der zwölfteiligen EP-Serie Analord beschränkt sich AFX nur auf die Verwendung analoger Geräte und mischt tanzbare Musik mit dem Benutzen von Kontrapunkten und phrygischen Modi. Neben seinem präzisen Gehör (denn er kann weder Noten lesen, noch interessiert ihn Musiktheorie) kommt ihm zugute, dass er als Elektrotechniker seine Geräte nicht nur kennt, sondern sie oft auch selbstständig modifiziert. Gerade zu dem jetzigen Zeitpunkt, an dem elektronische Musik eintöniger, ideenloser wird und sich vor allem kaum etwas traut, brauchen wir Künstler, die wie Aphex Twin (oder auch Amon Tobin, Flying Lotus, Venetian Snares) die Grenzen der elektronischen Tanz-Musik auflösen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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