Post aus: Marokko

marokko0101Nach etwa vier Stunden Direktflug Wien – Marrakesch landet man in einer anderen Welt. Bereits am Flughafen sieht man Palmen. Die Stadt erinnert an den Disneyfilm "Aladdin" mit den engen Gassen und Märkten und den flachen Dächern der unzähligen Häuser auf denen man am liebsten zu orientalischen Klängen tanzen würde, während man glaubt die ganze Stadt zu überblicken. Am Jemal el Fna ("Platz der Gaukler") kann man Schlangenbeschwörer bestaunen oder sich wie Aladdin einen Affen auf die Schultern setzen lassen und fröhlich in die Kamera lächeln.

Autofahren ist ein Abenteuer für sich. Gurte gibt es eher selten in den Taxis; die Modelle stammen gefühlt aus dem letzten Jahrhundert. Alle Fahrerinnen hupen immer. Manchmal, vermute ich, um zu signalisieren, dass sie prinzipiell existieren, auch wenn vor ihnen, außer Staubkörnern, nichts ist. Die Spuren – falls sie überhaupt auf der Fahrbahn eingezeichnet sind – dienen den Leuten mehr als Vorschlag und nicht als Gesetz. Angst braucht man keine zu haben. Denn Autofahren können sie alle ausgezeichnet. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht wirklich. Dadurch sind die Straßen in den Städten fast immer voll. Die Autobahnen sind im Gegensatz dazu fast leer. Fußgängerinnen haben es nicht leicht in den Städten. Warum es dort überhaupt Zebrastreifen gibt, versteht man nicht so ganz, wenn man es fast nicht auf die andere Straßenseite schafft. Die Lösung ist einfach den Marokkanerinnen im Windschatten über die Straße zu folgen.

Die Medinas ("Altstädte") der Städte, vor allem in Marrakesch und Fez, sind Labyrinthe. Die Gassen führen durch die Souks ("Märkte") und wenn man einmal falsch abbiegt, hat man sich verlaufen. Erschwert wird die Orientierung dadurch, dass Straßenschilder dort nicht so en vogue sind wie bei uns. Teilweise hat nicht einmal mehr das GPS am Handy gereicht, um ans Ziel zu führen. Die einzige Möglichkeit sich dann doch nicht immer zu verirren, ist sich bestimmte Anhaltspunkte wie Geschäfte oder andere Auffälligkeiten zu suchen; oder Brotkrümel hinter sich fallen zu lassen. Die Gassen riechen intensiv nach Leder, weil das eine der wichtigsten Produktionszweige des Landes ist. Die Gerbereien in Fez sind in der ganzen Welt berühmt. Nur der Geruch ist etwas gewöhnungsbedürftig.

marokko0202Die Souks sind gepflastert mit Souvenirgeschäften, die im Endeffekt alle dasselbe verkaufen: Keramik, Lederwaren, Kleidung, Möbel aller Art und sonstiges. Und die Verkäuferinnen wollen verkaufen. Auch eine Matratze. Wenn man sagt, dass man in seinem Koffer keinen Platz dafür haben wird, kommt sofort der Einwand, dass man das ja auch verschiffen könne.

Sie schreien einem alles Mögliche zu und laden zu Tee in ihren winzigen Räumlichkeiten ein. Ein Muss ist es zu sagen, dass man keinen Zucker in seinen Tee haben will. Auch wenn sie dann schauen als ob man sie gerade geschlagen hätte. Ansonsten bekommt man gefühlt einen Kilo Zucker in sein Getränk und hat dann mit einem übersüßten Lächeln Konversation zu führen. Ebenso habe man den Tee ganz heiß zu trinken, erklärten mehrere Leute. Nicht nur einmal verbrennt man sich den Mund, wenn man diesem Tipp nachkommt.

Man schlendert durch die schönsten Parks und Gärten und will wie Scheherazade einem König Geschichten ins Ohr flüstern und dabei wunderbar fruchtige Orangen oder Bananen essen, die auf den Feldern wachsen, während Vögel in den Bäumen sitzen und vor sich hin zwitschern – kleine Oasen in hektischen Städten. Marokko ist laut, voller Menschen (die im Frühling und Herbst noch sehr viel mehr sein müssen) und ein riesiges Land, das man bestimmt öfters bereisen muss, um immer wieder einen weiteren Teil zu sehen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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