Puppenspiel und Gesang am Volkstheater

Der in Wien geborene Georg Kreisler hat zu seiner Zeit viele satirische, melancholische und gesellschaftskritische Werke geschrieben, die nun neu interpretiert am Volkstheater zu sehen sind. Der Abend beginnt mit Puppenköpfen, die aus dem Vorhang herauslugen und uns mitteilen, dass Wien gesperrt sei. Keiner kommt hinein, keiner hinaus. Der Vorhang öffnet sich und es wird gleich losgesungen. Lieder wechseln sich mit gesprochenen Texten ab und auch zwischen Puppen und Menschen wird gewechselt, sodass es doch zu einiger Spannung auf der eher leeren Bühne kommt.

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Das Bühnenbild ist eher minimalistisch, die Schauspieler/innen, die gleichzeitig auch Puppenspieler/innen sind, stellen die Szenen her - mit Hilfe von Sesseln, Blumen und anderen wenigen Requisiten. Die Lieder werden szenisch dargestellt und durch eine bespielte Leinwand noch verstärkt.

wienohnewiener02Die Lieder und Texte behandeln unterschiedliche Thematiken, wobei sich jedoch alles auf Wien - oder zumindest Österreich - bezieht. So wird in "Wien ohne Wiener" davon geschwärmt, wie schön die Stadt ohne ihre Einwohner wäre, in "Tauben vergiften" geht es um eben dieses. Auch die Wiener Gemütlichkeit und die Beamten werden auf die Schippe genommen. Teilweise kommen die Inhalte jedoch sehr platt daher, was mit der übertriebenen Darstellung mancher Lieder zu erklären ist. So schwebt ein riesiger, nackter Hintern über der Bühne, auf den mit Leuchtstäben gezeigt wird, um die Thematik der Arschkriecherei eines Liedes noch zu untermauern. Diese und ähnliche Übertreibungen lenken leider etwas von den Liedern ab und scheinen sie fast zu persiflieren, das Publikum findet aber anscheinend Gefallen daran. Auch die Puppe, die Sebastian Kurz wie aus dem Gesicht geschnitten ist und das "Kapitalistenlied" singt, wird bejubelt.

Am meisten Applaus bekommen aber Franui, die Musikgruppe aus Osttirol, gespendet, deren musikalische Darbietung wirklich zu würdigen ist. Wunderbar ist auch die Gestaltung der Puppen, dessen Fratzen man nicht so schnell wieder vergisst. Zum Leben erweckt werden diese Puppen durch die sechs Darsteller/innen, die jeweils alleine oder zu zweit für eine Puppe zuständig sind und diese dann zum Singen oder Sprechen bringen. Die schauspielerische und gesangliche Leistung dieser Darsteller/innen ist auch nicht zu unterschätzen, sie erwecken hier etwas sehr einzigartiges zum Leben. Alles in allem ein sehr unikaler Liederabend, der dem typischen Wiener einen Spiegel vorhalten soll, meiner Meinung nach jedoch etwas weniger seicht sein könnte.

"Wien ohne Wiener" spielt vorerst noch bis April 2018 am Volkstheater.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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