Nieder mit dem Patriarchat (?)

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Fünf Wochen vor der #MeToo-Debatte und ihren damaligen Auslösern hatte Martin Gruber die Idee zu seinem neuen Stück und formulierte zum ersten Mal das Sujet von "Die wunderbare Zerstörung des Mannes. Bestandsaufnahme einer Verstörung": die Zerstörung des derzeitigen Systems, dargestellt durch die intimsten Gedanken der sechs Darsteller. Ein Gespräch mit dem wunderbaren Martin Gruber.

Nach fast drei Jahrzehnten in diesem Geschäft habe man ein Gespür für solche Dinge. Sie lägen in der Luft, sagt der Regisseur und Begründer des aktionstheater ensembles, nachdem ich äußerst überrascht darüber reagiere, dass er bereits vor dem Echo in den Medien und der Diskussion die Idee dazu hatte. Zusätzlich ist der Gender-Diskurs seit Beginn ein Motiv und ein Grundthema der Theatergruppe, zum Beispiel wurden Rollen unkommentiert mit Dragqueens besetzt oder Frauen spielten große Männerrollen.

Basis und Textgrundlage des Stücks sind vor allem intensive Gespräche, die Martin Gruber mit den sechs Darstellern (ja, alle männlich) über den Zeitraum mehrerer Wochen geführt hat. Und im Laufe dieser ist ihm aufgefallen, dass eine gewisse Verstörung bei den Männern Raum einnimmt: Wo positioniere ich mich in diesem Diskurs? Wie gehe ich mit Frauen um? Wie weit darf ich gehen? Ist das noch flirten oder schon Belästigung? Spannend ist außerdem, dass dem Regisseur dabei aufgefallen ist, dass es nicht EIN Männerbild gibt, sondern sechs sehr unterschiedliche Individuen – DER Mann existiert nicht; ebenso wenig DIE Frau – das wäre ja auch eigentlich viel zu simpel bei uns komplexen Wesen.

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Zusätzlich wurde eine Umfrage mit 600 Männern zu diesem Thema durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigten die Vermutungen und die allgemeine Stimmung Martin Grubers über dieses Thema und dienen als Grundgerüst für das Stück. Die wahrscheinlich fast psychotherapeutischen Sitzungen der sechs Männer wurden anschließend abgetippt und daraus der Text zusammengestückelt. Also zum Beispiel sagt Person A etwas vom Tag 2 und Person B antwortet darauf mit etwas von Tag 7. Es gehe ihm vor allem um Rhythmus in der Sprache und um Assoziationen, sagt Gruber. Und erinnert mich damit sehr an Elfriede Jelineks Theaterstücke.

Es handle von patriarchalen Strukturen und die sind schlussendlich immer hierarchische Strukturen, erbaut von Männern, unterstützt auch von Frauen. Was macht das nun mit der Gesellschaft? Wie kann man das auflösen? Immerhin drücken sich solche Strukturen auch in der Gesellschaft aus. Ich habe noch keine wirklichen Veränderungen wahrgenommen, meine ich im Laufe der Unterhaltung, und bin mir nicht sicher, ob ich es nur nicht einschätzen kann oder doch damit Recht habe. Jein, meint der Regisseur. Einerseits wo es politisch wird, feiert der Uralt-Macho große Erfolge und wir befinden uns plötzlich wieder in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, siehe unter anderem unser Bundeskanzler. (Wenn man sehr, sehr, sehr optimistisch sein wolle, dann ist das möglicherweise ein letztes großes Aufbäumen der alten Hierarchien in unseren Breitengraden, meint Martin Gruber.) Andererseits bemerkt er in seinem sozialen Umfeld und im Publikum, dass es an allen Ecken und Enden bröckelt und dass das System beginnt, in sich zusammenzufallen. Und genau darum gehe es in dem Stück: um die Dichotomie zwischen diesen beiden Extremen. In diesem Spannungsfeld spiele es sich ab.

Ob das Stück feministisch sei, will ich wissen. Der Titel sagt ja; die nähere Beschreibung strahlt eine gewisse Ambivalenz aus. Die Intention dahinter sei natürlich feministisch, aber ob das Stück das tatsächlich auch sei, müsse jede/r für sich selbst entscheiden. Also, auf, auf und sich selbst ein Bild machen! "Die wunderbare Zerstörung des Mannes" ist von 13.6.–17.6. im Kosmos Theater zu sehen. Karten gibt es hier: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter +43/6641524022.

 

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