BILDENDE KÜNSTE

Von Blumenwänden und Videostills

Korakrit Arunanondchai. Kann jeder gerne selber versuchen, auszusprechen, aber viel Spaß beim Knoten in der Zunge. So gesehen also lieber anschauen. Konkret gibt es in der Secession Arunanondchais Videoinstallation "with history in a room filled with people with funny names" zu sehen. Wer nicht mit Videos rechnet, sondern einfach nur hinschauen will, wird zwar am Anfang das Erwartete bekommen, dann aber merken, dass nur das Stiegenhaus als Ausstellung inszeniert ist. Das aber ordentlich.

So gesehen: Alles von Anfang an. Jetzt, wo der Herbst beginnt, nehmen die Blumen in der Secession ihr Winterquartier ein. Großflächig auf die Wände aufgetragen sind getrocknete Blumen, das Stiegenhaus hinauf zur Installation ähnelt damit quasi einer Blumenwiese – als Anlehnung an die goldene Kuppel der Secession.

Farblich passend eingefügt sind unterschiedlich große Leinwände mit Szenenausschnitten. Die Bilder sind überarbeitet, teilweise übermalt und entfernen sich so von den Videoausschnitten, die sie sind. Stattdessen sind es eigenständige kleine Kunstwerke.

secession kleinKorakrit Arunanondchai, Ausstellungsansicht, Secession 2019,
Courtesy of the artist, Clearing, New York & Carlos/Ishikawa, London, Foto: Sophie Thun

Romantische Bilder....

Menschen hinter grüner Farbe, die als leicht abstrahierte Versionen ihrer selbst an den Film AVATAR (wer sich noch erinnert) erinnern und genauso wie der Blumenengel einen sehr romantischen Eindruck erwecken. Die Bilder haben ein Eigenleben, sind intensiv und werfen die Frage auf, warum es nicht noch viel mehr ihrer Art gibt, sondern sonst hauptsächlich Videos und große Installationen.

Nach dem Statischen kommt aber doch noch Bewegung rein. Gleich drei Videoarbeiten sind im Grafischen Kabinett zu sehen, dass zu diesem Zweck in eine komplette Dunkelkammer mit großen Sitzpostern umgewandelt wurde. "2256" aus dem Jahr 2013, "with history in a room filled with people with funny names 3" (2015) und "with history in a room filled with people with funny names 4" aus dem Jahr 2017 laufen hintereinander. Die Filme des Thailänders warden franzöisch gesprochen und sind englisch untertitelt. Inhaltlich sind sie nachdenklich, langsam und die akustischen Effekte sind sorgfältig ausgesucht und steuern die Stimmung.

...und bewegte Gedanken.

Arunanondchai konzentriert sich in den Videoinstallationen auf Menschen in seinem Leben, reflektiert philosophisch über Wiedergeburt, Animismus und Tradition. "Painting with history in a room filled with people with funny names" ist ein Werk, das es eben in mehreren Versionen gibt, wie ein Archiv werden die Episoden ergänzt und spiegeln neue Gedankenansätze wider. Als roten Faden erkennt man allerdings eine positive Grundhaltung, Alltägliches wird gemischt mit Ritualen, Menschen finden sich wieder. Besonders häufig tauchen Arunanondchais Großeltern auf, phasenweise wirken sie wie die Hauptdarsteller, auf die er seine Texte angepasst hat.

Gleichzeitig gibt es abstrakte Szenen, die sich auf einer Metaebene mit diesen Themen auseinandersetzen. Menschen, die sich mit ihrem Körper als Vorfahre und technische Entwicklung auseinandersetzen, Prozesse, die im Aufgehen von Blumen gespiegelt werden oder religiöse Feste und der soziale Aspekt davon. Klarerweise ist es auf diese Art immer schwierig, die beabsichtigte Aussage solcher Installationen zu interpretieren, deshalb soll das lieber weggelassen werden. Eindeutig erkennbar ist aber, dass die kurzen Filmausschnitte und deren Aneinanderreihung gut durchgedacht sind.

Die Texte treffen, sie passen zu den Videoausschnitten und geben ihnen teilweise trotzdem einen neuen und überraschenden Gedankenansatz. Sie sind reflektiert, aber positiv-philosophisch. Was dadurch nicht funktioniert ist, dass der Museumsbesuch nur ein kurzer Ausflug ist und man einmal schnell durch eine Ausstellung geht. Denn selbst die kurzen Einblendungen von schwarz-weiß Bildern wirken nur wie Pausen, wie Kapitelüberschriften. Danach geht es aber trotzdem noch etwas weiter und teilweise schließen diese vermuteten Kapitel direkt aneinander an. Und dann geht es weiter mit dem Gedankenspiel. So gesehen ist es sicherlich klüger, nächstes Mal in die SECESSION genügend Zeit und ein offenes Mindset mitzunehmen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top