BILDENDE KÜNSTE

Modernes Österreich im Museum

Bei der Albertina hat man sich die Eröffnung der neuen Dependance "Albertina Modern" im Künstlerhaus wohl auch anders vorgestellt. Im Dezember hingen überall die Plakate, dank Corona konnte das Museum aber erst Ende Mai eröffnet werden. Die Umstände ändern zwar nichts, aber das Warten hat sich ausgezahlt.

albertinamodern02
Markus Prachensky, Rouge sur gris – Karlsruhe 1962, 1962, Lack auf Leinwand, ALBERTINA, Wien – Schenkung des Künstlers © Brigitte Prachensky

Der Fokus liegt wie der Name verrät auf moderner Kunst, die erste Ausstellung "The Beginning" konzentriert sich spezifisch auf österreichische Kunst seit 1945. Großteils chronologisch und mit vielen zeitlichen Überlappungen, aber dadurch auch sehr detailliert, wird so ziemlich die österreichische Kunstgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg durchexerziert. Und das nicht nur optisch, sondern mit vielen Hintergrundinformationen. Den Anfang machen dabei zuerst die Phantasten, die noch klassische Kunstformen weiterentwickelten und direkt nach dem Krieg allererste Aufarbeitungen begannen.

Abstraktion der Moderne

Innovativer wird es im großen Vorraum der Ausstellung. Die großen, weitflächen Werke, dort beginnt das Abstrakte. Die Halle lässt diesen zwei Meter breiten Bildern ausreichend Raum für die Wirkung, die plastischen Objekte geben der Inszenierung Abwechslung. Danach beginnen die Kapitel. Friedrich Hundertwasser bekam den ersten Einzelraum, ihm folgt Arnulf Rainer, der schon im Vorraum einmal gehangen ist. Wonach diese Anfangsreihenfolge bestimmt wurde, ist etwas unklar, schließlich ist ja auch der Stil der beiden weit auseinander. Als positiven Ansatz der Gleichberechtigung hat Maria Lassnig auch einen eigenen Raum erhalten, allerdings eben an einem anderen Punkt der Ausstellung.

Weit ist auch immer wieder der Spagat zwischen den einzelnen Ausstellungsstücken. Die überwiegende Mehrheit der Räume ist zwar rein nach Kunstrichtung sortiert, die Übergänge sind manchmal aber etwas harsch und trotz der vielen Infotexte wäre bei manchen Bildern etwas mehr Kontext ganz hilfreich. Das liegt aber wahrscheinlich auch an der Kunst selbst, schließlich zeichnet sich etwa der Aktionismus ja auch dadurch aus, dass er Menschen eher provoziert. Dennoch gibt es sicherlich noch mehr Hintergründe zu den dargestellten Aktionen, als die Beschreibungen, was damit dargestellt wurde.

Pop-Art und Gesellschaftskritik

Die leichtere Kost kommt dafür mit der Phase der Popart und auch im späteren Verlauf der Siebziger mit etwa Gottfried Helnwein oder Ida Szigethy. Wenn auch nicht immer auf einer inhaltlichen Ebene. Zwischen Pop-Art und Op-Art ist das zwar noch einfacher, wie beispielsweise Attersees oder Klemmers Werke mit fröhlichem Optimismus zeigen. Helnwein oder auch einige der Skulpturen lassen aber immer wieder Kritik an der Gesellschaft aufkommen. Nicht nur an der mangelnden Aufarbeitung des Nationalsozialismus, sondern auch an der jeweils aktuellen Zeit. Besonders die Kritik an Krankenhäusern und teilweise Kinderheimen zeigt, dass auch damals eigentlich mehr Wissen über bestimmten Umständen vorhanden war – die Gesellschaft weigerte sich nur, diese anzuerkennen. Mit ausreichend Augenmerk auf diese Fähigkeit von Kunst wäre uns wahrscheinlich erspart geblieben, erst in den 2000ern und 2010ern Untersuchungskommissionen zu diesen Themen einzuleiten.

albertinamodern01 klein
Christian Ludwig Attersee Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967, Acryl auf Leinwand, ALBERTINA, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Feminismus als Stiefkind

Zum Abschluss der Ausstellung wird auf VALIE EXPORT und feministische Kunst gesetzt. Im Vergleich zu vielen der großflächigen Darstellungen wird es in diesen Bereichen wieder etwas farblos, teilweise wirken die Plastiken und Fotografien aus den Siebzigern zusammengewürfelt. Möglicherweise liegt dies aber wiederum an dem Rückbezug Richtung Aktionismus, der vielen der Werke innewohnt. Die Stücke wirken so für sich natürlich nicht genauso einnehmend, wie eine großflächige und farbenfrohe Malerei. Dass feministische Kunst in diesem Rahmen aber eigens betont wird, zeigt, dass die Albertina Modern als neues Haus nicht nur moderne Kunst zeigen will, sondern auch modernes Gedankengut darin integriert hat und über das reine "Herzeigen" von Kunst hinausgeht. Uns selbst ohne das: Alleine die übrigen Bilder und deren Wirkungskraft führen dazu, dass sich ein Besuch jederzeit auszahlt.

albertinamodern03 klein
Robert Klemmer, Laufender Klemmer, 1969, Öl-Eitempera-Mischtechnik auf Leinwand, ALBERTINA, Wien © Estate Robert Klemmer

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top