BILDENDE KÜNSTE

Künstlerische Freiheit für uns Betrachter*innen

Mit "ETC. sucht ETC." haben wir Künstler*innen diverser Richtungen gesucht. Sophie Esslinger vertritt unter den Portraitierten mit ihrer abstrakten Malerei die Bildenden Künste.

Sophie Esslinger ist schwer zu übersehen. Mit roter Haarmähne und knallrotem Lippenstift sieht sie ein bisschen aus, wie man sich die feuerrote Friederike mit Mitte 20 vorstellen würde. Noch auffälliger sind aber ihre Bilder. Die sind in ihrem Atelier beim Floridsdorfer Markt so präsent, dass teilweise fremde Menschen hineinkommen, um über diese zu sprechen. Einer der Punkte, die sie an der Lage mag. Ihre Kunst vermittelt sich dort quasi von selbst und genau darin sieht sie die Aufgabe.

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Untitled (Chor) © Sophie Esslinger

Denn im Gegensatz zu anderen Künstler*innen spricht sie selbst nicht wirklich über die Hintergründe ihrer Bilder: "Ich glaube nicht an Didaktik, wenn es um Kunst geht. Grundsätzlich geht es ja um den Betrachter, der Freiheit bei der Interpretation benötigt."

Die Freiheit bei der Interpretation ist zwar jedem*jeder immer gegeben, aber was theoretisch an Absichten vorhanden ist, wird oftmals mitgeliefert. Bei Esslinger nicht. Ihre Werke sind abstrakt, groß und sprechen für sich selbst. Farbe und Struktur sind entscheidend, wobei das bei abstrakter Malerei ja oft so ist.

Unbekannte Hintergründe

Auch die Titel geben nur teilweise kleine Hinweise. Viele der Arbeiten sind ohne Titel, haben aber einen zweiten Namen in Klammer. Ein Seitenhieb auf die Kunstwelt, in der die namenlosen Bilder Überhand genommen haben; So können sie Namen haben und dennoch ohne Titel bleiben. Hintergründe verraten sie damit aber trotzdem. So ist beispielsweise die Parsifal-Serie rund um künstlerische Versionen des Parsifal-Stoffes aufgebaut, einzelne Bilder spielen auf Schliengensief-Interpretationen an, andere auf Wagner.

Als frühere Literaturstudentin hat Esslinger bei mehreren Werken diesen Zugang, Literatur und Philosophie als Leitfäden für einzelne Bilder ziehen sich durch. Nicht nur als Motiv, sondern auch in der Arbeitsweise: "Mir geht es um eine automatische Sichtweise und ich mag auch das Repetitive an der Arbeit. Malerei ist ja auch ein Prozess, der sich erst durch die Schichten entwickelt. Es ist eine Art Sprache, um den Blick zu öffnen und Dinge zu dekonstruieren."

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To an ever static Distance, 2020 © Sophie Esslinger

Schaffensprozess

Mit den "Schichten" sind die unterschiedlichen Farbebenen übereinander gemeint, sonst entsteht in der Malerei schließlich kein deckendes Bild. Genau das Prozesshafte ist das Entscheidende, Esslinger erzählt davon als Element, das in der Malerei erst wirklich zu etwas führt. Die Arbeit an den Bildern klingt dadurch weniger nach Arbeit, sondern wird von ihr als intellektuelle Aufarbeitung beschrieben. Also dass einzelne Themen einen Hintergrund haben, wie sie auf der Leinwand wirken sollen und sich während des Malens durch das Überlagern von verschiedenen Schichten weiterentwickeln. Ähnlich ist es mit den Inhalten der einzelnen Serien, üblicherweise zwischen fünf und zehn Arbeiten. Meist gibt es einen Hintergrund, ein Thema das sich durchzieht. So wie sich während des Malprozesses ein Bild entwickelt, entwickeln sich die Inhalte im Laufe einer Serie weiter. Esslinger geht es dabei um den Prozess des Malens und die Entwicklung, die fertigen Serien für eine Ausstellung sind nicht so sehr ihr Ziel. Deshalb kann es auch vorkommen, dass schon mal ein Gemälde nicht verwendet wird.

Wichtig für die Wirkung ist auch das Format. Esslinger hat in kleineren Formaten mit Zeichnungen begonnen, ist an der Universität für Angewandte Kunst eigentlich in der Klasse für Druckgrafiken. Im Laufe der Zeit hat sie sich aber Richtung Malerei entwickelt und dabei neue Grenzen ausgelotet: "Druck hat teilweise Grenzen, du kannst immer nur in einer bestimmten Größe arbeiten, weil die Presse sonst nicht groß genug ist. Besonders in der Abstrakten Malerei haben die großen Bilder einfach etwas sehr Eindrucksvolles und ich glaube, dass es wichtig ist, dass Kunst sich so auch über die Größe den nötigen Raum nimmt." So soll es schätzungsweise auch sein und wohl deshalb lässt auch Esslinger lieber ihre Bilder für sich selbst sprechen. Esslingers Werke sind auf ihrer Seite unter https://sophieesslinger.com/ zu sehen und über den Herbst verteilt in diversen Ausstellungen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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