BILDENDE KÜNSTE

Mit Feder und Pinsel

Mit "ETC. sucht ETC." haben wir Künstler*innen diverser Richtungen gesucht. Valerie Nützel-Freudenthal ist eine, die wir gefunden haben. Als Illustratorin und Malerin kreiert sie vor allem botanische Motive, als Kalligrafin und Lettering Artist gestaltet sie etwa Sprüche und Einladungen, als Kreativpädagogin betreut sie junge Menschen im Rahmen eines Sozialprojekts. Aufgrund inkompatibler Terminkalender war ein persönliches Treffen leider nicht möglich, aber wir durften via Skype mit der vielseitigen Kreativen sprechen.

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© Mit Feder und Pinsel

2020 ist anders, auch für die Künstlerin Valerie Nützel-Freudenthal. Die Corona-Maßnahmen haben auch bei ihr den Alltag ziemlich durcheinandergewirbelt. Ruhe und Kraft findet die Autodidaktin aber immer in der Natur rund um ihr Zuhause im Weinviertel. Valerie ist fasziniert von Details, die auf den ersten Blick fast nichtig scheinen und erst auf den zweiten ihre wundersame Wirkung entfalten. Sie sind es, die ihre Malerei prägen. »Die Formen von Pflanzen finde ich faszinierend. Es gibt unendlich viele Blüten-, Blatt- und Samenformen, diese Dinge genau zu studieren, reizt mich. Ich werde da mitunter sehr kleinteilig in meinen Arbeiten. Ich habe großen Respekt, fast schon eine Demut vor dieser schieren Schönheit der Natur, die man schwer in Worte fassen kann. Darum versuche ich, das in Bildern festzuhalten und auszudrücken.«

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© Mit Feder und Pinsel

Eigentlich ist Valerie studierte Landschaftsplanerin. Das Malen war ihr aber immer eine Herzenssache. »Im Nachhinein betrachtet war die Wahl des Studiums eine Ausrede, offiziell malen zu dürfen«, lacht Valerie. »Ich hätte damals nach der Schule nicht in die Kunst gehen können, das wollte ich zu dem Zeitpunkt auch gar nicht – aber ich wusste, wenn ich Landschaftsplanung mache, kann ich Pläne zeichnen. Es hat mir gefallen, Fachliches und Kreatives kombinieren zu können.« Während des Studiums hat sie dann immer gemalt, auch, als sie später als selbstständige Landschaftsarchitektin tätig war. Nach ihrer Babypause – Valerie hat drei Kinder – kam der Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung. Es ergab sich, dass sie einen Job als Kreativpädagogin annahm, wodurch das Malen Teil ihres beruflichen Alltags wurde. Als dann ein runder Geburtstag vor der Tür stand, ging Valerie in sich und stellte die eine große Frage, die man mitunter viel zu selten stellt: »Was will ich wirklich?«

Die Antwort lag in diesem Fall auf der Hand: Malen. Und zwar jetzt, nicht irgendwann. Valerie wagte als Illustratorin den Schritt in die Selbstständigkeit. Das war vor zwei Jahren, und seither ist kein Tag vergangen, an dem sie nicht gemalt hat. »Wenn ich nicht male, mache ich Kalligrafie – aber ich mache jeden Tag etwas. Das ist mir sehr wichtig. Ich brauche das auch, mittlerweile weiß ich das.« Turbulente Lebensphasen, Alltagsstress, graue Regentage ohne Motivation – nichts hält Valerie von der täglichen Kreativübung ab.

Das botanische Wissen aus ihrer Zeit als Landschaftsplanerin hilft ihr dabei beim Studieren der Vorlagen für ihre Pflanzen-Illustrationen. »Ich weiß, wo ich schauen muss um die Details zu entdecken, die die Pflanze ausmachen. Das hilft dabei, diese stimmig darzustellen«, sagt Valerie. Wenn sie über Pflanzenkunde spricht und von der Schönheit von Knospen und Bockerln schwärmt, strahlt sie vor Begeisterung. »Ein Quadratmeter Wiese beinhaltet viele verschiedene Arten und es macht mir große Freude, dass ich die alle benennen kann. Oder auch der Wald – ich kenne jeden Baum mit Namen. Ein bisschen nerdig ist das schon«, lacht sie.

In ihrer Funktion als Kreativpädagogin arbeitet Valerie zwei Tage die Woche in einer Berufsqualifizierungseinrichtung für Jugendliche mit Handicap. Im Rahmen dieses Projekts wird mit verschiedenen Medien und Techniken experimentiert, und die Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich frei von Zwängen kreativ auszuprobieren. Ein zweites Ziel ist die Förderung der Feinmotorik, welche bei einigen Teilnehmer*innen eingeschränkt ist. Besonders wichtig ist aber auch, dass während dem gemeinsamen kreativen Schaffen – wie von selbst – sehr schöne Unterhaltungen entstehen. Oft werden dabei emotionale Themen besprochen und reflektiert. »Das macht die Zeit, die die Jugendlichen mit dieser kreativen Arbeit verbringen dürfen, sehr wertvoll!«, meint Valerie.

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© Mit Feder und Pinsel

Valerie mag die Abwechslung, die ihre Arbeit ihr bietet – Kalligrafie, Lettering, Illustration erfordern alle unterschiedliches Gerät und Materialien, unterschiedliche Arbeitsprozesse und Bewegungsabläufe. Die Illustration mit Wasserfarben ist aber ihre liebste Disziplin. »Ich mag zum einen die Eigendynamik der Wasserfarben, das Ergebnis ist nicht immer vorhersehbar. Man kann versuchen, es zu kontrollieren, aber das ist eigentlich unmöglich«, sagt Valerie. »Andererseits kann man bei Aquarell-Illustrationen auch immer wieder später noch einma drübergehen und Dinge verändern, noch Pigmente vom Papier heben, Farben neu mischen. Das kenne ich so von keinem anderen Medium.«

Materialität ist ein wichtiger Aspekt in Valeries Arbeit. Abgesehen von der Wahl der Utensilien geht es dabei auch um Dimensionen, die weniger leicht zu fassen sind. »Ich arbeite in dieser Nische, in der man manche Dinge einfach analog machen muss. So nützlich der Computer für viele Dinge ist – manches muss man einfach händisch auf dem Papier machen. Auch, wenn man es dann scannt und weiterbearbeitet. Es fühlt sich einfach anders an.«

Als Kind war Valerie von ihrer Tante fasziniert, die auf Porzellan gemalt hat – oft waren deren Motive Pflanzen, so wie heute bei Valerie. »Ich konnte ihr stundenlang zusehen, das hat mich sicher inspiriert damals«, sinniert sie. Zeitgenössische Künstler*innen, die sie schätzt, sind zum Beispiel Holly Exley – »Ich liebe diesen Stil!« – oder Billy Showell, die auf botanische Illustration spezialisiert ist.

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© Mit Feder und Pinsel

Valerie arbeitet immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Aktuell illustriert sie etwa ein Kochbuch und gestaltet ein Familienwappen neu. Valeries Kund*innen sind Magazine, Buchverlage und Agenturen, aber sehr oft auch Privatpersonen, für die sie Porträts und andere individuelle Motive gestaltet. »Natürlich würde ich auch gerne noch mehr für Magazine und Verlagshäuser arbeiten. Aber ich mag das sehr, ganz individuell für eine einzelne Person zu gestalten und zu wissen, dass meine Illustration als Einzelstück bei jemandem zuhause hängt und Freude bereitet!«

Die Illustration als Gebrauchsgrafik und die freie Kunst als individuelle Ausdrucksform gehen in Valeries kreativem Alltag also Hand in Hand. Wie das aussieht, kann man auf Valeries Webseite  und vor allem auch auf ihrem Instagram-Account  verfolgen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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