BILDENDE KÜNSTE

Weltweite Menschlichkeit

Wie jedes Jahr ist in der Galerie Westlicht wieder die World Press Photo Ausstellung zu sehen und zwar noch rund drei Wochen lang. Wer noch nicht dort war, sollte also rasch die Chance nutzen.

Die World Press Photo hat alleine aufgrund der großen Auswahl sowieso immer nur großartige Bilder in der Ausstellung, doch der Fokus auf die unterschiedlichen Themenbereiche macht die Zusammenstellung immer besonders. Gemessen an der Pandemie des heurigen Jahres, ist das vergangene in der Erinnerung leicht schön geredet, die Fakten sind aber leider anders. Die World Press Photo zeigt nämlich nicht nur die besten Bilder, sondern damit auch die Themen, die das vergangene Jahr dominiert haben. Und da sind nicht nur Ereignisse dabei, die man dankenswerterweise verdrängt hat.

Einzelbilder gibt es zwar, Serien und zusammengehörende überwiegen aber. Das führt dazu, dass es mehrere Aspekte zu jeder Geschichte gibt. Denn de facto ist die World Press Photo eine Sammlung der größten Geschichten des vergangenen Jahres. Und die beinhalten vom Klimawandel über religiöse Hintergründe bis zu Regimeänderungen und Kriegen ohnehin alles, was zur Welt gehört und lieber besser sein sollte. Das Positive daran ist also wohl einfach der Fokus auf die Optik und die ist in diesem Fall klarerweise wirklich gut.

Tragische Schönheit

Je nachdem, wie man die Ausstellung angeht, fängt man direkt beim Eingang mit der Natur an. Oder eben deren Verschwinden. Klimawandel und Menschen sind nämlich sowohl für die Umwelt, als auch für Tiere ernsthafte Bedrohungen - also bekommen die Versuche, sie noch einzufangen und abzubilden aufgrund der Rohheit der Natur eine besondere Bedeutung. Spannend sind die Bilder auch, weil viele davon in abgelegenen Gebieten aufgenommen wurden, der Blick geht damit in selten berücksichtigte Urwälder Südostasiens oder in die Tiefen Alaskas.

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Foto: Mulugeta Ayene (Associated Press)

Die andere Seite ist dafür stark von den menschlichen Schwächen geprägt. Nicht nur, was wir der Natur antun, sondern auch uns selber und besonders gegenseitig. Demonstrationen gegen korrupte Regimes, Bürgerkriege, religiöse Absurditäten und Terroranschläge – teilweise Ereignisse, die nicht einmal in den Medien vorgekommen sind. Das Überraschendste in die Richtung war eben ein Terrorangriff, an den zumindest die Autorin sich nicht erinnern konnte. Dennoch treffen die Bilder davon die Momente, zeigen auf, wie seltsam der Verbund zwischen Menschen in einer derartig dramatischen Situation ist und wie stark die menschliche Komponente trotzdem immer ist.

Noch stärker sieht man das, wenn man teilweise die Bilder einfach nur ansieht und die erklärenden Texte ignoriert. Besonders eindrucksvoll ist dafür eine kurze Bilderreihe zum Konflikt in Afghanistan, in dem ein Portrait eines Mannes den Eindruck erweckt, dass er einfach nur der Kämpfe müde wäre und sich Frieden wünscht. Das ist zwar gut möglich, doch zumindest gemessen an der Bildbeschreibung handelt es sich bei dem Foto um einen Talibankämpfer, also jemanden, der theoretisch eher in die Kategorie der Menschen fällt, die den Krieg weiter betreiben und einen Frieden ablehnen. Trotzdem wird in dem Foto des Mannes einfach die Grundessenz eines des Krieges müden Menschen eingefangen und damit etwas Faszinierendes erreicht.

Die Macht der Bilder

Grundsätzlich ist die Situation aber offenbar egal. Unabhängig von der Situation geht es um das Menschliche und das zeigt sich. Egal eben, ob es sich um Bürgerproteste handelt oder um die mehr oder weniger verbotenen Einblicke hinter die Wände von Koranschulen (auch wenn das komplett verschiedene Szenarien sind), es gibt doch Einges zu sehen. Und das führt nun einmal dazu, dass man als Besucher*in der Ausstellung mit vielen verschiedenen Szenarien konfrontiert wird. Das Schöne daran ist nur, dass es auch unterschiedliche Szenen gibt, die doch positive Aspekte haben. Egal, ob es der Überlebenswillen ist, der gegen massive Waldbrände kämpft, und die Folgen dieser Zerstörung in Kalifornien oder Australien zeigt, oder der Überlebenswillen in Syrien inmitten der Zerstörung des Bürgerkrieges oder in Migrationsketten in Südamerika.

Neben der ganzen Tragik gibt es aber leider hauptsächlich mehr Tragik. Klar zeigen Flugzeugabstürze eine gewisse Tragik, faszinierender sind aber fast die Einblicke in Parallelgesellschaften. Das Gefühl von anderen Welten entsteht aber nicht bei Bildern aus Koranschulen, sondern bei den Einblicken in gewisse Schichten der USA. Ehrlich gesagt auch egal, ob es sich um Menschen handelt, die Haustiger haben, oder um White Supremacy Gruppen. Irgendwas stimmt dabei jedenfalls nicht. Ein bisschen Hoffnung gibt es aber trotzdem, immerhin wird auch gezeigt, wie beispielsweise Sport weltweit verbindet und manchmal auch Hoffnung neu gefunden werden kann.

Am Schluss zeigt die World Press Photo nämlich immer nur eine Sache: Das es eine gemeinsame Welt ist, auf der wir alle Menschen sind. Und das ist etwas, dass man sich besonders in diesen Zeiten immer wieder in Erinnerung rufen sollte.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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