BILDENDE KÜNSTE

Banksy und die Frage der Moral

Banksy ist in Wien. Offenbar mit Erfolg, schließlich wurde die Ausstellung in den Sofiensälen jetzt verlängert. Gleichzeitig sind Plakate mit Beschimpfungen beschrieben, Banksy wäre ein Sell-Out. Aber wie sieht die Ausstellung wirklich aus? ETC. war dort.

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Foto © ronnysjonny

Banksy ist wohl der bekannteste Street-Artist der Welt. Daran besteht kein Zweifel, doch mit seinem wirtschaftlichen Erfolg entstehen langsam Zweifel an den Absichten dahinter. Bekannt wurde er schließlich mit Kapitalismuskritik, Aufrufen zu Menschlichkeit und Hinweisen auf Polizeigewalt. Kapitalismuskritik, die in teuren Ausstellungen gezeigt wird, ist allerdings teilweise problematisch. Vielleicht deshalb hat jemand gleich neben die Ausstellung "Fake" an die Hausmauer gesprüht. Den Inhalt sollte man aber wohl trotzdem unvoreingenommen betrachten, auch wenn nicht klar ist, inwiefern die Ausstellung tatsächlich mit Banksy zusammenhängt oder von ihm autorisiert wurde.

Die Ausstellung ist nobel in den Sofiensälen untergebracht, der Kontrast zwischen Streetart und goldener Stuckatur verstärkt die Wirkung der einzelnen Stücke. In Nischen wird ein spezifischer Fokus gelegt, dazwischen finden sich größere Installationen und an den Wänden stehen einzelne Slogans, wie um daran zu erinnern, dass Banksy derartige Ausstellungen eigentlich immer kritisiert hat. Auch wenn die Zitate auf den Transparenten also lautstark gegen Museen schreien, passen einige der Bilder ganz gut hin. Viele Einzelmotive, viel Tierisches, einzelne Installationen und plastische Stücke – die Ausstellung deckt die gesamte Bandbreite der bildenden Kunst ab. Obwohl Banksy mittlerweile auf mehrere Jahrzehnte Schaffen zurückblicken kann, gibt es bestimmte Schwerpunkte. Affen, die berühmten Ratten und das Mädchen mit dem Luftballon als Kriegskritik.

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Foto © ronnysjonny

Redundanz und Qualitätsmangel

Manche dieser Motive wiederholen sich an verschiedenen Stellen, was teilweise redundant wirkt. Ja, die Motive mit Schimpansen sind gut, ebenso die Helikopter und auch die Raubkatze, die aus dem Barcode-LKW ausbricht. Warum sie mehrmals vorkommen und teilweise kein Titel dabeisteht, ist aber nicht schlüssig und je nachdem, in welcher Reihenfolge man die Stücke sieht, kann das auch verwirrend sein. Außerdem sind die Versionen komplett ident, je nach Bild ist auch die Qualität der Drucke nur bedingt gut.

Die Wiederholungen sind gleichzeitig schade, manche der wichtigsten Aspekte finden dadurch weniger Beachtung als verdient. Von den Werken an der Israelischen Sperrmauer finden sich einzelne Motive in der Ausstellung, manche allerdings nur als Miniaturreproduktion von Mauerabschnitten, wodurch einiges an Bildgewalt verloren geht. Um die ist es ehrlich gesagt ein wenig schade, auch weil es dort noch so viel mehr zu sehen gäbe.

Aktueller sind die Installationen zur Coronakrise und dem britischen Versagen im Umgang damit, genauso wie die Hinweise auf die Black-Lives-Matter-Bewegung. Beides spiegelt den Zeitgeist und geht auf die aktivistischere Seite von Banksy ein.

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Foto © ronnysjonny

Marketing und Überinterpretation

Weniger markt man das bei den ausgestellten T-Shirts aus Banksys Onlineshop oder den sich wiederholenden Filmen zur öffentlichen Wahrnehmung von Banksy. Diese Aspekte wirken eher wie eine Werbeeinschaltung und untergraben damit den ursprünglichen Ruf des Künstlers. Ähnlich bemüht wirken sonst nur die Texte zu den Bildern daneben. Streetart hat schließlich den Anspruch, das jeder den Inhalt verstehen kann, mehr als Name und Jahr sollten also gar nicht nötig sein. Wobei es in dem Fall auch spannend ist zu wissen, wo ein Bild erstmals auftauche, die Information wird aber nicht bei allen Bildern mitgegeben. Stattdessen gibt es Abhandlungen, welche Gesellschaftskritik mit den einzelnen Werken gemeint ist und bei aller Liebe zu Details: Teilweise wird damit jegliche eigene Interpretation untergraben. Klar braucht Kunst manchmal einen Rahmen, aber einige der Texte gehen so überzogen damit um, dass den Werken kein eigener Raum mehr gegeben ist.

Wie so oft ist die Ausstellung also durchzogen. Zwar kann Kunst nicht einfach durch den Rahmen kaputt gemacht werden, große Graffitis aufgeteilt in drei Goldrahmen zu hängen, gibt dem Ganzen aber dennoch einen seltsamen Kontext. Vielleicht hat Banksy nicht Recht, dass Kunst nicht in das Museum gehört, seine hätte aber ruhig einen puristischeren Rahmen vertragen. Eher unbekannte Werke sieht man aber doch jedenfalls und das ist schließlich auch etwas wert. Auch wenn es in diesem Fall wirklich etwas mehr als üblicherweise im Museum kostet.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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