BILDENDE KÜNSTE

Kopfhörer auf, Kunstgeschichte an

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Kunst(-geschichte) konsumieren, und zwar im virtuellen Raum. Das können wir seit dem Frühjahr 2020 schon ganz gut, Corona-Virus sei Dank. Viele Museen, Galerien, Vereine, Kollektive oder Einzelpersonen haben aber ohnehin schon länger auf die digitale Zukunft der Kunst- und Kulturlandschaft hingearbeitet. Es gibt sie schon eine kleine Weile, die (fast) unendliche Weite der Kunstvermittlung im world wide web. Prall gefüllte Online-Sammlungen und -Datenbanken, perfekt choreografierte Social Media Channels, heißgetrimmte Profile auf Videoplattformen. Und Podcasts. Eigentlich spannend, die von ihrer Visualität so abhängigen bildenden Kunst ins Gehörte zu verlagern. Aber auch die Auditiven unter uns wollen und sollen gefesselt werden, nicht wahr? Deswegen: hier sind sie. Unsere vier Empfehlungen der Kunstgeschichte-Podcasts im Jänner.

1. Wir verneigen uns

… beziehungsweise sollten wir es wohl viel öfter. „Bow down“ ist ein Podcast des Magazins „frieze“ und hebt weibliche Kunstschaffende aus der Geschichte hervor, die unsere Beachtung verdient haben. Und das schon längst. In jeder Folge lädt Journalistin Jennifer Higgie eine Künstlerin, Historikerin, oder Expertin aus einem anderen Bereich ein, um wiederum eine Künstlerin aus der Vergangenheit zu nominieren und über sie zu plaudern und den Zuhörer*innen vorzustellen. So beginnt die Serie beispielweise mit einer Folge, in welcher Autorin Helen Cammock über die im 17. Jahrhundert lebende Barockmalerin Artemisia Gentileschi erzählt. Sie war die berühmteste Malerin ihrer Epoche und hatte es in der Männerdomäne der Kunst freilich nicht leicht, sich durchzusetzen. In weiteren Episoden geht es u.a. um die feministische Avantgarde-Filmemacherin Chantal Akerman (2015 gestorben) oder um zwei Begründerinnen der Londoner „Royal Academy“, Angelica Kauffman und Mary Moser aus dem 18. Jahrhundert. Ein informativer und kurzweiliger Podcast.

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2. Radikale Frauen

Die Staffel „Radical Women“ der Podcast-Serie „Recording Artists“ des Getty Archivs gibt ganz persönliche Einblicke in das Leben diverser Künstlerinnen. Im Zentrum steht folgende Frage: Wie war es für eine Frau, Kunst während der feministischen civil rights Bewegung zu schaffen? Host Helen Molesworth stellt uns sechs Frauen vor, darunter Yoko Ono oder Lee Krasner, und lässt sie anhand zahlreicher Interview-Ausschnitte (vorrangig aus den 60er und 70er Jahren) aus den Archiven des Getty Research Instituts ihre Arbeit, ihr Leben und ihre ganz eigene Welt beschreiben. Also in persönlichen Worten; ein Umstand, der hier und da durch vermeintliche Intimität ordentlich viel Gänsehaut bei uns Hörer*innen erzeugt. Zeitgenössische Künstler*innen und Kunsthistoriker*innen sind Teil der Podcast-Gespräche und geben weitere Einblicke in das Berufsfeld. Top!

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3. Für die Krimi-Fans unter uns

Finding Van Gogh“. Diese fünfteilige Podcast-Serie ist 2019 anlässlich der Ausstellung „Making Van Gogh“ im Städel Museum in Frankfurt am Main entstanden. Die Schau muss man jedoch nicht gesehen haben, um süchtig nach diesem Podcast und der Suche nach einem verschwundenen Meisterwerk des niederländischen Künstlers Vincent Van Gogh zu werden: das „Bildnis des Dr. Gachet“. Johannes Nichelmann, Journalist, trifft nach und nach auf Zeitzeug*innen, Expert*innen und Van-Gogh-Begeisterte. Man begleitet ihn Folge für Folge und horcht gespannt diesem wunderbar erzählten Kunstkrimi. Häppchenweise wird uns ein Puzzle-Teil nach dem anderen zugeworfen, und somit der nervenaufreibende Werdegang des Gemäldes skizziert. Netflix-Bingen war gestern, hier kommt „Finding Van Gogh“.

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4. Hochkultur meets Hochkultur

Das Kunsthistorische Museum Wien und Ö1 haben 2019 mit "Six Seasons" gemeinsame Sache gemacht. Sechs Autor*innen, darunter zum Beispiel Magda Woitzuck, Puneh Ansari oder Ann Cotten, haben, inspiriert von sechs Werken aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums, sechs Kurzhörspiele verfasst. Dabei galt es, die Bildvorlagen nicht zu beschreiben, sondern als Inspiration für gänzlich neue Narration zu nutzen. Auf diese Art und Weise wurden zum Beispiel "Jäger im Schnee (Winter)" von Pieter Bruegel d. Ä. oder "Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis" von Peter Paul Rubens vertont. Vielleicht braucht man eine Weile, um sich in die teilweise doch sehr komplex erzählten Storys hineinzufühlen. Aber ist man erst an dem Punkt angelangt, kann und will man gar nicht mehr aufhören, zuzuhören.

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Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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