FILM

Giallo im Filmmuseum – Horror, Sex and Crime

Nach den goldenen Tagen der Italowestern der 60er Jahre verdunkelte sich der Kinohimmel und finsterere, extremere Gestalten betraten die (Kino-)Bildfläche - übrigens auch in Quentin Tarantinos "Once upon a Time…in Hollywood" thematisiert. Der Vorhang ging auf für "Giallo all'italiana".

OEFM Giallo Tenebre 002 Foto CinetecaNazionale kleinTenebre (Tenebre – Der kalte Hauch des Todes), 1982, Dario Argento, Foto: Cineteca Nazionale

WAS IST "GIALLO"?

"Giallo" (italienisch für "Gelb") kommt von der Färbung der Einbände der italienischen Romanhefte, in denen ab den späten 1920ern Übersetzungen von Autoren wie Edgar Wallace oder Agatha Christie publiziert wurden. Doch nicht nur, dass das Genre seinen Namen einer Farbe verdankt, es gibt auch Verbindungen zum Film Noir. Beide Genres verzeichnen eine große Anzahl an Kultklassikern der Filmgeschichte in ihren Reihen.

Doch nicht nur thematisch betrat "Giallo" seinerzeit cineastisches Neuland, sondern auch durch narrative Experimente, welche die klassischen Erzählweisen des Films zu Gunsten von einer eigenen, unvergleichlichen, visuellen Sprache hinter sich ließen, mögen hier erwähnt werden. "Giallo" heißt Rausch, heißt Traum(a), Begehren und Farben. Der Spagat zwischen Arthouse und Kommerz, zwischen Abhandlungen über die "Human Condition" und Unterhaltung wurde hier dabei ständig vollzogen. Besonders deutlich wird dies in Dario Argentos Meisterwerk "Suspiria", welches letztes Jahr kongenial von Luca Guadagnino nicht nur neu verfilmt, sondern neu geträumt wurde.

NICHT NUR TRASH

Bei einem ersten Blick neigt man dazu, diese Filme zu Unrecht als "cheesy" oder "Trash" abzutun, und obwohl viele der Filme sicher zu den B-Movies zählen, sollte, wie bereits im dazu erschienenen  ARTIKEL erläutert, nicht deren Qualität deshalb in Zweifel gezogen werden. "Gialli" haben eine einzigartige Ästhetik, die oftmals schwerer mit Worten zu beschreiben ist, als mit Bildern zu zeigen. Eine stufenweise Aufwiegelung der Spannungsbögen bis zu punktuellen Gewaltexzessen, die kunstvoll inszenierten Wahnsinn verkörpern; die Handlung auf die Spitze zu treiben ist jedenfalls eines ihrer Markenzeichen.

gialloUn gatto nel cervello, Abbildung: Executive Cine TV

DIE KÖNIGE IN GELB

Unter dem Titel: "Giallo. Italiens Thriller-Moderne", zeigt das  ÖSTERREICHISCHE FILMMUSEUM in Kooperation mit dem /Slash-Festival des fantastischen Films noch bis 24. Oktober eine farbenprächtige Auswahl aus bekannten und eher unbekannten Filmen des "Giallo". Meister ihrer Zunft, wie zum Beispiel Lucio Fulci mit "Non si sevizia un paperino" ("Quäle nie ein Kind zum Scherz", 1972) und "Un gatto nel cervello" ("Nightmare Concert", obwohl der Alternativtitel "Cat in the Brain" eine weitaus bessere Übersetzung darstellt, 1990) sowie Dario Argento mit "Phenomena" (1985), "Opera" (1987) und "Tenebre" ("Tenebre – Der kalte Hauch des Todes", 1982) laden, selbstverständlich nur unter anderem, passend zur Jahreszeit des Gruselns, zum Schaudern und Staunen ein.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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