FILM

Das /slash 2019 – Gruseln, Lachen und WTF

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Das diesjährige  /SLASH war wieder einmal, wie erwartet, eine Sammlung an herzlichen Seltsamkeiten, an unglaublicher Kreativität, Menschlichkeit und dem Mut, anders zu sein. Die Filme mögen zwar nicht alle zu 100 Prozent immer den eigenen Geschmack treffen, aber das Wunderbare daran ist, dass das Filmfestival auch diese Filme zu einer guten Zeit macht und einem so auch Filme nahe bringt, die man sonst wohl nicht kennen gelernt hätte. Nicht für einen alles, sondern für jeden etwas, jenseits von Genres oder Budgets!

Meine Eindrücke

THE LODGE
Wie zu erwarten haben hier Franz und Fiala ganz großes Kino abgeliefert. Beklemmend, kalt und einsam sind die Adjektive, die einem zunächst in den Sinn kommen. Eine komplett blasse Winterwelt droht einen hier fast zu ersticken, als eine Stiefmutter in spe mit ihren neuen Kindern alleingelassen in einer abgelegenen Hütte zu den Festtagen ausharren muss. Themen wie Familie, Religion und die Ohnmacht, die man verspürt, angesichts der fortdauernden Symptome von Missbrauch und Wahnsinn.

THE COLOUR OUT OF SPACE
Der überrannte Überraschungsfilm dieses Jahr war kein anderer als die furiose Verfilmung der H.P. Lovecraft Kurzgeschichte "The Colour out of Space". Das Team der Produktionsfirma "Spectrevision" (gegründet von u.a. Elijah Wood [!]) hat schon letztes Jahr mit "Mandy" einen grandiosen Film hausgegeben und so ist auch dieses Projekt ein spektakuläres Farbenfeuerwerk der Superlative. Wieder am Start war Nic Cage, wahnsinnig wie eh und je. Das wir weltweit das dritte Publikum waren, dass den Film sehen durfte, machte das Ganze noch extra schmackhaft.

SCARY STORIES TO TELL IN THE DARK
Hinter der Fassade eines Kinder-Gruselfilms verbirgt sich in Wahrheit eine Aufarbeitung des Vietnamkrieges. Krieg erscheint als die gruseligste Geschichte von allen. Und beginnt nicht auch die klassischste aller Gruselgeschichten immer mit Kindern, die zu Orten gehen, an denen sie nichts zu suchen haben? Warnungen werden ignoriert, Gründe erfunden, wie Mutproben, um dennoch hinzugehen. Vietnam ist eine dieser Geschichten, ein kollektives Trauma (vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten der amerikanischen G.I.s gerade einmal 22 Jahre alt waren).

BOYS IN THE WOOD
Was zunächst wie ein "Battle Royal"-Klon, der sich in die schottischen Highlands verirrt hat, anmutet, zeigt schnell, dass hier nicht nur alte Tropen aufgegriffen werden. Der Überlebenskampf der Jung-Gangster aus der Vorstadt (und einem Vorzeigepfadfinder) entwickelt sich schnell zum kurzlebigem Politik-Kommentar, das trotz deutlichen politischen Subtexten nie wie eine Moralpredigt wirkt. Besonders interessant war die Beziehung der Hauptcharaktere untereinander. Erwartet man, dass die chaotischen Teenager sich dem etwas schrulligen Streber gegenüber wie typische Mobber verhalten, so wird man eines Besseren belehrt, sind sie doch selbst "Loser", wie sie es bezeichnen. Ein Umstand, der die im Film entstehende Freundschaft umso glaubhafter macht.

EXTRA ORDINARY
Für mich der Überraschungsfilm des /slash! Unglaublich unterhaltsam geht es bei den Geisterjägern am irischen Land zu. Schrullige Hauptcharaktere (die großartige Maeve Higgins und der ebenfalls bezaubernde Barry Ward), die man so noch einfach nicht gesehen hat, perfekt getimte Comedy-Einlagen und coole, satanische Bösewichte, was will man mehr? Auch die Fans der gediegenen Metaebenen-Kommentare kommen hier voll auf ihre Kosten, wird doch das Publikum mehrmals als solches angesprochen. Auf jeden Fall ist der Film wertvolles Kleinod und allein wegen der schauspielerischen Höchstleistungen nicht nur zu Halloween einen Blick wert.

Das war mein /slash 2019 und ich bin zunächst natürlich gespannt auf das Weihnachtsspecial im Dezember, ansonsten sieht man sich September 2020 in alter Frische wieder!

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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