FILM

Epidemien im Film. Unwissenheit und Vorurteil

Gerade in der westlichen Welt und der nördlichen Hemisphäre haben wir uns die trügerische Idee in den Kopf gesetzt, vollständige Kontrolle über die Natur zu haben. Die Folgen davon sind nicht nur eine falsche Vorstellung von Sicherheit, sondern auch die Vorstellung einer scheinbaren Vorhersehbarkeit globaler Entwicklungen, wie zum Beispiel der Erderwärmung und gesellschaftlicher Umbrüche. Aber auch Krankheitsausbrüche, die immer wieder auftreten, verblüffen uns noch immer und schwächen die Illusion von Kontrolle.

Coronavirus und Racialisation von Krankheiten

Dieser übersteigerten Meinung der eigenen Kontrolle zufolge kann es nur eine andere Quelle sein, aus der besagte Gefahren entspringen. Andere, nicht weiße, nicht westliche Gesellschaften werden somit automatisch, durch alte rassistische Kodifizierungen bestärkt, narrativ kollektiviert und kollektiv als schmutzig und primitiv, und der unseren zweifelslos unterlegen dargestellt.

Es lässt sich leicht feststellen, dass die Realität nicht nur in Sachen Kultur anders aussieht, aber auch die sogenannten "Epidemien" gar keine sind, liegt die Zahl der Toten durch das Coronavirus (mit 11. Februar "Covid-19" getauft) in ganz China, bei einer Bevölkerung von 1,386 Milliarden, bei 1060, während allein in Österreich die Zahl der Toten im Jahr 2019 durch eine gemeine Grippe diese Zahl mit 1400 Toten deutlich übersteigt und dass bei nicht einmal neun Millionen Einwohner*innen. Natürlich ist zu beachten, dass die Todesfälle durch das Coronavirus in einem Monat erfasst wurden und die Grippetodesfälle in einem ganzen Jahr, ist es bei weitem zu Früh von Notständen zu sprechen, ohne sich den Vorwurf eines politischen Kalküls dahinter gefallen lassen zu müssen.

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Dustin Hoffman in "Outbreak", wo - wieder einmal - eine Krankheit in Afrika ausbricht und Amerika bedroht.

Krankheit im Film

Doch was ist die Geschichte von Krankheitsdarstellungen in unserer Kultur? In unseren Filmen? Ein sehr gutes Beispiel für Filme mit Epidemien-Thema sind moderne Zombiefilme, angefangen mit Romeros "Night of the living Dead" im Jahr 1968. Der Film ist nicht zufällig auch eine Abstraktion von Rassismus in den USA und entstand ganz sicherlich nicht zufällig zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung, werden wir in Zombiefilmen mit sozioökonomischen Abläufen von Epidemien konfrontiert. Panik, Schuldzuweisung - Stichwort "Terrorverdacht" - mit einigen Ausnahmen ein Scheitern des Staates und schließlich die Herausbildung von postapokalyptischen, neuen Kulturen.

Ein Beispiel, das dediziert eine westliche Perspektive zeigt, ist der Film "World War Z" mit einem Kommentar zu Nordkorea. Es wird beinahe beiläufig festgestellt, dass die sich über Bisse übertragende Zombiekrankheit dort schlichtweg deshalb nicht ausbreiten konnte, da das Regime sämtlichen Einwohner*innen die Zähne entfernen lies. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl an Filmen, die Krankheiten und globale Ausbrüche behandeln, bei denen jedoch häufig ein und dasselbe Schema auftritt. Westliche, individualistische Helden retten den Tag, der Rest der Welt sieht machtlos zu.

Ich denke, dass hier eine breitere Diskussion um Narrative im Unterhaltungsfilm - oder generell in allen Medien - geführt werden kann und muss, wenn wir verstehen wollen, wie es passiert, dass Krankheiten nicht nur zu Epidemien hochstilisiert werden, sondern auch rassistische Kodierung erfahren.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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