FILM

Feministische Vorbilder: Die Dohnal

Johanna Dohnal ist einer jener Namen, der vielen Menschen als der einer Ikone bekannt ist. Und gleichzeitig einer jener Namen, den viel zu wenige Menschen kennen. Damit sich das ändert, hat Sabine Derflinger Dohnal portraitiert.

Das Schicksal als Frauenministerin ist kein einfaches. Ein unterbewerteter Job, der wenig Anerkennung und viel Arbeit bringt. Als Dohnal als erste Staatssekretärin für Frauenagenden begann, war noch lange keine Rede von einem eigenen Ministerium, von Frauenrechten noch weniger. Die 60er, als Dohnal begann politisch zu werden, waren zwar von einem Umsturz geprägt, aber bis eine politische Bewegung in der Mitte der Gesellschaft ankommt, dauert es, wie man jetzt an Fridays for Future sieht. Also hat Dohnal die Sache selbst in die Hand genommen, wurde in der SPÖ aktiv und begann zu arbeiten. Derflinger portraitiert diese Aspekte in den dokumentarischen Ausschnitten des Films  DIE DOHNAL – FRAUENMINISTERIN / FEMINISTIN / VISIONÄRIN.

Johanna Dohnal C Elfie Semotan klein
Johanna Dohnal © Elfie Semotan

Die andere Hälfte widmet sich der Retrospektive und zeigt auf, wie Dohnals Arbeit sich bis heute auswirkt. Und genau zwischen diesen beiden Aspekten ist der ganze Film hin- und hergerissen. Die Dokumentationsteile über Dohnal sind gut und solide geschnitten, mit vielen Originalaufnahmen und Interviews mit Wegbegleiter*Innen. So wird Dohnals politische Karriere nachgezeichnet und ihre Leistungen werden gewürdigt. Dennoch sind diese Teile eher nicht chronologisch, was es manchmal schwierig macht, die einzelnen Stationen zu verfolgen. Auch, dass die Zeit nach ihrer politischen Tätigkeit unter den Tisch fällt, ist eher seltsam. Schließlich lebte Dohnal noch 25 Jahre, wobei man diese offenbar nicht mehr als relevant betrachten muss und der Fokus rein auf Dohnal als Politikerin liegt.

Dennoch: Zwischendurch führen vor allem die O-Töne zu Lachern im Publikum. Einerseits wegen der Absurdität mancher Aussagen über damalige Rollenbilder, andererseits weil Dohnals offener Kampfgeist immer wieder kabarettistische Auswüchse hatte. Das ist zwar beim Ansehen unterhaltsam, aber gleichzeitig hinterlässt es einen bitteren Nachgeschmack, weil es aufzeigt, wie wenig sich in der Gesellschaft bis heute verändert hat.

Genau auf diesem Aspekt konzentrieren sich viele aktuellere Interviews, die unter anderem auch die Frauenvolksbegehren thematisieren. Dohnal war schließlich auch Mitträgerin des ersten Frauenvolksbegehrens und ihre Auswirkungen sieht man auch im zweiten. Dieses bekommt deswegen auch viel Platz, was als politisches Statement sicherlich anzuerkennen ist, aber eben den Stillstand der Gesellschaft teilweise aufzeigt. Die aktuellen Interviews zeigen deshalb, wie sehr ein Frauenministerium, dessen Existenz Dohnal zu verdanken ist, in der üblichen Politik untergeht.

Der Zwiespalt des Films wird von den Interviews betont, schließlich wechselt man regelmäßig zwischen damals und heute. Die Auswahl der Gesprächspartner*Innen ist nicht wirklich nachvollziehbar, es schwankt zwischen Politiker*Innen, Aktivist*Innen und Persönlichkeiten aus den Medien.  

Der größere Aspekt liegt trotz der thematischen Abschwenkungen aber auf Dohnal selbst. Sie war eine Kämpferin, half bei der Gründung von Frauenhäusern und wagte es erstmals, auf die Lebensrealiäten von Frauen hinzuweisen. Themen wie unbezahlte (Heim-)Arbeit, Missbrauch in der Ehe und die Selbstbestimmung der Frau wurden zwar politisch angegangen und vieles hat sich verändert, doch strukturell sind viele Probleme noch immer zu merken.

Was aber jedenfalls bleibt, ist die Erinnerung an Johanna Dohnal und daran, dass sie politisch und soweit über den Film transportiert auch persönlich ein Badass für Frauenrechte war. Und dass wir immer noch wesentlich mehr dieser Frauen brauchen und uns darin vielleicht auch selbst ein Vorbild nehmen könnten.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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