FILM

Wir brauchen gute Fantasy!

Bei den zwei großen Themengebieten des Fantastischen, Fantasy und Science-Fiction, hat erstere lange Zeit das Nachsehen gehabt, was Qualität und Einfallsreichtum angeht. Das große Potential, das den Geschichten vorausging wurde nur selten umgesetzt. Doch hat sich Fantasy als Film- und Seriengenre in den letzten Jahren um einiges verbessert. Originelle Geschichten und interessante Charaktere haben mehr und mehr Raum bekommen und gezeigt, dass durchaus das Bestreben vorhanden ist, wegzukommen von weißen, männlichen cis-heteronormativen Helden und auch konservative "Schicksalserzählungen im Zauberstaubmantel" hinter sich zu lassen. So weit, so wenig.

fantasy witcher klein
"The Witcher" © Netflix

Fantasy is good but should be better

Doch wie leider bei so vielen kulturellen Beobachtungen, kommt nach dem Lob das unausweichliche "aber". "The Witcher" hat das fragwürdige "law of surprise" im Gepäck und auch beim scheinbar modern aufgestellten "Game of Thrones" sind ein paar Dinge doch eher problematischer, als auf den ersten Blick gedacht. Nimmt man sich hier die Zeit für genauere Betrachtungen, fällt einem doch eher sehr weiße Cast auf, als auch Dinge, die lange Zeit interessante und provokante Inhalte vermittelten, sich dann aber durch das Ende der Serie zu sehr konservativen Punkten zurückentwickelt haben. Auch bei der Serie "Chilling Adventures of Sabrina" wird nicht immer der erhoffte Ton getroffen. Die Repräsentation von marginalisierten Personen in der Serie ist an sich natürlich zu begrüßen, aber die Umsetzung ist dann doch leider oft mangelhaft, zu dem auch hinter den Kulissen problematische Vorkommnisse zwischen den Filmschaffenden und den jungen Hauptdarsteller*innen ans Tageslicht getreten sind.

Fantasy goes Vienna

Abgesehen von diesen Problemen fehlt, meiner Meinung nach, vor allem eines: Fantasy-Serien, oder -Filme aus Wien, beziehungsweise Österreich. Dabei gibt es unzählige Sagen, Geschichten und Legenden aus Wien, die schon im Ansatz bei der von mir bereits in der Vergangenheit erwähnten österreichischen Comicserie "Austrian Super Heroes" umgesetzt wurden. Die unzähligen Wetten, die von mal mehr und mal weniger klugen Leuten mit dem Tod und dem Teufel eingegangen wurden, bieten doch großes Potenzial für Serien und Filme. Doch nicht nur diese Erzählungen, ein ganzes Pantheon an wundersamen Kreaturen und sagenumwobenen Menschen hat Wien. Oder wie wäre es, berühmte Skandale mit Sagen aufzuarbeiten - den FPÖ-Comic von anno dazumal wollen wir absichtlich ignorieren - ganz im Sinne Johann Nestroys?

Es ist eigentlich naheliegend, dass unsere Sagenlandschaft so einiges an gutem Material für Filme und Serien hergeben würde, aber vor allem würden Produktionen jenseits von Hollywood andere Sichtweisen auf diese zulassen. Krampus hat es zwar nach Hollywood geschafft, aber selbst im besten Film blieb wenig von ihm übrig. Das sollte geändert werden. Fantasy sollte nicht nur inspirieren und zum Träumen anregen, uns helfen unsere Ängste und Wünsche zu verarbeiten, sondern sie sollte auch mutig sein für Neues. Wir brauchen gute Fantasy, und zwar für alle!

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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