FILM

Contagious Love

Osmosis klein
"Osmosis" auf Netflix, Bild: werstreamt.es

Während in der realen Welt ein Virus um sich greift, den wir Menschen nicht willentlich geschaffen haben, hat sich auf Netflix die französische Serie  OSMOSIS eingeschlichen, die ebenfalls von einer Pandemie handelt. Einer Pandemie, der sich die Menschen jedoch freiwillig aussetzen und zu deren Zweck sie ihre Gehirne von außen überwachen lassen. Die Rede ist von Liebe.

Hallo, Seelenverwandte*r!

Das Geschwisterpaar Paul und Esther gründen ein Unternehmen, das Menschen helfen soll ihre Seelenverwandten zu finden. Hierfür muss bloß eine Tablette mit Nanobots geschluckt werden, die sich dann daran machen, das Gehirn der betreffenden Person zu analysieren und diese Informationen mit den Onlineprofilen alle anderen Erdenbewohner vergleichen. Die Gründe wieso die Beta-Tester, die wir in der ersten Staffel begleiten, sich für Osmosis entscheiden sind vielfältig - jedoch was gibt es zu hinterfragen, wer will nicht seinen Seelenverwandten finden?

Wie Platons Mythos der Kugelmenschen, soll der Mensch nur zu zweit ganz sein. Dies äußert sich nicht nur durch Glücksgefühle, wie wir sie selbst kennen, wenn wir verliebt sind, sondern denkt das Osmosis-Team damit auch Krankheiten heilen zu können. Aber bleiben wir bei der Liebe, denn die Serie wirft in einer Staffel so viele interessante Themen auf, die alle riesige ethische Komplexe mit sich ziehen, dass man eine ganze Reihe an Büchern darüber verfassen könnte.

Was genau unter Seelenverwandten verstanden wird, definiert die Serie nicht. Die Personen sind oft von ihren Interessen, ihren Ansichten, ihrem Verhalten unterschiedlich und doch besteht eine gewisse Anziehung, die sie ab dem ersten Treffen merken. Ab dem Zeitpunkt, da in beiden Partnern Nanobots am Werk sind, verstärkt sich diese Wirkung noch und wird durch eine gewisse mentale Verbindung, die als gemeinsamer Raum dargestellt wird, noch ausgeprägter.

Doch nach was richtet sich die Annahme, dass zwei Personen perfekt füreinander sind? Gehen wir davon aus, dass es für jeden Menschen wirklich die eine Person gibt? Müssten wir dann nicht davon ausgehen, dass wir uns selbst auch nie verändern, beziehungsweise immer das selbe Ich bleiben?

In einer gesunden Partnerschaft wächst man zusammen. Man sieht, wie das Andere sich verändert, wie es reift, wie es sich entwickelt. Doch nicht immer kann oder will man mit der Entwicklung mitmachen. Ist ein Seelenverwandter daher die eine Person, die trotz aller Entwicklungen und Veränderungen immer zu uns passen wird? Wenn wir alle Ichs, die wir im Laufe unseres Lebens sind, zusammennehmen und einen Mittelwert berechnen könnten, wäre es dann die Person, die zu all unseren Ichs am besten passt? Oder gehen wir davon aus, dass je wie wir uns entwickeln, für was für einen Weg wir uns entscheiden, jemand anders unser perfekter Gegenpart ist?

And science created love

Während bei allen anderen Beta-Testern recht eindeutig ist, dass Osmosis den richtigen Partner gefunden hat, ist dies bei Lucas eher zweifelhaft. Eigentlich in einer glücklichen Beziehung mit Antoine, entscheidet er sich bei Osmosis teilzunehmen, um sich seine Entscheidung auch wissenschaftlich bestätigen zu lassen. Heraus kommt, dass sein toxischer, fremdgehender Exfreund Léopold sein Seelenpartner ist. Ein Fehler des Systems, wie die Osmosis Mitarbeiter spekulieren, oder doch die Wahrheit?

Die Serie gibt keine Ansätze in diese Richtung, aber was, wenn Léopold das perfekte Gegenstück zu Lucas' unvollkommenem Ich ist und dieser erst an sich arbeiten muss, um zu einem Seelenverwandten zu passen, der gut für ihn ist?

And science created love, steht auf den Plakaten für die Serie.
Faszinierend, wie wir Menschen immer noch nicht erklären können, wie und warum wir uns in bestimmte Personen verlieben. Wir haben zwar Ansätze, welche Faktoren mit hineinspielen, aber was wirklich ausschlaggebend ist, können wir nicht sagen.

Was der Mensch nicht beherrschen kann, das macht ihn verrückt. Das macht Osmosis zu so einer großen Verlockung und wieso der Gebrauch nach der Markteinführung epidemische Ausmaße annimmt. Liebe, die man sich für Geld kaufen kann - gibt es eine großartigere Vorstellung in einer kapitalistischen Welt?

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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