FILM

Kino wie noch (wirklich) nie: Wien wie noch nie

 Das wunderbare Sommerprogramm des Filmmuseums ist sicherlich für alle Kinobesucher*innen eine Wohltat nach den Monaten der Fadheit daheim. Doch ist es nicht die einzige Veranstaltungsreihe, die wir diesen Sommer beachten sollten, denn das Kino wie noch nie bringt dieses Jahr vom 9. Juli bis 16. August ebenfalls ein großartiges Programm mit lokalem Geschichtsbezug. Auch wenn einige der Filme bereits auf dem Youtubekanal des Filmarchivs zu sehen waren, sollte das niemanden davon abhalten, sie noch einmal auf der großen Leinwand sehen zu wollen. Die Filme sind jeweils and zwei Tagen zu sehen, abwechselnd im Augarten und im Metro Kinokulturhaus. Ein paar meiner Highlights.

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"Hundstage" von Ulrich Seidl ist zum Beispiel auch zu sehen

Nachkriegs-Wien als Krimi-Schauplatz

"Der dritte Mann" (1949)
Das Meisterwerk von Carol Reed wurde am 11. und 12. Juli gezeigt. Orson Welles als Verbrecher im Wiener Untergrund ist zeitloses Kino, das gleichzeitig genau datierbar ist. Die Trümmer von Wien als einmalige Filmkulisse. Wer hört da nicht schon Harry Limes Lied?

"Abenteuer in Wien" (1952)
Ein Mord, ein Amerikaner und ein Komplott versetzen uns am 16. und 17. Juli in Spannung. Ein Krimi, den man eher in Chicago als in Wien verorten würde, der auch eine ausgezeichnete Besetzung aufzuweisen hat! Allein schon wegen dem legendären Duo Farkas - Waldbrunn eine Filmempfehlung.

"Mann im Schatten" (1961)
Helmut Qualtinger als grantelnder Mordermittler in einem Krimi von Arthur Maria Rabenalt, was möchte man mehr? Ein rasant schneller Wortwitz, der heutzutage selten zu finden ist und eine spannende Bestandsaufnahme Wiens der frühen 60er ist am 19. und 20. Juli zu sehen. Der großartige Herbert Fux sollte hierbei auch nicht unerwähnt bleiben.

Wien verklärt

"Before Sunrise" (1995)
Am 25. und 26. Juli kann man sich eine unerwartete Liebeserklärung von Richard Linklater an Wien ansehen, welche ich jedoch nächsten Monat in einem eigenen Artikel genauer betrachten werde und daher soll hier noch nicht allzu viel verraten werden.

Wiener Milieustudien durch die Zeit

"Asphalt" (1951)
Am 13. und 14. August zeigt das Filmarchiv einen etwas anderen Film, weniger Unterhaltsfilm als Schaufenster in die Sozialvorstellungen und Lösungsansätze der Nachkriegsgesellschaft. Harald Röbbelings Anthologiedrama zeigt Laiendarsteller in mal realistisch wirkenden, mal grotesken Situationen, die allesamt ein recht düsteres Bild von Wien zeichnen.

"Hundstage" (2001)
Niemand hält dem Menschen, und ganz speziell dem Österreicher, den Spiegel vor wie Ulrich Seidl. Vor der "Paradies"-Reihe, vor dem Abstieg in NS-Devotionalienkeller, da gab es "Hundstage". Dieses physische Sommerloch der Seele, dass sich jährlich zwischen 23. Juli und 26. August auftut und unter dem Sternenbild der Hunde des Orion steht, ist passenderweise in seiner Spielfilmform, in der der Mensch dem Menschen ein Hund ist, am 6. und 7. August zu sehen.

Soweit zu den Filmempfehlungen für diesen Sommer, diese sind natürlich nur ein Ausschnitt aus dem tollen Programm und am liebsten würde man sich natürlich alles ansehen, logisch. Da uns Hollywood ja im Moment eher wenig neues bietet, ist ein Blick in die Vergangenheit umso interessanter und vielleicht auch mal die Zeit in der man ein wenig seine "To watch"-Liste abbauen kann.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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