FILM

Slash 2020. Die fantastische 11. Runde

"Against all odds" oder so möchte man am Beginn eines Berichts über dieses Filmfestival schreiben, dem so viele Schicksalsschranken den Weg beinahe versperrt hätten. Aber anstatt sich auf das ubiquitäre Thema, das uns alle immer und überall verfolgt zu versteifen, möchte ich eigentlich der Festivalleitung und dem ganzen Team von stets motivierten Cineasten mein Lob aussprechen, selbst in den widrigsten Umständen den Menschen doch ein wenig Abwechslung zu verschaffen.

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Das diesjährige Poster zum Filmfestival 
© SLASH Filmfestival

Das Slash 2020 war wieder fantastisch, träumerisch, bunt, nah, noch eine ganze Reihe weiterer Adjektive und zeigte abermals mit handverlesenem Programm, wie nahe Horror und Komödien beieinander stehen. Der Schrecken im Spaß, das Komische im Horror. Alle Filme waren gut, alle Filme sollten besprochen werden, aber leider muss man sich manchmal mit einer Auswahl begnügen. Und so habe ich ein paar Filme ausgewählt, auf die ich hier näher eingehen möchte:

Slaxx (2020, Elza Kephart)
Sozialkritik, die nicht preachy ist und das Problem der kapitalistischen Produktionsweise mit Humor genommen? Ja, das geht! Indische Killer/Vampirhosen laufen in "Slaxx" Amok und nehmen dabei die sektenhafte Fastfashion-Industrie wortwörtlich auseinander. Lang leben die neuen Textilien! Nieder mit der Industrie!

Psycho Goreman (2020, Steven Kostanski)
Noch nie hat Splatter so viel Spaß gemacht! Wie ein wildes Crossover aus "GWAR" meets "Powerrangers" mit unglaulich guter Slapstick-Comedy und viel Liebe zum Detail, was die Kostüme und Effekte angeht. "I don’t care for hunky boys… or do I?"

The Dark and the Wicked (2020, Bryan Bertino)
Als Kontrast, wie er krasser nicht sein könnte, geht "The Dark and the Wicked" vor. Düstere southern Gothic Bilder be- und erdrücken hier die Zuseher*innen, das allgegenwärtige Elend scheint unentrinnbar. Dunkle Nächte und graue, einsame Tage, geplagt von bösen Geistern, wörtlich und im übertragenem Sinne, prägen hier die Szenen.

Dinner in America (2020, Adam Rehmeier)
Das diesjährige Surprisemovie des Slash Filmfestivals wusste mit einer ganzen Reihe an Qualitäten zu überzeugen. Humor, Charm, Sexyness, alles dabei. Als Punk-Liebesfilm wunderbar grenzauslotend für das Slash, was wiederum typisch für das Festival ist. Fantastisch ist hier nicht nur die Story, sondern auch die Dialoge, die Darsteller und selbstverständlich auch der Soundtrack.

Spiral (2019, Kurtis David Harder)
Im Psycho-Horrorfilm "Spiral" wiurde wieder ein ernsterer Ton angeschlagen, geht es doch um Homophobie, Rassismus und Ausgrenzung marginalisierter Gruppen im Allgemeinen und den generationellen Traumata von Angehörigen dieser Gruppen. Geschickt werden hier Mechanismen aufgezeigt, die systemische Isolierung und Diskriminierung verschleiern unter dem Deckmantel der "Normalität".

Jing wu men (1972, Wei Lo)
Bruce Lees legendärer Rachefeldzug, der im Westen eher unter dem Namen "Fist of Fury" bekannt ist, war nicht nur pures Kung Fu Kino, sondern rundete zusammen mit dem Kurzdoku "Little Dragon" (1980, Christian Fuchs) aus der "steirischen Provinz" und der Doku "Be Water" (2020, Bao Nguyen) perfekt das Festivalprogramm ab.

Besonders stimmig war natürlich auch die Location des historischen Sales des Metro Kinokulturhauses, die dem Spektakel noch einen zusätzlichen Hauch "altes Kino" verlieh. 

Neben der tollen Filmauswahl hat mir dieses Jahr besonders die Gestaltung der Sujets gefallen: Sowohl Programmhefte, Trailer, als auch Corona bedingte Hinweise wurden liebevoll von Elias Fleischer und Franz Mühringer vom Team Firlefleisch gestaltet. 2020 das Zwillingsjahr und das 11. Mal Slash, ein Kniff mit gespiegelten Ziffern, als Inspiration diente ihnen einer der ältesten Schrecken des Films, der böse  Doppelgänger. Aber auch das Rahmenprogramm soll nicht unerwähnt bleiben, denn die legendäre Salon Kitty Revue gab sich wieder einmal die Ehre. What goes better together then Burlesque, Boylesque, Cabaret, Travestie and Horror?

Wieder ein Jahr vergangen, wieder ein Festival voll einzigartiger, alter und neuer Filme, wieder einmal die Suche nach dem passenden Schlusssatz. Ein gutes Festival ist mehr als eine gute Filmauswahl und eine gute Organisation, es ist eine Gruppe von Menschen, die zusammen Film und Kino feiern. Menschen, für die das Ende eines Filmes erst der Anfang der Träume ist, zu denen er inspiriert. Das Slash ist mehr als ein Festival, es ist ein Ort der Freude und Freundschaft, den man immer wieder gerne aufsucht und der auch das 11. Mal nichts von seinen Reizen verloren hat.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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