FILM

Tales from the Kinokassa Vol.1

kinokassaklein
Bild via pinterest

Während wir alle zurzeit wieder einmal zwangsweise vermehrt zuhause sind, ist es gerade jetzt vielleicht eine gute Zeit, sich daran zu erinnern, wie es ist, vermehrt echten Kontakt zu Menschen zu haben. In meinem Fall ist mein Beruf als Kinokartenverkäufer derzeit meine Quelle für derartige Erinnerungen. Denn es ist weitaus mehr dahinter als nur eine Transaktion, hat bereits Foucault gewusst.

In seinem frühen Essay "Andere Orte" zum Thema Heterotopien, also real existierende Orte, die noch nicht existierende Utopien versprechen und auf diese vorgreifen, erwähnte Michele Foucault auch den mythischen Raum des Kinos. Nicht aber nur der Kinosaal wurde erwähnt, sondern auch die Begrenzung des Kinos, die rituell mit dem Kauf des Kinotickets überschritten wird, ähnlich der Überfahrt der Seelen über den Styx, wo man bei Charon dem Fährmann den Obolus entrichten muss, bevor man seine Barke betreten darf. Das fügt sich gut, ist ja das Kino ein Ort der Träume und der Tod ist des Schlafes Bruder.

Besonders in Erinnerung sind mir die Momente geblieben, wo Menschen mir von ihren Erinnerungen an vergangene Vorstellungen des Filmes, für den sie gerade Karten gekauft haben, erzählen. Vergangene Zeiten und Orte werden hierbei wieder wach und Leute erinnern sich an ihre Kindheit, ihre Eltern, schöne und traurige Momente, die sie mit dem Film und mit dem Kino verbinden. Manche erinnern sich auch an ihre Großeltern und deren Geschichte und lieben es mit einem and der Kassa über Erinnerungen zu plaudern und selbstverständlich, neue zu schaffen. Gerade jetzt, in einer unsicheren Zeit, wo Kino keine Selbstverständlichkeit mehr ist, sehnen sich viele nach unbeschwerten Vergangenheiten zurück.

Es sind jedoch selbstverständlich nicht alle Begegnungen positiv, jeder hat einmal schlechte Tage, oder ist einmal gestresst. Doch auch diese Begegnungen haben ihren Mehrwert, kann selbst jemandem mit schlechter Laune ein guter Film ein wenig den Tag retten und selbst eine kleine freundliche Geste wie ein "Viel Spaß beim Film" kann da Wunder wirken. Manchmal sind es auch einfach die Masse an Leuten, die Besucher*innen verunsichert, was derzeit ja durchaus nachvollziehbar ist.

Eine Frage, die viel banaler wirkt, als sie eigentlich ist, ist die des gewünschten Sitzplatzes. "Wo möchten Sie sitzen?" versetzt manche in Schrecken, ob der Qual der Wahl, während andere ganz genau wissen, welchen Platz sie haben möchten. Dies fällt mir besonders auf, da wir nicht immer Sitzplätze zugewiesen hatten. Im allgemeinen chaotischen Spiel der freien Sitzplatzwahlkräfte saß davor wohl jeder circa da, wo er wollte, oder die Entscheidung wurde ihm schlicht und einfach durch die vorgefundene Belegsituation abgenommen.

Weil nicht alle Aspekte in einen Artikel passen, sowohl thematisch als auch von der Länge her, werde ich meinen zweiten Artikel ebenfalls den Erlebnissen an der Kinokasse dienen. Stay safe and see you at the Kassa!

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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