FILM

Die Sonne im Lockdown-Herbst

Max Barbakow hat mit "Palm Springs" ein fröhliches Hollywood-Sommerspektakel inszeniert, das hilft jetzt zumindest für kurze Zeit gegen den November-Blues. Mit dabei sind alte Bekannte aus Comedy-Serien.

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"Palm Springs", Foto © Hulu

Andy Samberg kennen manche von "Brooklyn 99", andere noch von "Saturday Night Live". Klar ist damit: Der Mann ist witzig. In "Palm Springs" spielt er als Nils jetzt wieder einmal eine (unfreiwillkig) komische Hauptrolle und zeigt damit, wie die ewige Monotonie, dass nichts passieren kann, unterhaltsam wird. Perfekt also in Zeiten von Lockdowns.

"Palm Springs beginnt mit einer Hochzeit", so weit, so klassisch. Schon nach einer Minute ist klar, dass zumindest Nils in einer nicht wirklich glücklichen Beziehung steckt. Als Gast bei einer Hochzeit ist das aber irrelevant, außerdem entdeckt er ohnehin bald eine potenziell neue Begleiterin Sarah. Die die meisten Zuseher ebenfalls kennen: Cristin Milioti, besser bekannt als die Mutter aus "How I met your Mother".

Zeitschleife und Romantik

Nils' erste Annäherungsversuche funktionieren ganz gut, bis die romantische Annäherung durch einen Bogenschützen plötzlich unterbrochen wird. Bei der resultierenden Flucht passiert das Fatale und Sarah wird in Nils' Dilemma hineingezogen. Oder wie er es beschreibt: eine dieser Timelaps-Situationen, in der sich alles wiederholt. Wodurch sich der richtige Plot erst entwickelt.

Nils und Sarah sind von da an dazu verdammt, den Hochzeitstag von Sarahs Schwester immer wieder zu erleben. Der Regisseur Max Barbakow gibt "Palm Springs" dafür einen klassischen Hollywood-Touch, alles ist sehr hell und fröhlich, im grauen Wiener November weckt das ein bisschen Hoffnung auf bessere Tage in einer fernen Zukunft. Entscheidend für den Stil des Films ist besonders die Attitude, dass durch die Endlosschleife ohnehin nichts mehr zu verlieren ist. Die Möglichkeiten zur Unterhaltung sind allerdings eingeschränkt, immerhin wachen beide jeden Tag wieder in ihrem gleichen Bett auf dem Anwesen der Hochzeit auf. Und ohne Schlaf kommt man auch nur bedingt weit weg von dort.

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"Palm Springs", Foto © Hulu

Was also tun? Obligatorisch sind die anfänglich unterhaltsamen Ausreißer aus einem ohnehin vorhersehbaren Tag und allerlei Blödsinn. Wie abzusehen entwickeln sich irgendwann natürlich Gefühle und weil den beiden ohnehin nichts anderes zu tun übrig bleibt, wird das kompliziert. Das Schöne an "Palm Springs" ist aber, dass profane Emotionen trotz ihrer Sinnlosigkeit den Film nicht einfach kitschig machen, sondern in einen Rahmen gesetzt werden und deshalb auch gefühlresistenten Menschen vertraut vorkommen. Vielleicht ist genau das der spannende Punkt: beide Hauptfiguren mögen Gefühle nicht wirklich, wissen nicht wirklich, was sie damit anfangen sollen und müssen sich mit der Monotonie einer Zeitschleife abfinden. Der Film spiegelt also praktisch die Lockdown-Pandemie-Situation wieder, wo keiner so wirklich Lust auf große Gefühle hat und der Umgang damit noch unwahrscheinlicher erscheint als deren Auftauchen. Im großen Unterschied zu unserer Situation, die sich wiederholt, versuchen die beiden schließlich aber aus ihrer Zeitschleife auszubrechen, um zumindest ein bisschen Spannung übrig zu lassen, bleibt dieser Teil bei einer Ankündigung.

Nichtdestotrotz hilft der Film beim Negieren der Krise. Er ist ein bisschen seltsam, sehr auf Zufriedenheit ausgerichtet und zeigt den klassischen Kampf um das Happy End, das wir alle so gerne haben. Gleichzeitig ist "Palm Springs" absehbar und leicht unterhaltsam, wie eben eine Folge "Brooklyn 99" oder "How I met your Mother". Der Film gibt einem, was er verspricht. Für Samberg heißt das nett unterhaltsam und ein bisschen ein Depp sein, Milioti allerdings ist in der Rolle wirklich gut und zeigt damit, dass sie mehr spielen kann als nur eine schweigsame große Unbekannte. Und manchmal reicht in Zeiten einer Pandemie sogar das. Mehr sein, als man sein könnte. Weil irgendwo müssen wir die Hoffnung ja hernehmen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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