FILM

Weihnachtshorror 2020

Weihnachtshorror20

"You Better Watch Out" (1980), Filmplakat © Edward R. Pressman Productions

Dieses Jahr suchen wir wieder, umgekehrt als in Hans Christian Andersens Geschichte, verschiedenste Gespenster auf. Die Geister vom vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnachten wollen wir alle hereinbitten, oder besser, da sie ja immer da sind und nur unsichtbar für uns, sie auffordern, sich zu zeigen. Dabei möchte ich diesmal an den Ursprung und das erste filmische Werk, welches Horror mit Weihnachten verbindet, präsentieren.

DEAD OF NIGHT – Sequenz "Christmas Party" (1945, Alberto Cavalcanti)
Das filmische Debut der Genremischung Horror und Weihnachten finden wir als knapp 10-minütige Sequenz in "Dead of Night" aus dem Jahre 1945. Eine "typische" (Weihnachts-)Geistergeschichte mit Weihnachten als zeitlichen Rahmen und trotz seiner kurzen Dauer sehen wir dank einer tollen Drehlocation ein unglaublich ausgereiftes Konzept mit durchaus guten schauspielerischen Leistungen unter der routiniert wirkenden Regie von Alberto Cavalcanti. Andere seiner bekannten Regiearbeiten, "Rien que les heures" und "O canto do Mar" beschäftigten sich mit Arbeitergeschichte und Migration, um nur zwei Beispiele aus seinem reichhaltigen Katalog an Arbeiten zu erwähnen.

DEATHCEMBER (2019 Ruggero Deodato, Sang-woo Lee, Vivienne Vaughn, Lazar Bodroza u.a.)
Eine Weihnachtshorroranthologie mit 24 Kurzfilmen von 24 internationalen Regisseuren, unter anderem vom Regisseur des berüchtigten "Cannibal Holocaust"? Ja, aber natürlich gibt es das! Stolze 2 Stunden und 25 Minuten voller interessanter Unterhaltung bringen uns diese Geister mit. Wenn auch natürlich nicht alle Beiträge gleich gut sind, ist es doch die bunte Mischung, die hier besticht. Von Moralerzählung über Sci-Fi Kammerspielen bis hin zu festlichen "Reservoir Dogs" Neuinterpretationen ist hier alles - und noch mehr - vertreten. Auch sehr begeistert bin ich von den Zwischensequenzen, welche die Kurzfilme verbinden. Diese lassen das ganze nämlich wortwörtlich zu einem mörderischen Adventkalender werden, wobei sich hier hinter jedem Türchen statt Schokolade eine makabre Geschichte verbirgt.

CHRISTMAS ZOMBIES (2020, Ashley Hays Wright)
Es mag verwunderlich klingen - wobei, für Leute, die meine Artikel jährlich lesen, es ist ja bereits das 6. Jahr meiner Reihe, wahrscheinlich nicht mehr - dass "Christmas Zombies" bei weitem nicht der erste Film des Sub-sub-sub-Genre "Weihnachtszombiefilme" ist, aber er ist mit Sicherheit der schlechteste. Ein Film, so grauenhaft, dass ich nach 5 Minuten gestoppt habe, verdient eine Auszeichnung. Die Mischung aus grauenhaftem Ton, ein Talentvakuum der Schauspieler*innen und Greenscreeneffekte vom digitalen Krabbeltisch machen es möglich. Die "Handlung" des Films will ich gar nicht versuchen zu beschreiben, meiner Psychohygiene zur Liebe. "Von allen guten Geistern verlassen", trifft es punktgenau.

TOYS OF TERROR (2020, Nicholas Verso)
Sichtlich inspiriert vom Geist der mörderischen Spielzeuge, welche in Doughertys "Krampus" (2015) - welcher übrigens immer noch der einzig gute Film mit diesem Namen im Titel ist, auch dieses Jahr wurde uns hier nichts positiv Neues beschert - wüteten, schafft es dieses Kleinod an manchen Stellen wirklich gut, Stimmung aufzubauen. Vor Allem die Location, in Form eines alten Schauerhauses, ist perfekt für eine Horror-Weihnachtsstory geeignet und die Animation der sinistren Spielzeuge ist auch sehr gut gelungen, erinnert sie doch an Ray Harryhausens klassische Stop-Motion-Filme. Leider ist es, wie so oft, hölzerne schauspielerische Leistungen, die jedoch wohl zum Teil auch auf die Kappe der Regie gehen, die die Qualität des Films schmälern.

Wir haben nun die Geister der vergangenen und gegenwärtigen Weihnacht beschworen, doch was ist mit dem Geist der zukünftigen Weihnacht? Vielleicht begegnet uns dieser Geist in Form eines Wunsches für die Zukunft. Ich wünsche mir einen Horrorweihnachtsfilm von Veronika Franz und Severin Fiala. Und dem Krampus. Wenn das nicht geht, wäre ich mit einem neuen guten Krampus-Film allgemein zufrieden. Ich wünsche allen Fröhliche Feiertage und ein besseres, Neues Jahr!

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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