FILM

Bis(s) die Tage - Zwei Vampirfilme in Wien

Bei meiner letztjährigen Review zu "Before Sunrise" habe ich mich noch über das Fehlen einer spezifischen Gattung an Untoten in der Story des Films beschwert und generell das Fehlen von Vampirfilmen, deren Geschehen in Wien angesiedelt ist, bemängelt. Durch einen glücklichen Zufall fand ich jetzt nicht nur zwei Filme - einer ist ein Kurzfilm, zugegeben - sondern sogar einen Vampirfilm, der auch vom "Friedhof der Namenlosen" Gebrauch macht, endlich!

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Vampire in Wien. Abbildung: C. Gajsek

Life Eternal / Drakula in Wien (1963)...

...ist ein 4 minütiger Kurzfilm unter der Regie von Donald Richie und Kameraarbeit von niemand anderem als dem Mitbegründer, langjährigem Ko-Direktor und lebenslangem Freunds des Österreichischen Filmmuseums und Mitgestalter der Viennale sowie der Wiener Festwochen, Peter Konlechner. Beide standen hierbei auch vor der Kamera dieses kleinen, aber feinen Films, der durchaus die filmischen Fähigkeiten seiner Erzeuger erahnen lässt. Die Handlung ist einfach erklärt: Auf einem Friedhof erwacht ein hungriger Vampir (Richie), der auf einem von Ranken überwuchertem Grab ein Schläfchen machte. Ein Opfer (Konlechner) ist, nach kleinen Anfangsschwierigkeiten, schnell gefunden und auch rasch, in alter Vampirmanier, überwältigt und ausgesaugt. Der vampirische Akt geht allerdings für unseren Wiener Dracula nach hinten los, als das Opfer, nun ebenfalls ein Vampir, aufersteht und ihn nun über den Friedhof jagt. Die letzten Bilder der über den Friedhof tollenden Vampire (ich spekuliere einmal, dass es sich hier um den Zentralfriedhof handelt) sind dabei ein schöner Schlussakt.

 Vampire Vienna (2019)...

...ist der zweite Film dieses beißerischen Double Features (nicht zu verwechseln mit "Vampires in Vienna" von 2009). Der Film ist von, mit und durch den sonst eher als Musiker bekannten Mike Lomoz entstanden. Er traute sich nicht nur Drehbuch, literarische Vorlage und Regie zu, sondern spielte auch gleich die charismatische Hauptrolle des Vampirjägers/Priesters/Exorzisten Multitalents. Die Zusammenfassung "Sündiger Gottesmann gegen Vampir-Prolet" macht Lust auf mehr und besonders das Vampir-Massaker am "Friedhof der Namenlosen" lässt herausgerissene Splatterherzen höherschlagen, bevor sie artgerecht mit Genuss verspeist werden. Vampirkomödien sollte es eigentlich öfters geben, sind Lachen und Beißen doch beides Dinge, die den Mund betreffen.

Man sieht also, es gibt sie doch, Vampire in Wien, und zwar gar nicht so wenige: Eine Stadt mit einer morbiden Vergangenheit zieht untote Aristokraten an, wie das Licht die Motten, oder dunkle Höhlen und Burgen die Fledermäuse. Auch interessant zu wissen hierbei: Bram Stokers "Van Helsing" basiert auf dem Leibarzt Maria Theresias, Gerard van Swieten. Dieser wurde von der Kaiserin tatsächlich nach Mähren geschickt, um vermeintliche Fälle von Vampirismus zu untersuchen und durch wissenschaftliche Methoden dem Mythos den Garaus zu machen. Ein Vampirjäger, der nicht nur einzelne Vampire als physische Personen vernichtet, sondern sie gänzlich aus der Realität verbannt, das nennt man ontologische Gründlichkeit!

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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