LITERATUR

Roxane Gay "Hunger: A Memoir of (My) Body"

Jeder Körper hat eine Geschichte. ROXANE GAY erzählt die Historie ihres Körpers in dem außergewöhnlichen Werk Hunger: A Memoir of (My) Body. Eine bis dato ungehörte Stimme berichtet von Hunger: nach Sicherheit, Unsichtbarkeit, Auflösung. Vom hungernden Körper, dem Herz, der Seele. Von einem unbändigen ("unruly body") Körper, der, statt zu verschwinden, allzu sichtbar ist und deshalb zur Angriffsfläche für Gewalt wird.

Hunger klein
"Hunger" - Cover, zVg

Der Körper ein Käfig

Für Fremde, Bekannte, Familie – es gibt kein Entkommen, nicht außerhalb und auch nicht innerhalb dieses Körpers, der sich wie "ein Käfig" anfühlt. Roxane Gay schreibt über die Absurdität dieser Situation. Sie könnte ja etwas ändern und doch … Nach jedem Abnehmversuch strauchelt sie, wird panisch und nimmt schließlich wieder zu. Schon werden urteilende, beschämende Stimmen laut, von draußen und von ganz tief drinnen.

"Die Festung" Körper

"Die Festung" Körper, die Roxane Gay ab ihrem 12. Lebensjahr kreiert hat, erfüllt ihren Zweck nicht. Eigentlich sollte dieser füllige, gesellschaftlich verurteilte Körper Distanz zu gefährlichen Menschen herstellen. Physischer Sicherheitsabstand zu Menschen wie ihren Vergewaltigern. Niemand sollte sich diesem stämmigen Mädchen auch nur nähern wollen – und doch ist die Geschichte ihres Körpers die Geschichte von Gewalt, bis weit in ihr Erwachsenenalter hinein. Das verletzte Mädchen verschwindet nicht, auch nicht unter schwer wiegenden Schichten von Scham und Schuldgefühlen. Die Vergangenheit ruht nicht, ihr Hunger wächst.

"My warmth can be as hot as the sun"

Die Stimme, die einen die Geschichte von Hunger in all seinen schrecklichen, rührenden, hoffnungsvollen und hoffnungslosen Facetten erzählt, fesselt wegen ihres unbändigen Mutes. Fern von Body-Positivity-Zitaten und plakativen Grundsätzen rekonstruiert und konstruiert sie eine Geschichte, die ihre eigene ist, authentisch, schmerzhaft, oft so schmerzhaft, dass man tief durchatmen muss, das Buch aber nicht aus den Händen gibt. So bewegend, dass man etwa noch tagelang über folgendes Zitat nachdenkt: "I am not promiscuous with my warmth, but when I share it, my warmth can be as hot as the sun."

"My body was broken"

Bestseller-Autorin und Kulturkritikerin Roxane Gay schreibt gegen Ende von "Hunger" : "[It was] by far the hardest book I've ever had to write." Viele ihrer Fiction und Non-Fiction-Werke haben sexuelle Gewalt zum Thema. Die Geschichte ihres Körpers, die mit zwölf Jahren plötzlich eine schreckliche Wendung genommen, die ihr Leben als haitianisches "good girl" aus einem hauptsächlich weißen Viertel in Nebraska für immer verändert hat, berührt tief.

Fremde Geschichten

Jeder Körper hat eine Geschichte. Der Drang der Gesellschaft und der Medien ist groß, Geschichten in übergewichtige Körper zu schreiben.* Von Faulheit, Undiszipliniertheit, Gemütlichkeit, Lustigkeit, Nicht-Begehren. "The bigger you are, the smaller your world becomes." Roxane Gays "Hunger" zeigt außerdem auf, dass Gewalt nicht in unterprivilegierten Gegenden lauert. Und wie dieser unbändige Körper sie dorthin gebracht hat, wo sie heute ist. Definitiv ein Must-Read!

Wer bestimmt Übergewicht? Wohl nicht der BMI.

Hunger
Roxane Gay
Harper Collins Publ.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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