WIENER BERUFE

Dann ist Schauspielen eine Extremsituation

Das diverCITYLAB gibt es seit 2013 und bietet Menschen eine Schauspielausbildung. Besonderes Augenmerk legt das diverCITYLAB hierbei darauf Menschen jeglicher Herkunft anzusprechen, vor allem was die Schauspielausbildung und ihre Absolvent*innen betrifft. Einer davon ist Onur Çağdaş Şahan.

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Onur Çağdaş Şahan, Foto: Iryna Yeroshko

Reflexion über diese Zeit

Begonnen hat er mit der Schauspielschule, weil er schon immer Schauspieler werden wollte und schloss diese 2017 als einer des ersten Absolventenjahrgangs ab. Mit der Schauspielschule ist es so eine Sache, stellt sich im Laufe des Gesprächs heraus. Einerseits lernt man natürlich eine tolle Basis für alles Kommende. Andererseits schwand am Anfang bei Onur die Hingabe zum Spielen. Weil ihm die Illusion genommen wurde; Realität und die persönliche Vorstellung über diesen Beruf passten nicht mehr zusammen. Und diese Hingabe musste er sich wieder hart erarbeiten in diesen vier Jahren.

Ein Einzelgänger kann man nicht wirklich sein in einer Schauspielschule. Schlussendlich geht es ja auch um gemeinsame Projekte und Aufführungen; da müsse man als Team dann schon funktionieren. Das Wichtigste, dass er aus diesen vier Jahren beim diverCITYLAB mitgenommen hat, ist zu wissen, wer er als Mensch ist oder zumindest bildet er sich das ein, wie Onur selbst sagt.

Über Diskriminierung und Akzeptanz

Rassistisch würde er die Kultur- und Theaterwelt in Wien nicht bezeichnen. Manche Rollen kann man einfach nicht spielen, wie etwa eine weiße Person keinen Sklaven in den USA des 19. Jahrhunderts darstellen kann. Aber er ist sich bewusst, dass er nie die Rolle eines "typischen" Hans' oder Peters interpretieren werden könne. Damit habe er sich jedoch mittlerweile abgefunden. Alle südeuropäischen Rollen sind wiederum rein optisch natürlich perfekt für ihn. Als "typecasting" bezeichnet er es und erzählt, dass er einmal eine Absage erhielt, weil er einfach zu groß für seine 1,55 m große Filmpartnerin gewesen ist.

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Onur Çağdaş Şahan, Foto: Iryna Yeroshko

Rollenauswahl

Erfahrungen konnte Onur nun bereits auf der Bühne und in Filmen sammeln. Er spielt gerne Rollen, mit denen sich die Leute identifizieren können. Wie zum Beispiel in dem Stück "WASTED" von Kate Tempest im Werk X am Petersplatz, worin er als Danny so vor sich hinlebt und lieber Party macht als tatsächliche Pläne umzusetzen. Oder in dem Jugendstück "Ich, Parasit" im Dschungel Wien als Elias, der im Gegensatz zu seiner perfekten Schwester nicht bereits seine Pension geplant hat und auch keine Pläne schmieden will. Ebenso in dem Film "Loss of Reality" gibt er einen Mann, der einen LSD-Horrortrip überstehen muss und den wir dabei begleiten dürfen.

Konstruktive Kritik

Der größte Unterschied zwischen, nennen wir es einmal Kinder-/Jugendtheater und "erwachsenem Theater" ist das Publikum. Sowohl Kinder als auch Jugendliche sind ehrlicher in ihrer Reaktion und auch in ihrer Kritik. In Publikumsgesprächen nach der Aufführung des Stücks habe es den meisten gefallen. Und die, denen es nicht gefallen hat, die hatten auch logische Argumente dafür. Das zeige, dass sie immerhin eine Stunde lang aufgepasst und zugehört haben und nicht andere Dinge gemacht haben. Das ist auch schon etwas, so Onur.

In allen steckt ein*e Schauspieler*in

Zum Abschluss will ich wissen, was für ihn das Beste daran sei Schauspieler zu sein? Er mag es gerne vor der Kamera zu stehen und sich in den Rollen zu verlieren. Er ist der Überzeugung, dass in jeder Person alles steckt: vom Psychopathen bis zum Heiligen. Das seien doch Extreme am Rande des Spektrums, werfe ich ein. Ja, das kann schon sein. Man müsse jedoch nur wissen, wie man es zum Vorschein bringt, antwortet Onur.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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