NOCH MEHR KULTUR

Die Macht der Identität

starwarsmakDa ich zwischen Weihnachten und Silvester etwas Zeit hatte, beschloss ich mir nicht nur „Star Wars Episode VII“ im Kino anzusehen, Pflichttermin für jemanden, der schließlich damit aufgewachsen ist, sondern auch die Ausstellung „Star Wars Identities“ im Museum für Angewandte Kunst (MAK) zu besuchen. Ich war vom Aufbau und dem Inhalt der Ausstellung sehr angetan und kann einen Besuch nur empfehlen, selbst eingefleischte Star Wars-Fans können hier neue Aspekte altbekannter Charaktere entdecken.

Die Ausstellung wird über den Seiteneingang des MAK betreten, eine Notwendigkeit, bedenkt man den dauernden Ansturm an Besuchern. Man sollte seinen Besuch übrigens etwas genauer planen als übliche Museumstouren, da gekaufte Tickets mit einem Zeitfenster einhergehen, in dem einem der Einlass gewährt wird. Geduld sollte also auf jeden Fall mitgebracht werden, das eigene Stormtrooper-Kostüm (in der Ausstellung ohne Helm bitte, laut Betreiber) ist auch sehr erwünscht.

Hat man sich schließlich durch die Schlange gekämpft, darf man endlich die heiligen Hallen betreten. Wer hier eine Standard-Ausstellung erwartet, liegt jedoch weit daneben! Zunächst bekommt man ein Armband, wozu dieses dient, werde ich ein wenig später erklären, und einen Audioguide zum Umhängen, welcher bei dieser Ausstellung wirklich sinnvoll eingesetzt wird, da viele Videos mit unterschiedlichen Inhalt gezeigt werden, die sonst verwirrend durcheinander plärren würden und den geplanten Aufbau der Ausstellung damit stören würden.

Doch was ist die eigentliche Thematik der Ausstellung?, fragt man sich jetzt. Und das ist nicht so leicht zu beantworten. Einen Hinweis darauf gibt einem bereits der Name der Ausstellung: „Star Wars – Identities“, denn hier geht es nicht NUR um Charaktere und deren Identitäten aus dem Star Wars Universum, oder die Ausstellung von über 200 Originalkostümen, Konzeptskizzen und Set-Ausstattung, sondern auch Identitäten an sich. Dabei ist die Ausstellung auch vom Konzept her total durchgeplant, die einzelnen Stationen nummeriert, sodass aufbauende Informationen auch gut vermittelt werden können. Es wird versucht, die Vielzahl an Faktoren, die einen im Leben prägen, und ihre Auswirkungen auf die eigene Identität auf eine spielerische Art darzustellen. Hierzu dient auch schon erwähntes Armband, denn auf jenem werden Informationen zu einem vom Ausstellungsbesucher selbst erstellten Star Wars-Charakter gespeichert. Diese Informationen sind meistens selbst wählbar, wie zum Beispiel: Rasse, Vererbung, Herkunftsplanet, Arbeit der Eltern, Freunde (hierbei kann man mit einem anderen Museumsbesucher bei einem Terminal „Freundschaft“ schließen, indem man beide Armbänder gleichzeitig an eine markierte Stelle hält!), Beruf, persönliche Interessen, Mentoren und die Entscheidung, ob man sich der „dunklen Seite der Macht anschließen“ möchte. Somit sind also von Genetik, über Neuropsychologie, Soziologie und Anthropologie, um nur eine paar Wissenschaften zu nennen, sämtliche Blickrichtungen auf die Identitätsbildung eines menschlichen Charakters vertreten, was die Ausstellung zu einer wertvollen Erfahrung, auch für Nicht- Star Wars-Fans macht.

Als ich aus der Ausstellung kam, bereits den berüchtigten Giftshop ohne große Verluste passiert hatte (ich erwarb lediglich den Ausstellungskatalog, überteuerte Essstäbchen im Lichtschwert-Stil waren dann doch nicht so das Meine) und einen Kopf voller neuer Aspekte und Eindrücke zu Dingen hatte, die ich dachte, dass sie sich so schnell nicht mehr verändern würden, fiel mir auf, wie genial das Gesamtkonzept der Ausstellung wirklich ist, was sich auch in deren Plakaten widerspiegelt. Denn auch die Faktoren, welche das Leben eines jeden von uns bestimmen, sind zusammen mehr als die Summe ihrer Teile. So ergeben zum Beispiel die Flotte des Imperiums, welche an sich nur eine Ansammlung von Raumschiffen ist, bei spezieller Konstellation, das Bild von Darth Vaders Maske, also auch mehr als die bloße Summe ihrer Einzelteile.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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