NOCH MEHR KULTUR

Die Kunst des Brotes

Es gibt viele Gründe den ein oder anderen Blick auf und in diese Backsteingemäuer zu werfen und ein bisschen mehr über diese Kulturschmiede zu erfahren. Auf geht’s:

Die Brotfabrik, bei vielen auch unter dem Namen "Ankerbotfabrik" bekannt, kann auf eine bewegte und über 120 jährige Geschichte zurück blicken. Heinrich und Fritz Mendl gründeten 1891 ihre eigene Gebäckfabrik und bedienten sich als Wiedererkennungs - und Markenzeichens eines Ankers, welcher fortan auf den Broten zu sehen war. Es dauerte nur ein Jahrzehnt, um zur größten Bäckerei Europas aufzusteigen. Während der erste Weltkrieg wütete, zählten bereits 100 Filialen mit 2.000 Mitarbeitern zu der Ankerbrotfamilie. Während dieser Zeit kristallisierte sich auch heraus, dass die Brote und Gebäcke zu den wichtigsten Grundversorgungsmitteln und die Brotfabrik somit zu einem der wichtigsten
Essensversorger wurde. Nachdem mehrere Besitzerwechsel im späteren Verlauf anstanden, wurde 2003 das Gelände von der Familie Ostendorf übernommen und Teile des stillgelegten Fabrikbereiches mit spannenden Aufwertungs- und Erneuerungsgedanken bedacht, da die "Loft City GmbH & Co KG" dieses Areal übernahm und dadurch vor einem Abriss bewahrte. Nur dem ist es zu verdanken, dass wir heute eine so blühende Szene dort vorfinden können.

brot3Von Galerien, Ateliers über Büros, Schau- und Ausstellungsräumen bis hin zu gastronomischen Schmankerln siedelte sich mittlerweile ein interessantes Spektrum an Lokalen und Läden an.

Für das kulinarische Wohl aller sorgt zum Beispiel die Magdas Kantine. Zwischen 12 und 15 Uhr kann man hier aus zwei Mittagsmenüs auswählen, es gibt selbstgemachte Leckereien und wer es eilig hat kann seine Speise auch für „to go“ einpacken lassen. Das Besondere an der Kantine ist, dass hier acht Menschen verschiedenster Länder und Religionen miteinander arbeiten und dadurch auch ein reger Sprachenaustausch vorhanden ist. Profis arbeiten neben Flüchtlingen und Jugendlichen, jeder ist Teil des Teams, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.

Wer selber aktiv werden möchte und sich nicht nur bedienen lassen mag, kann beim "community cooking" Neues erlernen und in den Geschmack und Austausch von und mit anderen Kulturen kommen. Die riesige Gemeinschaftsküche auf dem Gelände bietet sich ideal dafür an und lässt (fast) keinen Kochtraum aus. Es gibt immer wieder andere Kurse im Angebot, zur Zeit liegt der Fokus auf iranisch und peruanisch. Nach jedem schönen Kochevent wird um eine Spende gebeten, damit die frischen Zutaten auch weiterhin vorab eingekauft werden können.

Was die Kunst und auch die Kultur betrifft, lässt sich die Brotfabrik nicht lumpen und fährt allerlei interessanter und kreativer Studios und Galerien auf. Ostlicht, Lichterloh, Kunstraum Sellemond und viele weitere warten darauf entdeckt zu werden. Man merkt vor Ort direkt, dass hier allerhand spannender Projekte versammelt sind. Im Ostlicht besteht die Möglichkeit internationale Fotografien zu bestaunen und nebenbei noch in den Büchern der hauseigenen Fachbibliothek mit dem Themenschwerpunkt Fotografie und Kameratechnik zu stöbern und das Angebot von über 20.000 Büchern zu nutzen. Der Eintritt ist kostenlos und man sollte sich nicht scheuen vor dem Eingangsportal die Klingel zu bedienen – anders gelangt man nicht in die Galerie. Der Schauraum 11/nullnull widmet sich hingegen der dokumentarischen Fotografie und zeigt jedes Jahr fünf Ausstellungen. In der Hilger BROTKunsthalle werden Kooperationen mit diversen Ausstellern und Museen erweitert und vertieft, unteranderen mit dem MMoMA Moskau und dem Museum der modernen Kunst in El Salvador. So entsteht auf den 800qm ein Schmelztiegel, nicht nur für SammlerInnen. In anderer Form kreativ zeigt sich auch die Deutsch Pop Akademie, welche über 35 Ausbildungsfächer in Musik, Ton, Management, sowie Kommunikation, Bild, aber auch Design, Mode und Dance anbietet. Hier kann in diversen Modellen wie z.B. Vollzeit oder Teilzeit studiert und gelernt werden. Die Teilnehmer befinden sich in einem idealen Umfeld und können manchen Berufsfeldern direkt über die Schulter schauen.

brot4Der große Hof in der Mitte, bietet für alle ein Treffpunkt und die großen "Enzos", bunte Sitzgelegenheiten aus brandresistentem Kunststoff, die man normalerweise aus dem Museumsquartier kennt, laden zum Verweilen ein. Mitten in diesem bunten Pool unterwegs ist auch Superar. Dies ist eine europäische Initiative die es sich zum Ziel gemacht hat Kinder in ihrer musikalischen Ausbildung zu fördern. Die jungen Menschen können sich im tanzen, singen und musizieren ausprobieren und dabei mit anderen Kindern der unterschiedlichsten Herkunft in Kontakt kommen.

Natürlich gibt es noch viel mehr in den heiligen Hallen der Brotfabrik zu entdecken und es wird einiges getan, damit die Vielzahl an Angeboten immer mehr ins Zentrum des Bewusstseins rücken und Aufmerksamkeit erhalten. Die etc.-Redaktion rät dazu einfach mal selber vorbei zu schauen und euch eure persönlichen Highlights heraus zu picken.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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