NOCH MEHR KULTUR

medien geschichte

medien.geschichteIm vierten Stock des Technischen Museums findet man auf rund 2.500 m² die Dauerausstellung medien.welten. Hier verbinden sich Technikgeschichtsschreibung verschiedener multimedialer Medien mit Zukunftsausblicken, -ängsten und -utopien. Begonnen bei Rechenschieber, Druckpressen, Lochkarten, Schreibmaschinen, Fotoapparaten und Kinematographen wird anhand von fast 1.000 historischen Objekten gezeigt, welche Entwicklung diese Medien in Richtung Massenspeichern, Informationsgenerierung und Funkverbindungen durchliefen, da sie grundliegende Voraussetzung zur Funktion der heute alltäglichen und fast schon kaum reflektierten Massen- und Informationsmedien sind.

Die Ausstellung ist in zwei Seiten gegliedert: Auf der einen findet man die Entwicklung der Kommunikation und Informationsverbreitung – Post, Telegraphen, Funk und Rundfunk – auf der anderen jene der Informationsgenerierung, -verarbeitung und -speicherung: Schrift, Buchdruck, Fotographie, Radio, Kinematograph, Computerterminal.

So kann die Geschichte des hier als Titelbild verwendeten Radiotelegraphen, der nach dem ersten Weltkrieg zu zivilen Zwecken als Rundfunk umfunktioniert wurde und dessen sozialen Auswirkungen – heute oft als vollkommen natürlich und gegeben gesehen – nachgelesen werden: Die neue räumliche und zeitliche Organisation der Familie um den Radioapparat, das gemeinsame Hören, die Einteilung in Morgen-, Mittags- und Abendsendungen und der sich dadurch entwickelnde Tagesablauf. Die neue Präferenz des Hörens und Zusammenseins brachten eine Umorganisation der Wahrnehmungspräferenzen, Alltagspraxen und Lebensstrukturen. Jede Generation, aus der neue technische Erfindenden hervorgingen dachte dabei, dass das neue technisierte Zeitalter eingeläutet wird, ähnlich der rhetorischen und semantischen Figuren, in welchen heute von big data und social media gesprochen wird. Auch der anfängliche Hype um das Internet als Träger grenzenloser Information und Demokratisierung des Wissens wird hinterfragt und durch Besorgnis um Biomacht, Neoliberalismus, Datenmissbrauch und Privatheit abgelöst.

Zusätzlich zur physischen Ausstellung können die Besucher auf Computerterminals den virtuellen Rundgang „medien.schau“ absolvieren, der die einzelnen Stationen kontextualisiert, zusätzliches Bild-, Video und Tonmaterial bereitstellt und den Ausstellungsraum auch virtuell erfahrbar macht. Außerdem sind alle Texte dann auch von Zuhause abrufbar, und es gibt, für besonders interessierte, ein Buch mit gleichnamigem Titel zur Ausstellung von Wolfgang Pensold und Otmar Moritsch, in welchem die gesamte behandelte Geschichte der Medien ab dem 15. Jahrhundert und deren Umbrüche in der Gesellschaft nachvollzogen werden können.

Ein Besuch im Technischen Museum ist also besonders anzuraten, wenn man etwas über die Entstehung und Hintergründe alltäglicher Techniken wie dem Smartphone oder Internet lernen möchte, um auch neue Interessen oder Überraschendes in einer der weiteren Ausstellungen, z.B. in der Schwerindustrieausstellung, die einen riesigen LD-Converter zeigt, oder um in der Mobilitätsaustellung etwas über die Geschichte der Geschwindigkeit und Transportation zu finden.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top