Design made in Austria

designforumSachertorte, Head-Skier, Thonet-Sessel. Was zunächst wie das österreichischste Assoziationsspiel aller Zeiten klingt, macht das designforum zum Programm. Gezeigt wird ein eindrucksvolles Sammelsurium von Design made in Austria, mit erfolgreichen Beispielen aus der heimischen Design- und Technologielandschaft von damals bis heute. Nach ihrem erfolgreichen Debüt im Triennale-Museum in Mailand im letzten Jahr gastiert die Ausstellung "Austrian Design Explosion" nun bis 31. August in Wien. 

CHAOS ZUM ANFASSEN
Die Exponate sind Teile einer riesigen Skulptur: Inspiriert von einer Explosionszeichnung aus der Automobilindustrie sind sie an sternförmig durch den Raum greifenden Rohren befestigt und bunt zusammengewürfelt. Dadurch entsteht ein erfrischender Mix aus begehbarer Installation und interaktiven Details. Um wirklich alle Ausstellungsstücke ansehen zu können – und vor allem die an ihnen befestigten Beschreibungen zu lesen –, muss man zum Teil bis in die Mitte des Design-Sterns vordringen, weshalb Berührungsängste hier fehl am Platz sind. Die Besucher können etwa auf einem iPad den österreichischen Spiele-Hit "Blek" ausprobieren; ein anderes Tablet zeigt in einer Slide-Show Werke der Fotografin Iwalja Klinke zum Thema "Rituals". Der Begriff Design wird hier also sehr offen aufgefasst: Mannerschnitten sind ebenso vertreten wie ein KTM-Motorrad und eine Kollektion von Helmut Lang

DESIGN TRIFFT UMWELT
Der Grundtenor der Ausstellung ist betont positiv. Bewusst wird ein unverfängliches, fast sentimentales Bild von Österreich als Land der Erfindungen gezeichnet. Dass eine Errungenschaft wie die "Blue Diversion Toilet" nicht allein auf österreichische Kappe geht, sondern Sprössling einer internationalen Kooperation ist, wird dabei eher ausgeklammert. Als eines von vielen ausgestellten Projekten zum Thema Nachhaltigkeit arbeitet sie mit nur einer einzigen Wasserfüllung und wandelt diese sogar kontinuierlich in sauberes Wasser zum Händewaschen um – sie ist also gerade für Gebiete mit gefährlich niedrigen Hygienestandards eine Möglichkeit, sanitäre Grundbedürfnisse ressourcenschonend zu befriedigen. Auch zahlreiche Upcycling-Projekte sind vertreten, wie eine Lampe aus Lutschern der Firma MAM oder das menschengroße Leuchtmittel "Sister Blister" aus Medikamentenverpackungen, hergestellt von der Firma Walking Chair. Dass diese eine eher skurrile Erfolgsgeschichte geschrieben hat, zeigt ihr gleichnamiger Sessel, den seine Beine tatsächlich durch den Raum bewegen. Allerdings ist er leider nicht in persona vor Ort, sondern wird über ein Tablet eingespielt.

Aufgrund dieses absichtlichen Durcheinanders ist es schwer, die Ausstellung mit klarem Kopf zu verlassen. Sie lädt mit ihren knappen oder fehlenden Beschreibungen der Werke und ihrer chaotischen Anordnung auch weniger zum vertiefenden Informieren als viel mehr zum Staunen und Entdecken ein. Was zunächst eher eine Überforderung für die Augen ist, kann sich schnell als Bermuda-Dreieck entpuppen, da sich mit jeder Hinwendung zum Ausgang mindestens drei bisher unbemerkte Exponate finden. Es lohnt sich aber durchaus, sich die Zeit zu nehmen und zwei-, drei- oder viermal hinzusehen, bevor man vor dem Chaos kapituliert.