Einmal noch Fischer

fischer000Einige Fotografen wie Ingo Pertramer, Matthias Cremer, Dragan Tatic und Peter Lechner kommen mehrmals vor, mit der Zeit erkennt man beim Durchgehen auch die unterschiedlichen Stile der Fotografen.

Am signifikantesten fällt aber natürlich Heinz Fischer selbst auf. Das obligatorische Lächeln, die sympathische Selbstironie und die Bereitschaft alles mitzumachen. Herausgesucht wurden Highlights; Einblicke vom ersten Wahlkampf, Opernbällen, Staatsempfängen und vor allem Besuche von Prominenten oder bei Kindergruppen. Von klassischen Motiven wie Heinz Fischer hinter der berühmten Tapetentür (Ingo Pertramer) – das absolut berechtigterweise das Titelbild der Ausstellung ist – bis zu heimlichen privaten Momenten mit Margit (besonders nett: die Schnappschüsse vom Valentinstag von Carina Karlovits) werden viele Einblicke in den Alltag als Präsident gegeben. Gut, vielleicht sind Staatsbesuche nicht Alltag, aber doch häufig. Vor allem bei denen im Ausland sieht man einen direkten Kontrast: zwischen spalierstehenden Soldaten in Moskau und dem leicht lächelnden Heinz Fischer, der 2011 an ihnen vorbei ging. Oder auch zwischen dem Ehepaar, das bei einem Besuch in Korea von hinten fast unauffällig, aber doch sehr unheimlich von einem Soldaten beobachtet wird.

fischer04Einige Fotos sind auch als Zeitdokumente bezeichnend. Etwa das, von der Regierungsrede Alfred Gusenbauers im Jahr 2006. Auf diesem hat Walter Wobrazek einen etwas gelangweilt wirkenden Fischer abgebildet, aus heutiger Sicht könnte man meinen, dass schon etwas von der, nun ja, nennen wir es Enttäuschung über diese Regierung damit vorweggenommen wurde. Oder aber das Foto von Fischers zweiter Angelobung als Präsident – bezeichnenderweise mit dem Titel „Applaus für und von Heinz Fischer“. Matthias Cremer hat damit 2010 einen Moment eingefangen, den es nicht so oft gibt – die Mitglieder des österreichischen Parlaments wirken nur selten so zufrieden und einstimmig. Ebenfalls Zeitgeschichte hat Peter Lechner auf dem Bild „Habemus Präsident“ eingefangen: Heinz Fischer und Alexander Van der Bellen am Tag nach der Stichwahl. Das erste Foto des Präsidenten mit seinem Nachfolger, als designierter Nachfolger. Zum ersten Mal einem Nachfolger, der dieses Amt nicht wie vorgesehen antreten darf. Wohl auch deshalb wirken die zwei Fotos aus dem Verfassungsgerichtshof besonders bedeutend. Dragan Tatic hat Heinz Fischer am Verfassungstag 2012 bei einer Rede erwischt, allerdings steht dabei nicht Heinz Fischer im Vordergrund. Die schwarz-weiß Kompositionen veranschaulichen eher die politische Verantwortung, die mit dem Amt einhergeht und ein bisschen, wie Heinz Fischer diese ausgelegt hat. Teilweise nur auf der Seite, beobachtend, kontrollierend und unter dem Leitsatz der Demokratie. Ein bezeichnendes Bild.

fischer01So wie fast alle der Fotos. Die Sammlung ist ausgeglichen, es gibt fröhliche, offizielle und manchmal auch bedeutungsschwere Bilder. Zusammengefasst passt der Titel "Bitte - Danke", so kitschig der auch klingen mag. Danke. Weil es definitiv von Vorteil war, einen Präsidenten zu haben, über den die Meinungen nicht komplett auseinandergehen. Das muss auch einmal gesagt werden dürfen.