NOCH MEHR KULTUR

Rückblicke, Ausblicke

-Rückblick-

Ideal Paradise 4871 webIdeal Paradise ist Teil des Gesamtprojekts (katastrophen 11/15). Claudia Bosse erforscht in dessen Rahmen seit 2013 in verschiedenen Performances Formen des urbanen Stadt-Raums, Zusammenlebens und kultureller Umbrüche. Von 21. - 25. Juni 2016 fand auf einem brachliegenden Baugründstück in der Mollardgasse dabei die Intervention Ideal Paradise eine nomadische Stadtkomposition ihren Anfang.

Das Ensemble der durchdachten und äußerst feinfühligen Gesamtperformance bestand aus einem Chor von 20 Personen und sechs Performern*, die anhand von mehreren Stationen über einen Stationen-Weg durch den fünften und sechsten Bezirk bis zum Schloss Belvedere führten. Auf dem Weg wurden gesellschaftlich gefestigte Raumnarrative in Frage gestellt: Wem gehört die überschrittene Straße oder die Wohnung, aus dessen Fenster sich ein verwirrter Besitzer beugt, um zu sehen, wer mit Lautsprechern durch seine Gasse geht? Wer lebt dort und wie sieht ihre kulturell gesellschaftlich bedingte Lebensrealität aus? Und wie konstitutiert sich ein Informationsraum und welches Wissen vermittelt er?

Besonders beeindruckend war dabei die Interventionen im Carla Mittersteig, einem Sammelzentrum für Spenden der Caritas. Zwischen den abgegebenen Möbeln und ihren Vorgeschichten befragten die Performenden durch ihre Köper die Objekt-Raum-Relationen und Verkaufsrealitäten, welche die Anordnung der Möbel im Geschäftsbereich bedingen.

Vor dem Schloss Belvedere klang der Abend schließlich durch eine weitere feinsinnige Ensembleleistung aus, in der die Spielenden die zufälligen Geräusche der Umgebung durch körperliche Bewegungen nachahmten und zum Zuhören einluden. Beschlossen wurde die Gesamtperformance mit einem gemeinsamen Picknick der Spieler* und Rezipienten*.

Eine wundervoll feinfühlige Performance, die einlud, genau hinzusehen und zu hören, mehr wahrzunehmen und Weiten im Kopf entstehen lässt.

-Ausblick-

Nächste Woche werden im Theater Hamakom von 29. September bis 2. Oktober 2016 die Wortstattnächte in Form eines Festivals stattfinden. Das ist besonders interessant für alle Schreibenden, Theaterliebenden und Dramaturgen, da dort Stücke und Monologe der Autoren* Arna Aley, Alexandra Pâzgu, Olivia Wenzel, Gustav Ernst, Pyotr Magnus Nedov, Marianne Strauhs, Jérôme Junod und Thomas Perle präsentiert werden, die im Rahmen des ersten Writers Room und der Wiener Wortstätten enstanden sind. Ziel ist es einen Zugang zum Schreiben zu ermöglichen, weshalb ein Kurzdramenwettbewerb für das Publikum des Festivals – dessen Preis die Uraufführung des Stücks am letzten Tag ist – ausgeschrieben wurde. Dabei gilt es innerhalb der Wortstattnächte einen Text zu entwickeln, der maximal zwei Seiten hat. Abgabeschluss ist der 1. Oktober um 23.00 Uhr.

Am ersten Tag des Festivals werden 10 Monologe über das Verfassen dramatischer Texte und deren mögliche Folgen für die Psyche uraufgeführt. Am zweiten Tag sind die neu entstandenen Stücke “Schwarze Schafe zählen” von Marianne Strauhs, “Plötzliches Tosen einer vorbeifahrenden Schnellbahn” von Jérôme Junod und “mutterseele. dieses leben wollt ich nicht.” von Thomas Perle zu sehen. Am ersten Oktober ist ein interaktives Prinzip geplant: Die Autoren setzen sich direkt mit den Rezipienten auseinander, indem diese von Tisch zu Tisch wandern, und an jedem von einer neuen Lesung oder Performance erwartet werden. Am selben Abend findet auch noch eine Besonderheit statt: Ab 24 Uhr gibt es die Möglichkeit, Dramen zum Einschlafen mitzuerleben. Dabei werden von einer ExpertInnen-Jury bestehend aus Karla Mäder (Schauspielhaus Graz), Marie Rötzer (Landestheater Niederösterreich), Ingoh Brux (Nationaltheater Mannheim) und Sebastian Huber (Residenztheater München) vorgeschlagene Texte, die “einschläferndsten Dramen der Literaturgeschichte”, im Flüsterton bis zum Einschlafen vorgelesen. Am zweiten Oktober geht das Festival schließlich mit einem Improvisationstheater-Frühstück und der Uraufführung des (Publikum)Gewinnerstücks zu Ende. Es ist möglich Karten für einzelne Tage oder einen Gesamtfestivalpass zu erwerben.

Ein Muss für jeden*, der* sich mit neuen Stücken junger Autoren* und mehrere Tage intensiv - auch mit der eigenen- Dramatik auseinandersetzen möchte.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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