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Nesterval – Schnitzeljagd zum Schaudern

clown nestervalDie Familie Nesterval ist sehr speziell und hält sich gerne bedeckt, was Informationen um die Mitglieder angeht. Das Oberhaupt dieses Kollektives ist Herr Finnland, der sich um Regie und Konzeptentwickelung kümmert. An seiner Seite stehen noch Frau Loefberg mit Skript und Szenografie und Herr Walanka, welcher die Leitung von Produktion und Ausstattung leitet.

Das Ensemble hat weitere 24 DarstellerInnen, die sich alle mit Elan in die verschiedenen Geschichten schmeißen und tolle Leitfäden kreieren, an welchen sich die Besucher des Spektakels probieren dürfen. Ein Spektakel sind die ca. 4 Stunden vor Ort allemal. Egal, welches Gelände für das Szenario ausgewählt wird, es kommt eine eigene Stimmung auf.

Mehreren Teams, mit verschiedenfarbigen Kennzeichnungen am Arm, machen sich in kleinen Gruppen auf Geheimnisse und Rätsel zu lösen. Immer im Blick sollte man die anderen Teams haben, denn der Anreiz als erster die Challenge zu bestehen und ans Ziel zu kommen, schwebt natürlich schon in der Luft.

Wir wählten heuer ein Nesterval Abenteuer, welches in Kooperation mit dem / slash Filmfestival entstand und an zwei Tagen im Narrenturm spielte und sich „Edith Nesterval“ nannte. Für alle denen der Narrenturm nicht geläufig ist: Er wurde 1784 als erste psychiatrische Klinik genutzt und beherbergt mittlerweile das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum und seit 2012 auch Stücke des Naturhistorischen Museums. Der Turm bietet Stoff für zahlreiche Gruselgeschichten und auch die Exponate welche ausgestellt sind, lassen die Phantasie brodeln. Ein Besuch für ganz schwache Nerven ist definitiv nicht ratsam. Auf den fünf Stockwerken darf sich in den früheren Jahrhunderten einiges zugetragen haben. Jede Etage in dem Rundbau hat 28 Räume mit sehr schmalen Fenstern. Für die Patienten gab es damals an die 139 Einzelzellen, von denen jede ca. 13 qm misst. Teilweise wurden die Patienten, welche auch als Insassen beschrieben werden, angekettet und bekamen nur wenig Freiraum für Bewegung. 

Heute ist von diesem und allerlei weiteren Schrecken nichts mehr zu merken. Bei Tageslicht kann man die Exponate im Schaukasten bestaunen, ich zahlreiche Hautkrankheiten als Präparate ansehen und unbehelligt am Ende wieder heraus schlendern.

Mit dem Ausprobieren des Nesterval Abenteuer wollten wir zumindest letzteres etwas heraus kitzeln. Mit großer Neugier fanden wir uns in einem der Höfe des AKHs ein und wurden sogleich in die Geschichte gesogen und mit einer ersten Aufgabe losgeschickt: die Seele der armen Edith Nesterval zu befreien und sie wohlbehalten und genesen zu ihrer trauernden Mutter zurück zu bringen. Dafür sollten wir in ihre vielschichtigen Geistesebenen eindringen, welche durch den Turm mit seinen zahlreichen Türen und Gängen eindrucksvoll dargestellt wurde.

Teamwork ist ab der ersten Minute sehr wichtig, jeder sollte versuchen sich einzubringen. Andernfalls kristallisieren sich schnell Hierarchien heraus. Einige Regeln wurden uns vor dem Betreten des Narrenturms eingebläut, wie z.B. das man nicht schnell läuft und auch nichts berührt. Leider war es schwer immer allem Folge zu leisten. Im Turm tummelten sich einige sehr gespenstische Gestalten, die es auf unsere bunten Armbänder abgesehen hatten und auch den Zweck des Erschreckens mit Bravour beherrschten. Allen voran wuselte ein sehr eindrucksvoller Horrorclown durch die Gänge und die drei bespielten Ebenen. Das schaurige, laute Lachen dringt auch jetzt noch an mein Trommelfell. Auch die langen, spitzen Fingernägel bereiteten einem Instant-Gänsehaut und man hörte hier und dort in den Gängen die Besucher überrascht und ängstlich schreien.

Wird man seines Armbandes beraubt muss man vor die Tore des Turms und Aufgaben erledigen, ehe man sich wieder in den Turm – und auf die Suche nach sein Team begeben durfte.

Es kam öfters vor, das die einzelnen Teams nicht weiter kamen und sich im Kreis drehten. Uns erging es ebenso und obwohl die meinige Gruppe anfangs einen erheblichen Vorsprung gegenüber den anderen hatte, wurden wir eingeholt und im Verlauf befanden sich mehrere Gruppen zeitgleich auf demselben Wissensstand. Dieser Umstand führte teilweise zu Staus in den Gängen und verursachte leichte Beklemmungsängste bei einigen, was auch kaum zu verübeln ist, wenn man den Umstand berücksichtigt, dass sich von beiden Seiten noch ein Clown und ein humpelnder „Grusel-Patient“ näherten.

Wir schafften es am Ende als zweites Team heraus und konnten Ediths Seele befreien. Unsere nahm zum Glück keinen Schaden. Doch der Geldbeutel sah etwas leer im Anschluss aus. Denn das Event kostete 36€, was uns für die nur knappen drei Stunden dann doch etwas teuer vorkam.

Dennoch schauen wir schon interessiert auf das kommende Halloween Event im Prater. Nähere Infos findet ihr hier 

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