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Road*Registers

roadregisters001Paneuropäische Verkehrskorridore verbinden infrastrukturell wichtige Knotenpunkte und prägen damit nicht nur Landschaftsbilder, sondern auch Lebenswelten. Die KuratorInnen und KünstlerInnen der Ausstellung Road*Registers stellten sich Fragen nach eben diesen Veränderungen und Bedeutungsverschiebungen in unterschiedlichen Kontexten: Neben den Räumen des xhibit der Akademie der Bildenden Künste Wien, wird ein Testfeld des "Mobilitäts-Alltags" im Stop and Go Projektraum im Nordwestbahnhof, Taborstraße 95 und eine geführte A4-Busexkursion nach Nickelsdorf mit Performance, angeboten. In Räumen, deren einziger Sinn der Transit zu schein ist, insbesondere an Knoten, an denen mehrere Verkehrsflüsse zusammenlaufen - wie Bus-Terminals, Logistik-Zentren, Autobahnraststätten, Märkten oder Grenz-Stationen – lassen sich in den Raum eingeschriebene Geschichten, intime Biographien, Bezüge und Ästhetiken sichtbar machen, welche von der Aneignung das Raums durch Benutzer*, aber auch in Wechselwirkung von den Schicksalen auf Grund der Räume erzählen. Diese scheinbaren, von Marc Augé genannten anthropologischen “Nicht-Orte” entwickeln sich zu einem festen Bestandteil von Lebenswelten und werden, im Sinne Michel de Certeaus, von den Stadt-, “Peripherie”- und Knotenpunktbenützern umgeformt und als Teil ihres Lebens integriert.

roadregisters003Die Ausstellung schafft es, den Blick auf scheinbar alltägliche Transithandlungen zu richten – die Dokumentation der Motorisierung und von second-hand Automärkten in Litauen (Mindaugas Kavaliauskas) oder des Transports von Tomaten über 3000 Kilometer aus der Türkei nach Wien (Gabriele Sturm)- und dabei auch eine Bedeutungsverschiebung zu generieren: So hob die Künstlerin Sonia Leimer etwa 1 m² große Straßenasphaltstücke aus ihrem städtischen Kontext und gab diese und ihre Gebrauchsspuren für den Kontext der Ausstellung und die Reflexion über ihre Geschichte und Benützung frei.

roadregisters004Die angebotene Busexkursion führte zu signifikanten Logistik-Hubs und Knoten transnationaler mobiler Arbeits- und Lebensbereiche entlang der A4: vom Hafen Freudenau, Flughafen Wien Schwechat, Outletcenter Parndorf über die Grenzstation und dem „verlassenen“ Shoppingcenter neben dem bekannten Gasthaus „Paprika“, zu den neu angelegten Asylzentren in der Grenzregion Hegyeshalom-Nickelsdorf. Besonders beindruckend zeigten sich Lebensvorstellungen der Transitwelt auf einem Rastplatz, der von kartenspielenden rauchenden Truckern, die mit Musik und Essen gut gelaunt um einen Ausklapptisch saßen, wohnzimmerartig umfunktioniert wurde. Matthäus Bär, dessen persönliche Geschichte ihn zum Truckerben machte und ihn mit der Truckermusik verband, trug dort auch LKW-Songs live vor und Petra Staduan zeigte eine Performance von Helmut und Johanna Kandl über Liebe und Tod an der Raststätte. Die Ausstellung vereint wissenschaftliche Forschung und künstlerischen Ausdruck auf höchstem Niveau und schafft damit einen Zwischenraum, der den Austausch zwischen den Disziplinen fruchtbar macht. Die Ausstellung Road*Registers ist bis 01.11. gratis im xhibit der Akademie der Bildenden Künste Wien zu besuchen. Zu weiteren Terminen und Veranstaltungen geht es hier.

 

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