Cartoons for the Road

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Dass nicht jede Publikation schwertragend oder große Weltliteratur werden muss, sondern auch kleine Büchlein mit Comics für zwischendurch Spaß machen können, zeigt Stern Zeichner Til Mette mit seiner neuen Sammlung „Cartoons for the Road“ im Holzbaum Verlag. Voll absurdem und ab und zu durchblitzendem schwarzen Humor, spielt er in kleinen Reflexionen mit Erwartungen und Wahrnehmungen und schafft damit Momente der Erleichterung, wenn man, wie bei einer langen Autofahrt, mal abschalten möchte.

Die fast durchwegs in den Farben Schwarz, Weiß und Grau gehaltenen Comics des deutschen Karikaturpreis Gewinners sind durch seine wöchentlichen Stern-Beiträge inzwischen bei deutschen Lesern gut bekannt. In diesem nun englischsprachigen Werk des Autors wird eine Sammlung von seitenfüllenden Zeichnungen vorgelegt, die gegenüber bekannten oft provokanten Art etwas abgeschwächt wirken, dafür aber nicht minder zum Schmunzeln einladen. Oft sind es kleine Details, die zuerst nicht auffallen, wie eine Klopapierrolle in der Hand des ins Meer marschierenden Herren, die das Bild in einen vollkommen anderen Kontext stellen und manchmal mehr, manchmal weniger subtil, Komik entfalten.

Mette ist bekannt dafür, absurde Momente auszukosten um einen Bruch mit gewohnten Betrachtungsweisen und den Witz, der daraus folgt, zu provozieren, lädt beim öfteren Betrachten viel mehr dazu ein, nachzudenken, welches Weltbild und welcher Kontext tatsächlich hinter dem Bild steckt.

So blitzen auch, wie an den Flughäfen („Wollen Sie die Landung inklusive? Das kostet extra“) oder am leeren Strand, an dem sich eine reiche Bewohnern empört („This is how people who have nothing must feel“), subtile Kritik, aktuelle Diskurse und Mettes Weltverständnis selbst durch. Für den entstehenden Bruch mit der Etikette nimmt Mette Normvorstellungen, zieht sie ins Lächerliche und stellt sie aus; so sieht man beispielsweise zwei ältere Erwachsene im Weinfachgeschäft meinen: "We want to get pissed. What do you recommend?“.

Eine subtile, aber doch immer wieder aufblitzende Nebenschiene scheint der für deutschsprachige Länder typische schwarze Humor zu sein, der jedoch nie ganz in den Vordergrund tritt. Auf dieser Ebene ist es für Mette möglich auch rezentere Diskurse wie Bootsflüchtlinge oder die Diskussionen rund um die Schlagworte „Black Lives Matter“ durch die Verkehrung ins Gegenteil und dem Auslösen kurzer Empörungsmomente zu reflektieren.

So weist eine am Strand sitzende Frau einen Schiffsbrüchigen darauf hin, dass er sich auf Privatgrund befindet, oder es wird ein Mann afroamerikanischer Herkunft gezeigt, der sich in der Früh von seiner Frau mit den Worten: „See your later, unless the cops shoot me“ verabschiedet. Als Untertitel zu dem Bild werden die Worte: „Black Humor in America.“ hinzugefügt. Mette, der selbst fünfzehn Jahre mit seiner Frau in den USA lebte, scheint es mit dieser Auswahl hier ein Anliegen zu sein, den Kontext der „police brutality“ zu evozieren und als Reflexionsfläche anzubieten.

Til Mettes Büchlein ist für zwischendurch, „for the road“ eben, lässt den Leser immer wieder (oft unerwartet) Schmunzeln, bietet aber auch ernste Töne und Kontexte an, die zur Reflexion einladen.