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Die letzten Tage der Menschheit - wieder einmal

krausc1Donald Trump ist also der nächste US-Präsident. In Österreich wird am 4. Dezember (wieder einmal) entschieden, wer der nächste Österreichische Präsident ist. Gut, die Rolle ist nicht annähernd so (geo-)politisch relevant, aber für Europa soll entschieden werden, ob nun eine europäische Führungsposition von einem rechten Politiker besetzt wird. Eine Wahl, die damit für die rechtspopulistischen Politiker führungsweisend sein soll - sagen Politikexperten. Aber: wie sehr stimmt das wirklich? Was würde passieren? Und sind all diese Entwicklungen tatsächlich ein Weltuntergang?

Die Antwort ist einfach: Nein. Die Welt hat noch jeden Umschwung, jeden politischen Wechsel überstanden. Die Frage ist nur, welchen Wechsel wir überstehen wollen. Denn die Gesellschaft hat derartige Wechsel oft nur moralisch oder ethisch lädiert überstanden.

Die bekanntesten Beispiele dafür sind wohl unweigerlich die beiden Weltkriege, die besonders Europa in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts radikal verändert haben. Auch damals war bereits davor eine Veränderung spürbar: Sozialer Wandel, Abstiegsangst, Klassen- und Rassenfeindlichkeiten - genau diese Phänomene prägen auch die heutige Gesellschaft.

Und – untertrieben gesagt – waren die Folgen fatal. Der erste Weltkrieg ging wegen der Unmenschlichkeit in der Kriegführung ein. Neue Waffen wie Senfgas wurden verwendet, die Auswirkungen auf Menschen waren allerdings kaum erforscht, unzählige Tausende Soldaten starben elendiglich auf inhumane Weise. Die Unmenschlichkeit des rücksichtloses Einsatzes von Menschen als Kriegsmaterial wurde nur von Hitlers Rassenwahnsinn im zweiten Weltkrieg überboten, der Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Rasse, Sexualität und teilweise auch aufgrund der politischen Einstellung die Anerkennung ihres Mensch-Seins entzog und auf ebenso grauenhafte Art und Weise ebenfalls massenhaft ausrotten ließ.

Karl Kraus hat damals unter den Eindrücken des ersten Weltkriegs das Marstheater "Die letzten Tage der Menschheit" verfasst (auch als Graphic Novel erhältlich). Eine Aufführung würde die Kapazitäten von Schauspielern und Publikum überschreiten, die Umsetzung ist damit nicht möglich – auch wenn es sehr gute auszugsweise Umsetzungen wie im Burgtheater gibt. Schriftlich ist das Stück allerdings eindeutig empfehlenswert, denn Kraus hat zumindest eines eindeutig geschafft: die Unmenschlichkeit der Menschen aufzuzeigen.

Darin inkludiert ist auch für heute eine Warnung: Gesellschaftliche Umbrüche, Stimmungen und Massenmeinungen beeinflussen zwar jeden, allerdings nicht zum Positiven. Das lässt sich auch in der heutigen Politik erkennen. Hetze und Hass führen nicht zu besserer Politik, führen nicht zu einer besseren Welt. Kraus beschreibt in den letzten Tagen klar, wie sich Stimmungen verändern und einzelne Menschen diese unreflektiert aufnehmen und sich absichtlich von Politik und Propaganda hinter das Licht führen lassen. Mit dem einzigen Ziel, die eigene Position zu behalten und im Idealfall zu stärken.

Doch in Hinblick auf Wahlversprechen, die für viele eher nach dystopischen Drohungen klingen, sollte dieser Aspekt nicht vergessen werden. Die Menschheit ist durch Zusammenhalt voran gekommen, die Entwicklung von Sozialstaaten war häufig eine Folge des Wiederaufbaus nach den Weltkriegen. Eventuell auch in dem Bewusstsein, dass gegenseitiges Fürsorgen gesellschaftliches Zusammenleben vereinfacht. Deshalb stellt sich die Frage, ob wir Trump, Hofer, Le Pen oder all den anderen Nationalisten (Orban, Putin, May...) die Möglichkeit geben wollen, ihre Wahlversprechen wahr zu machen. Denn eine Eskalation ist immer möglich.

Daher zum Abschluss: Kraus lässt in den letzten Tagen der Menschheit das österreichische Antlitz reüssieren und die Beschreibung klingt sehr nach den Worten der FPÖ.

Aus Tod wird Tanz,
aus Haß wird Gspaß,
aus Not wird Pflanz,
was is denn das?
Is alles stier,
is's einerlei,
denn mir san mir
und a dabei.
Ein guter Christ
sagt: Kinder bet's,
und Henker ist
man nur aus Hetz.

Wir sollten uns seitdem weiterentwickelt haben. Und daher sollte auch die heutige Politik in diesem Bewusstsein betrachtet werden. Denn obwohl, die Geschichte sich häufig wiederholt, sollte man keine neue Wiederholung provozieren. Egal, ob Politiker es darauf anlegen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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