NOCH MEHR KULTUR

Wenn es beim Aufstehen schmatzt – Hitze und kulturelle Veränderungen

hitzewelle kleinVermeintliche Überlebenshilfe während des Sommers, Foto: C. Gajsek

Wir alle haben es bereits mitbekommen, es wird heißer. Nicht nur im Sommer, nicht nur im Lieblingsurlaubsort, sondern in der Arbeit, in den Öffis, in den Lokalen und in den eigenen vier Wänden. Was das mit der Umwelt macht, vom Artensterben bis Polkappen- und Gletscherschmelzen, wissen wir auch alle schon recht gut; von Zeitungs- und Internetartikeln und auch durch ein unglaublich engagiertes Mädchen namens Greta Thunberg, die dadurch leider auch Zielscheibe rechter Anfeindung geworden ist. Doch was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft, unserer Kultur? Wie verändert sich unsere Beziehung zu unserer Umwelt, zu unseren Heimen, dem "Draußen" und dem "Drinnen", wenn die Temperaturen weiter ansteigen?

Kältetechnik in jedem Haus - Siegeszug der Klimageräte

Waren Klimageräte früher noch ein recht seltener Anblick im Privatbereich und eher in Restaurants und Hotels zu finden, so haben sie heute längst jedes Kinder- und Computerzimmer erobert. In jeder Küche und jedem Schlafzimmer aufzufinden und dort, gerade bei der rekordverdächtigen Anzahl an Nächten mit Temperaturen über 20 Grad, nicht mehr wegzudenken. Und selbstverständlich kann hier auch viel falsch beim Kauf und der Installation gemacht werden; und so braucht es natürlich Fachkräfte und Klimaanlagen-Gurus, die immer das neueste und beste System kennen und natürlich auch verkaufen können. Nebenbei gibt es natürlich bei der Unzahl an Geräten nicht nur verschiedenen Typen, sondern auch Preisklassen, die wieder einmal eine klassizistische Hierarchie in der Gesellschaft unterstreichen. Einzig und allein bei der grundsätzlichen Besatzung durch die grauen/weißen und manchmal blauen (blau suggeriert natürlich Kühle) Kästen sind alle vereint.

Draußen und Drinnen – Privates und Öffentliches

Die alte Idee vom "Drinnen" und "Draußen" und die Türschwelle, die als Grenze dieser Welten dient, ist ein fixer Teil unserer Kultur. Das Ritual des Anziehens der Bekleidung für den öffentlichen Bereich dient zusätzlich als Verstärkung dieses Eindrucks. Seit längerer Zeit jedoch haben Genderstudies und andere Sozialwissenschaften diese künstliche Trennung vom Privatem und Öffentlichen hinterfragt und dekonstruiert. Dennoch bleibt meistens eine imaginäre Linie über, die jedoch durch die ansteigenden Temperaturen "schmilzt", nicht nur weil man sich kaum mehr umziehen muss und somit dieses Ritual entfällt, da die Außentemperaturen kaum von jenen im Innenbereich abweichen, sondern auch weil wir unseren Lebensbereich immer mehr ins Freie verlegen. Früher technisch unmögliche Flachdächer sind Erweiterungen der Wohnsituationen, eine Terrassen- und Balkonkultur findet laufend Zuwachs in immer länger währenden Hitzesaisonen. Gleichzeitig findet auch eine kulturelle Aufwertung von Kälte statt, die Möglichkeit der Abkühlung in Räumen mit Konsumzwang wird zum Verkaufsargument. Olfaktorisch unangenehme U-Bahnen sollen zusätzlich parfümiert werden.

Ob man die Hitze gut verträgt oder nicht, wir alle müssen mit ihr leben, und uns in den nächstens Jahren auf noch heißere Sommer gefasst machen. Einen kühlen Kopf bewahren wird hierbei immer schwieriger und erhitzte Gemüter sind augenscheinlich ein fixer Bestandteil eines Tagesablaufs. Wir vom ETC. Magazin bemühen uns weiterhin um wohltemperierte Artikel, in diesem Sinne: holt euch ein Eis, legt euch damit in die Badewanne und chillt.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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