NOCH MEHR KULTUR

Mumury / Das Vulva Spiel

mumury kleinMumury und Vulva-Gipsabgüsse. Foto © Flora Löffelmann

MUMURY – ein Gedächtnisspiel mit Abbildungen von Vulven. Vulven in allen Variationen und jede unikal. Das ist das Schöne an Mumury: Einzigartigkeit wird gefeiert! Die Prämisse des Spieles: Hinschauen, einprägen. Memory eben, auf die besondere Art.

Die Reise beginnt

Die Reise in  GLORIA DIMMELS Wohnzimmer in einem sympathischen Wiener Altbau mit dunklem Boden und dunkler Ledercouch hat für mich nicht erst am selben Sommer-gewittrigen Abend begonnen. Ungefähr neun Monate zuvor habe ich das erste Mal von dem Projekt "Mumury/Pussy Pairs" gehört. Eine ETC.-Kollegin hat beim Redaktionstreffen von ihrer spannenden Erfahrung berichtet. Ein anderer Kollege erzählte außerdem davon, dass bei einer Ausstellung von Glorias Kunstwerken – der Vulvenabdrücke aus Gips – fast die Hälfte gestohlen wurde.

Die Neugierde wuchs ...

… und Fragen wie: Warum macht man bei diesem Projekt mit und: Wie kommt man auf die Idee, Ausstellungsstücke einfach so mitgehen zu lassen?* Nach dem Treffen mit meinen KollegInnen begann ich zu recherchieren. Gloria Dimmel war mit ihrem Memory-Spiel zu der Zeit bereits prominent im Netz und Magazinen vertreten, ein erfolgreiches Crowdfunding sollte folgen, Fernsehteams haben sie während Vulva-Sessions begleitet. Die Message "Spread the Vulva" scheint im Mainstream gelandet zu sein.

Warum Mumury?

Warum aber möchte man bei Mumury mitmachen und seine Vulva materialisieren, sie als Gipsabdruck mit nach Hause nehmen oder auf Spielkarten abgebildet sehen? Nach Internetrecherchen und intensiver Auseinandersetzung mit Themen rund um weibliche Lust, Autonomie und Anatomie sowie Kunst, die sich Weiblichkeit in all ihren Formen widmet – und spätestens nach der Session bei Gloria, bin ich davon überzeugt: Die Beweggründe sind so vielseitig und einzigartig wie eine Vulva.

Kultur des Schweigens

Es gibt jedoch Anstöße, die aus einem mehr oder weniger kollektiv weiblichen Erfahrungsschatz entstammen. Dieser kann  kulturell und/oder familiär genormte Scham und Ekel, streng religiöse Erziehung, mangelhaften Sexualunterricht, sexuelle Übergriffe, eine Kultur des Schweigens über weibliche Geschlechtsteile und ihre Funktionen und vieles, vieles mehr umfassen.

Geschichten oder: Der Weg ist das Ziel

Bevor ich in dem bequemen Couch-Sessel Platz nehme und die warme Algen-Masse auf meine Vulva verteile, haben mich unzählige Geschichten von Frauen und Menschen mit Vulven zuvor zutiefst bewegt. Das Kennenlernen und die Gespräche mit den Frauen während der Vulva-Session selbst waren außerdem eine ganz spezielle Erfahrung: intim und respektvoll, lehrreich und lustig, unbeschreiblich und doch auf eine Art vertraut – was nicht nur dem Zufall geschuldet war, dass es vier Kärntnerinnen in die Hernalser Wohnung verschlagen hat.

Ambiente

Es ist 22 Uhr geworden, wir plaudern über unsere Berufe, was wohl KollegInnen über dieses Projekt denken oder dazu sagen würden. Wir unterhalten uns über Partner, Scham, unsere Kindheit, Sexualität im Jugendalter, die Vulva vor und nach der Schwangerschaft. Gloria erzählt uns ein wenig von ihren Erfahrungen mit verschiedenen Fernsehteams. Hauptsächlich war ihr das "Gestellt-Sein" zuwider. Wir können das jetzt umso besser verstehen – in so einem stimmungsreichen Ambiente, in dem Sicherheit und Freiheit von Vulven kultiviert wird und ganz persönliche Dialoge entstehen, ist es nur schwer vorstellbar, ein Kamerateam mit im Raum zu haben (vor allem eines zur Gänze aus Männern bestehendes).

Hinschauen

Mumury – ein Gedächtnisspiel mit Abbildungen von Vulven. Vulven in allen Variationen und jede unikal. Die Prämisse ist, sich das Bild zu merken, das Paar zu bilden, hinzuschauen. Das Schöne an Mumury: Jede Einzigartigkeit, jede Stimmung, die die jeweilige Vulva auf die betrachtende Person ausübt, wird nicht weggeschoben, vergessen und verdrängt. Eine Auseinandersetzung findet spielerisch statt. Auf diese Weise verlernen wir hoffentlich zu werten, zu beschämen und zu verurteilen.

PUSSY PAIRS AKA MUMURY - DAS VULVA-SPIEL. Entwickelt von Gloria Dimmel.

*Warum Gips-Vulvaabdrücke gestohlen wurden, lässt sich bis heute nicht genau erklären. Einige sind nach einem Social Media Aufruhr wieder retourniert worden. Die Scham war groß.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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